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Rom:Unverständliches Nein

Ein gemeinsames Abendmahl beim Ökomunenischen Kirchentag scheitert am Veto des Vatikans. Diese Entscheidung inmitten Reformdiskussion befremdet.

Zu "Schon wieder Post aus Rom" vom 23. September:

Was für arrogante Herren sitzen da doch im Vatikan zu Rom beisammen und bilden sich ein, gerade sie hätten das tiefe Geheimnis jenes Abschiedsmahles begriffen, zu dem Jesus vor seinem Tod seine getreuen Jünger eingeladen hatte, von denen er genau wusste, dass sie ihn bald verraten und verleugnen werden, dass sie den Sinn seines Todes überhaupt noch nicht verstanden hatten und ihn auch noch nicht verstehen konnten. Dieses heilige Mahl, das Mysterium aller Mysterien, bei dem kein Teilnehmer darüber hinauskommt, sich immer wieder neu zu verwundern, das reißen sich ausgerechnet diese stolzen Römer unter den Nagel und wollen nur mit ihresgleichen zusammen dieses eigentlich Christus gehörige, uns geschenkte Mahl feiern, als hätten sie es erfunden und könnten es allein richtig erklären. Aber die Alles-besser-Wisser sterben nicht aus. Und eines ihrer vergoldeten Nester haben sie in Rom eingerichtet und wollen, dass alle Christen nach ihrer Pfeife tanzen. Es ist doch interessant und wird gerade an diesem Mahl deutlich, wie eng Bekenntnis und Verrat beieinanderliegen und wie schnell sie ineinander übergehen können.

Gerhard Schmidt, Krailling

Die Glaubenskongregation hat die Tür zu "Gemeinsam am Tisch des Herrn" zugeschlagen. Die Mahlsgemeinschaft zwischen evangelischen und katholischen Christen wird es in absehbarer Zeit nicht geben, ein Tiefschlag für die Ökumene. Hatte man auch gehofft, Papst Franziskus würde hierzu liefern, so ist man schwer enttäuscht. Die Trennung der Christen wird zementiert. Die eindringlichen Worte am Gründonnerstag 2020 von Kardinal Marx am Schluss des Abendmahlgottesdienstesim Münchner Dom waren sehr bemerkenswert und nehmen eine Gegenposition ein: Der Kardinal sprach ergriffen davon, dass doch bald die Zeit eines gemeinsamen Abendmahls für katholische und evangelische Christen kommen möge und bekräftigte, dass er dieses Geschenk Gottes noch erleben möchte.

Auch der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford Strohm, hier eines Sinnes mit dem Kardinal, hat kürzlich erst bekräftigt, "dass wir wirklich einen Geist der Gemeinsamkeit befördern. Dazu gehört auch die Frage, was wir Evangelische eigentlich tun können, um es der katholischen Kirche leichter zu machen." Diese Gedanken ermuntern. und lassen mich auf die von doch zahlreichen Mitgliedern der christlichen Kirchen der zur Praxis gewordenen Mahlsgemeinschaft verweisen. Ab- und Ausgrenzung stehen der Gemeinsamkeit und jedem christlichen Anspruch entgegen.

Dr. Christoph Lickleder, Kelheim

© SZ vom 08.10.2020

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