Benko-PleiteWarum waren alle geblendet?

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"Benko war es nicht allein": Ein Graffiti an einem Bauprojekt der insolventen Signa-Gruppe in München bringt auf den Punkt, was auch SZ-Leser umtreibt.
"Benko war es nicht allein": Ein Graffiti an einem Bauprojekt der insolventen Signa-Gruppe in München bringt auf den Punkt, was auch SZ-Leser umtreibt. (Foto: IMAGO/Wolfgang Maria Weber/IMAGO/Wolfgang Maria Weber)

Die Holding des Immobilienhändlers René Benko ist insolvent. SZ-Leser fragen, warum Geldgeber sich so lange auf ihn einließen - und warum der Staat meint, Kaufhäuser retten zu müssen.

Artikel "Am Tiefpunkt" vom 30. November und Kommentar "Die Staatshilfen waren ein Fehler" vom 1. Dezember:

Niemand hat nachgedacht

Schon bei den ersten Berichterstattungen vor Jahren und beim Anblick dieses aalglatten Geschäftemachers kamen mir Zweifel. Ich vermutete schon damals, dass René Benkos steiler Aufstieg genauso endet, wie es jetzt den Anschein hat. Zu diesem geschäftlichen Raketenstart halfen ihm Groß- und Kleinbanker, Politiker, Aufsichtsräte und viele mehr. Bei all diesen Steigbügelhaltern muss man davon ausgehen können, dass sie über genügend Intelligenz, Menschen- und Marktkenntnisse verfügen und vor allem Projekte im Sinne des Gemeinwohls vorantreiben möchten. Nichts von dem allem war hier der Fall. Alle sonnten sich in der Ausstrahlung dieses mutmaßlichen Blenders. Keiner hat offensichtlich nur ein bisschen nachgedacht und wurde misstrauisch.

Frieder Füllemann, Tutzing

Teure Ladenmiete?

Unerfreulich ist einmal mehr, dass in dem inzwischen auf fast unerträglichen Umfang geschrumpften Wirtschaftsteil der SZ inzwischen wohl jedes Gespür für Zahlen abhandengekommen ist. Es wird von einer Staffelmiete für Benkos Kaufhäuser mit "enormen Steigerungsraten" gesprochen, die von 82,5 Millionen Euro im Jahr 2023 auf über 100 Millionen Euro im Jahr 2049 steigen soll. Tatsächlich entspricht dies jedoch einem jährlichen Anstieg von circa 0,75 Prozent. Welcher Mieter, zumal in Großstadt- und Innenstadtlagen, würde sich nicht über derartige geringe jährliche Mietsteigerungen freuen?

Jürgen Supper, München

Staat als zweifelhafter Retter

Warum steckt der Staat immer wieder Geld in wankende Privatunternehmen, denen kein privater Geldgeber mehr helfen will? Anscheinend waltet da eine feste Überzeugung, dass jede Veränderung in der Wirtschaft nur ein Wandel zum Schlechteren sein kann. Wenn Warenhäuser schließen müssen, dann kann das Ergebnis nur die Verödung der Innenstädte sein. Wenn Mitarbeiter entlassen werden, dann kann die Folge nur Langzeitarbeitslosigkeit sein. Das ist irrational. Vielleicht werden manche Immobilien eine Zeit lang leer stehen. Aber in einer guten, verkehrsgünstigen Lage werden sich über kurz oder lang wieder neue Nutzungen ansiedeln. Vielleicht werden einige Investoren ihre Millionen abschreiben müssen. Aber zu gesunkenen Preisen werden andere zugreifen. Und die Arbeitsplätze? Anscheinend hat sich immer noch nicht herumgesprochen, dass es in Deutschland aus demografischen Gründen auf absehbare Zeit einen Mangel an Arbeitskräften geben wird. Wer heute seinen Arbeitsplatz verliert, hat beste Chancen, morgen einen neuen zu finden. Die Politik ist zum Teil anscheinend immer noch in den alten Beschützer-Narrativen verhaftet. Es ist gefährlich, immer wieder den Glauben zu nähren, der Staat könne und müsse alles reparieren, wenn die Erwartungen am Ende dann doch enttäuscht werden.

Axel Lehmann, München

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