Reinhard Grindel Maßlos, aber kein Einzelfall

Der Rücktritt des DFB-Präsidenten hat die Debatte um Moral und Bezahlung von Spitzenämtern und Gehältern im Profifußball neu entfacht. Es gibt einen Zusammenhang zwischen den Millionen der Stars und dem Maßstab der Funktionäre, meinen Leser.

Rücktritt nach teurem Uhrengeschenk: Reinhard Grindel, Ex-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

(Foto: dpa)

Zu "Gier ohne Ende" und "Die Uhr ist abgelaufen", jeweils vom 3. April, sowie zu "Diskret aufgestockt" vom 2. April und "Länder dürfen Fußballklubs an Polizeikosten beteiligen" vom 30./31. März:

Zwei Ereignisse aus dem Fußballbereich beschäftigten in der letzten Zeit die Medien: einmal der Rücktritt von Reinhard Grindel, dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes. Zum anderen das in dritter Instanz gefällte Urteil zur Beteiligung der Fußballklubs an den Ausgaben für Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen. Kann man zwischen beiden einen Zusammenhang erkennen? Beide Ereignisse zeigen auf, dass die Welt des Fußballs eingeordnet sein muss in die moralischen und rechtlichen Bedingungen unserer Gesellschaft. Ist der Fußball in all seinen Schattierungen nicht in eine Gefahr geraten, viel mehr zu sein als die schönste Nebensache der Welt? Ist er nicht zu einem sehr einflussreichen Bereich geworden, der fast wie ein religiöses Phänomen sakrosankt ist, also keinerlei Einschränkungen unterliegt?

Hut ab vor unserem kleinsten Bundesland, dem Stadtstaat Bremen, der die äußerst finanzstarke Deutsche Fußball Liga auf gerichtlichem Weg dazu zwingen musste, sich bei einem "Hochrisikospiel" an den Zusatzkosten für den Polizeieinsatz zu beteiligen. Die normalen Kosten für Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen werden ohnehin vom Steuerzahler getragen! Die in Rechnung gestellten 430 000 Euro sind ein Klacks, wenn man bedenkt, dass die Ablösesumme für einen einzelnen Fußballspieler bei Bayern München 80 Millionen Euro beträgt. Das "Gewinnenmüssen um jeden Preis" scheint noch immer von Fans mitgetragen zu werden. Ist ein Zeitpunkt abzusehen, an dem sich das Interesse der Zuschauer vom Fußball abwenden wird, so wie es beim Profiradsport zu beobachten war?

Helmut Gattermann, Merzhausen

Verballhornte Fans

Spätestens nach dem blamablen Ausscheiden bei der EM hätten die Herren Grindel, Löw und Bierhoff zurücktreten müssen. Eine Frage des Charakters. Aber es wäre ein echter Neubeginn für unsere Nationalmannschaft gewesen. Nun hat es den Mini-Infantino endlich erwischt. Warum nicht früher? Gibt es keine Aufsichtsgremien? Oder werden zu viele Uhren verteilt? Stell dir vor: Es ist Fußball, und keiner geht hin. Das wäre die einzig richtige Antwort auf die Gier der Funktionäre und sonstiger Figuren, die sich die Taschen vollschieben. Aber vielleicht kapiert irgendwann auch der letzte "Fan" oder Zuschauer, dass er verballhornt wird. Es lebe der Sport!

Norbert Kemp, Regenstauf

Transfersummen wecken die Gier

Wenn Sie von Gier und Maßlosigkeit im Fall des zurückgetretenen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel sprechen, dann ist das zu kurz gegriffen. Denn das moralische Problem im Fußball (wie natürlich auch oft in anderen Bereichen von der Politik bis zur Finanzwelt) liegt doch tiefer als nur in diesem wie auch immer begründeten Einzelfall eines Spitzenfunktionärs. Man sehe sich doch nur einmal die unfassbaren Transfersummen für zum Teil blutjunge Fußballspieler an, um das wirkliche Ausmaß der moralischen Maßlosigkeit zu erkennen, zu der der Profifußball wie auch die Olympischen Spiele verkommen sind - 222 Millionen Euro kostete der Fußballer Neymar Paris Saint-Germain vor zwei Jahren, und 180 Millionen hat derselbe Klub für den gerade mal 19-jährigen Kylian Mbappé bezahlt. Ein Bundesligaverein wie der FC Bayern München meint nun, da jetzt auch mithalten zu müssen. Diese Entwicklung hat ganz nebenbei auch zur Folge, dass immer weniger Spitzenspiele im europäischen Fußball im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt werden, und alle politisch Verantwortlichen nicken das dann auch brav ab. Und die meisten Fußballfans finden das alles offenbar okay. Gier, Maßlosigkeit und moralische Blindheit beginnen nicht erst "ganz oben", und das gilt nicht nur im Fußball.

Wilfried Mommert, Berlin

Unangemessene Häme

In der Sache mögen Sie recht haben. Trotzdem missfällt mir die Berichterstattung in "Diskret aufgestockt" aus zwei Gründen. Zum einen finde ich die Vergütung/Aufwandsentschädigung von ca. 14 000 Euro für den Präsidenten des größten Sportverbandes der Welt (das ist der DFB doch, oder?) lächerlich wenig. Kein Wunder, dass versucht wird, diese zu erhöhen. Und kein Wunder, dass sich kaum ein geeigneter Kandidat bereitfindet, diesen Job zu machen. Zum anderen ist die Ausführlichkeit und Häme, mit der Sie über eine solche Lappalie berichten, bemerkenswert.

Herr Grindel mag nicht die ideale Besetzung für diesen Job gewesen sein, da gebe ich Ihnen recht. Aber eine Menschenwürde hat er trotzdem. Und die sollte respektiert werden.

Sabine Geißler, München

Keine Schlammschlacht, bitte

Jetzt müsste es sich allmählich ausgegrindelt haben. Es ist bereits alles gesagt, auch von jedem! Erinnert mich an die Schlammschlacht um den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Ekelhaft. In diesem Sinne, bleiben Sie anspruchsvoll.

Josef Vogl, Feldkirchen