„SAP streicht die Frauenquote“ vom 12. Mai und „Goodbye, Diversity?“ vom 17./18. Mai:
Rückwärtsgewandte Unternehmenspolitik
Was sind das für rückgratlose Männer bei SAP und bei anderen deutschen Unternehmen, die sich der Willkür eines ungebildeten, unberechenbaren, egozentrischen, machtgierigen Mannes, derzeit Präsident der USA, beugen und vorbehaltlos die hierzulande hart erkämpften Errungenschaften in puncto Gleichstellung, Diversität und Inklusion kündigen?
Freiwilliger Frauenanteil in den US-Niederlassungen? Nicht doch! Womöglich ist es willkommen, sich unter Berufung auf Trumps Diktat dieser (nur) in Deutschland gesetzlich verankerten Verpflichtung entledigen zu können! Wo bleibt die Empörung aller anständigen Menschen in Anbetracht dieser eklatanten rückwärtsgewandten Unternehmenspolitik?
Darf man auf Widerstand, auf die Solidarisierung mit den bald Betroffenen hoffen? Wird SAP außer Ächtung für diesen Schritt der Unterwerfung schmerzhafte Konsequenzen erfahren? Fakt ist: SAP, ein Vorzeigeunternehmen aus Deutschland hat nicht den Mut, sich gegen die Einschüchterungsmaßnahmen der aktuellen US-Regierung zu stemmen. Gefolgschaft statt Zivilcourage.
Yvette Simons, Sinzig
Verordnete Eingleisigkeit
Unternehmerische Monokulturen sind anfällig. In einer Welt schneller Veränderungen braucht es die Vielfalt des Blicks … nicht wegen „Moral oder Marge“, aber wegen einer Offenheit der Perspektiven, Meinungen, Weltbilder, Herkünfte, die ein Unternehmen benötigt, als Voraussetzung für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit in turbulenten Märkten. Politisch verordnete Eingleisigkeit hingegen war ein Grund für das Scheitern der Planwirtschaft. Unternehmen, wie SAP, Telekom und andere machen einen großen strategischen Fehler, wenn sie sich von der ideologischen US-Politik dazu treiben lassen, die Vielfalt über Bord zu werfen.
Dr. Ralph Bürk, Engen
Klarer Wirkungsfokus
Dass die SZ Thomas Sattelberger als Aufhänger nimmt und seine Aussagen unkommentiert wiedergibt, zeigt die grundlegende Schieflage zum Thema Diversity in Deutschland: Nicht jahrzehntelange Erkenntnisse, Erfahrungen und Entwicklungen bestimmen die Diskussion, sondern Namen, Nischen und nicht endende Proporzschelte.
Es passt nicht zum Qualitätsjournalismus der Süddeutschen Zeitung, dass es vier AutorInnen eines fünfspaltigen Artikels nicht gelungen ist, erstens die Herkunft und grundlegende Zielsetzung von Diversity (die wertschöpfende Berücksichtigung von zunehmender Vielfalt in der Wirtschaft zum Wohle aller Beteiligten) in Erinnerung zu bringen, zweitens auf die problematische Wirkung von engen, simplistischen Repräsentationsagenden in diesem Kontext hinzuweisen (ethisch-politisch motivierte Geschlechterparität versus Vielfalt aus Firmensicht) oder drittens belastbare Business-Case-Informationen statt des umstrittenen Strategieberaterpapiers zu erwähnen.
Immerhin weist der Artikel in die Richtungen, die jetzt eingeschlagen werden müssten: weniger DEI-Polarisierung und klarerer positiver Wirkungsfokus im Sinne der Unternehmen und ihrer Stakeholder. Medien können zu weiterem Fortschritt beitragen, indem sie differenziert und langfristig eingeordnete Informationen und vorhandene Handlungsempfehlungen bereitstellen, sodass pragmatisch und zukunftsorientiert erkennbar wird: Geschäft braucht Kundennähe, Innovation und engagierte Talente, und das gelingt nur mit Vielfalt, klaren Werten und Einbeziehung – und zwar in dieser Reihenfolge.
Michael Stuber, Köln
Kein Aushängeschild
Ich bin wütend, frustriert, erschrocken, zornig über die Haltung dieses Konzerns. Er will ein Aushängeschild für Deutschland sein? Jedenfalls nicht, was ich darunter verstehe. Hat im Konzern der Aufsichtsrat nicht funktioniert oder hat er kein Ethikverständnis? Vorauseilender Gehorsam, sich auf Teufel komm raus anbiedern, das hatten wir vor 90 Jahren schon einmal. Wer da meint, dass man das nicht vergleichen kann, der sei daran erinnert, dass Hitler den Staat nach seinen Vorstellungen radikal umgebaut hat. Und Trump? Sieht man keine Gefahr, dass Ähnliches passieren kann? Verfolgung von Minderheiten, Ausgrenzungen von Menschen, Frauen zurück an den Herd, in manchen Ländern auch gewaltsam, zu übernehmen. Sind das nur Worthülsen? Volker Ebeling, Neustadt am Rübenberge
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