RuhrtriennaleFataler Boykottaufruf

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Nach der Aus- und Wiedereinladung einer israelkritischen Band auf der Ruhrtriennale hält ein Leser dessen Leiterin für naiv. Ein anderer fragt, was man überhaupt noch Kritisches über Israel sagen dürfe.

" An der Schamgrenze" vom 20. August:

Die Frage der Leiterin der Ruhrtriennale Stefanie Carp, ob man nicht unterscheiden müsse zwischen großartigen Künstlern und den politischen Engagements, die sie tätigten, ist mehr als naiv. Veit Harlan und Leni Riefenstahl waren sicher hervorragende Regisseure, also großartige Künstler, aber drehten dann doch Filme wie "Jud Süß" und "Triumph des Willens", mit den bekannten fatalen Folgen. Carp hätte die Band Young Fathers nicht zur Ruhrtriennale einladen dürfen, denn deren Engagement für die Ziele dieser gegen Israel gerichteten BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions) waren bekannt und hätten ihr zu denken geben müssen. Hier hätte sie sich an Deutschlands jüngste Vergangenheit erinnern müssen. So viel Geschichtsbewusstsein muss man von der Leiterin der Ruhrfestspiele schon erwarten, dass ihr die Parole "Deutsche, kauft nicht bei Juden" vom April 1933 präsent ist. Dieser Boykottaufruf führte schlussendlich nach Auschwitz, Sobibor und Treblinka.

Das Verhalten Israels gegenüber den Palästinensern ist in vielen Aspekten kritikwürdig. Es gab Zeiten, da arbeiteten Zehntausende von ihnen in Israel und hatten für sich und ihre Familien ein sicheres Einkommen. Aber auch der Terrorismus und die Radikalität der palästinensischen politischen Führerschaft trugen das Ihre zur aktuellen Situation bei.

Dr. Peter Güldenpfennig, Unterhaching

Was ist antisemitisch?

In den Zeiten des Kalten Krieges waren wir uns einig, dass die sowjetische Besatzung beendet werden muss. Ronald Reagans Forderung "Tear down this wall!" fand unsere Zustimmung. In der Diskussion über das Programm der Ruhrtriennale und Stefanie Carp fängt aber Orwell'scher Neusprech an: Alles ist antisemitisch.

Wer die israelische Politik der fortgesetzten Besatzung kritisiert, hätte sich im Vorfeld besser informieren müssen. Die Freiheit der Kunst ist schnell zu Ende, sobald eine Gruppe mit BDS in Verbindung gebracht werden kann. Wenn jemand in NRW ein Ende der israelischen Besatzung Palästinas fordert, boykottiert Ministerpräsident Armin Laschet die ganze Kulturveranstaltung. Ist das jetzt Orwell oder Kulturfeindlichkeit? Wahrscheinlich darf man nicht darüber berichten, dass das israelische Militär immer wieder palästinensische Schulen zerstört. Ist es Antisemitismus, wenn man darüber berichtet, dass Israel die Unesco boykottiert?

Friedhelm Kuhl, Hagen

© SZ vom 06.09.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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