Süddeutsche Zeitung

Queen Elizabeth II.:Beliebt, bewundert und auch abgelehnt

Lesezeit: 2 min

Die einen stehen Fähnchen schwenkend vor Buckingham Palace und feiern das Thron­jubiläum, die anderen verstehen die Welt nicht mehr, ob der Monarchie-Verehrung.

"Ein Fest fürs Leben" vom 4./5./6. Juni und "Von gestern" vom 3. Juni:

Nichts getan

Die hysterische Bewunderung der Queen ist sehr bemerkenswert und kaum nachvollziehbar. Was hat diese Frau denn schon geleistet? Sie hat in ihrem langen Leben nie auch nur einen Handstreich gearbeitet und trotzdem in großem Überfluss gelebt. Allerdings ist dies auch eine Leistung: Nichts tun und sich dafür bewundern lassen. Das bringen die wenigsten Menschen fertig.

Laut Presseberichten war die Queen viele Jahre die Person in Europa, die am meisten Agrarsubventionen kassierte. Geht's noch? In welchem Zeitalter lebt diese Frau? Nebenbei bemerkt sollen auch in Deutschland bis zum heutigen Tag die Adeligen 80 Prozent der Agrarsubventionen einheimsen. Haben diese Herrschaften jemals Empathie für notleidende Menschen gezeigt oder zum Beispiel Flüchtlingen Hilfe angeboten? Hier besteht gesellschaftlich erheblicher Diskussionsbedarf.

Dr. Willi Wegele, Odelzhausen

Warum, wieso, wie lange noch?

Wieso halten fast alle Länder mit der Monarchie an diesem "veralteten Ritual" fest? Wieso ist diese alte Dame in der ganzen Welt so geachtet und geliebt? Wieso "pilgern" Millionen Engländer zur Parade der Queen? Gewiss, spielen der Glamour, der Prunk, die Träume von Königshäusern und Schlössern eine Rolle; und selbst das so moderne Fernsehen ist live dabei.

Diese Queen steht aber auch für Werte, die so manchem modernen Menschen im Wege stehen oder zu denen er sich nicht traut, eine gewisse Sehnsucht zu verspüren.

Ja, es gibt da die Pflicht und das Versprechen, sich für die Aufgabe "hinzugeben". Ja, es ist eine Kunst, Prioritäten zu setzen, die sich konsequenterweise auf die ein oder andere Aufgabe auswirken, wie zum Beispiel das Dasein für die Familie, für die Partnerschaft. Ja, da ist die Fähigkeit dieser Frau, auch aus Fehlern zu lernen, wie zum Beispiel dem Umgang mit dem Tod von Prinzessin Diana. Und ja, es ist ihr tief sitzender Glaube, der dieser alten Königin aus so vielen Problemen die Kraft gegeben hat.

Doch am Ende steht die Befürchtung nicht nur der Menschen auf der Insel: Was geschieht eigentlich, wenn diese außergewöhnliche Frau nicht mehr da ist? Elisabeth II. stammt "von gestern"; aber sie gibt der Gegenwart Dinge, die schon fast verloren gegangen sind.

Wolfgang Zopora, Bad Alexandersbad

Schrullig

Auch wenn jetzt in England über mehrere Tage die Korken knallen, scheint das Königshaus irgendwie vollständig aus der Zeit gefallen. Die Feierlichkeiten muten wie ein Bummel in die Vergangenheit an. Die Frisur von Premierminister Boris Johnson passt dafür ganz schön ins Programm.

Dr. Jens Brökelschen, Schwerte

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SZ vom 09.06.2022
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