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PSA-Test:Richtige Vorsorge kann Leben retten

Ein Artikel über den zweifelhaften Wert eines Krebsvorsorge-Tests für die Prostata hat viel Widerrede hervorgerufen. Es melden sich einige Leser zu Wort, die selbst an dem ,,Männerkrebs" erkrankt sind. Die meisten raten zu dem Test.

Neue Behandlungsform für Prostatakrebs mit Knochenmetastasen

Die große Angst vor dem "Männerkrebs": Eine Laborantin sichtet Gewebepräparate mit Tumorproben.

(Foto: Bayer Healthcare AG)

Zu "Test ohne Wert" vom 7. Januar:

Tödliches Zögern

Dem PSA-Test verdanke ich mein Leben. Die Kassen-Krebsvorsorge - Abtasten der Prostata durch den Anus - hätte bei mir erst in mehreren Jahren zu einem Befund geführt. Der Krebs war aber da, und hochaktiv. Prostatakrebs "harmlos", wie Herr Bartens in dem Artikel suggeriert? Metastasierter Prostatakrebs ist nicht mehr heilbar, alles kommt auf die rechtzeitige Diagnose an! Durch den PSA-Test früh erkannt, ließ er sich bei mir noch besiegen.

Es ist richtig, dass der PSA-Test in circa 25 Prozent der Fälle einen falschen Warnhinweis gibt. Darüber wird man vorab informiert. "Ein miserables Ergebnis?" Für 75 Prozent der Getesteten bedeutet der frühe Befund schlicht deutlich höhere Chancen aufs Überleben!

Geradezu absurd empfinde ich die Darstellung, die falschen Meldungen würden quasi zwangsläufig zu einer Übertherapierung führen, mit "Inkontinenz oder Impotenz". Was bei kritischem PSA-Wert angezeigt ist, ist schlicht eine Biopsie, wie sie nach Tastbefund ebenfalls stattfindet; dabei wird die Prostata an zehn Stellen angestochen und auf Krebs untersucht. Diese Biopsie ist nicht angenehm, aber auch nicht dramatisch. Wird kein Krebs gefunden, wird weiter beobachtet, sonst nichts ("war wohl falscher Alarm"). Wird Krebs gefunden, wird er nach seiner Gefährlichkeit klassifiziert; dann ist über die geeignete Behandlung zu entscheiden. Hierfür stehen dem Patienten zahlreiche Beratungsangebote zur Verfügung. Sollten noch Mängel erkannt werden ("Übertherapie"), soll man sie bekämpfen. Deswegen auf eine ausgezeichnete Möglichkeit der Frühdiagnose zu verzichten, ist sicherlich die falsche und für viele Männer tödliche Antwort.

Selbstverständlich sollte der PSA-Test allen Kassenpatienten angeboten werden. Lieber einmal zu Unrecht gewarnt werden als an Krebs sterben! Nur wenn er in nennenswertem Umfang vorliegenden Prostatakrebs übersähe, wäre sein Sinn infrage zu stellen. Dazu enthält der Artikel aber keine Aussage.

Reinhard Kaiser, Berlin

Es gibt ein schonendes Verfahren

Als Betroffener habe ich mit Interesse den Artikel gelesen. Grundsätzlich ist der monetäre Zugewinn des behandelnden Urologen bei einer durchgeführten Biopsie erwähnenswert, was in dem Artikel so nicht zum Ausdruck kommt, aber gewiss ein Grund für das hohe Aufkommen der Übertherapierung darstellt.

Ich vermisse jedoch den Hinweis auf ein ergänzendes und schonendes Diagnoseverfahren, welches man bei dieser Angelegenheit auch in Betracht ziehen sollte. Mein Urologe hat mir die radiologische Untersuchung der multiparametrischen MRT nahegelegt, welche ein sehr genaues Bild der Prostata mit relevanten Gewebeänderungen bei positiver Befundung liefert - ganz ohne Einschnitt und Infektionsgefahr. Aufgrund dieser Bilder kann eine etwaige Biopsie wesentlich zielgerichteter durchgeführt werden oder eben auch bei einer Negativdiagnose vermieden werden. Einer weiterführenden engmaschigen Kontrolle auf PSA sowie einer Abtastdiagnose oder Sonografie mit Volumenbestimmung ist nichts entgegenzusetzen. Da diese MRT-Diagnose keine Kassenleistung ist, muss diese als gesetzlich Versicherter selbst berappt werden. Die Preise hierfür sind aber in letzter Zeit stark gesunken.

Sebastian Schneider, München

Öffentlich Aufklärung betreiben

Als Betroffene haben wir mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen, dass das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen ein Prostatakrebs-Screening mit dem PSA-Test negativ bewertet hat. Enttäuscht sind wir aber auch von der unkritischen Art und Weise, wie darüber in der SZ berichtet wurde.

Aus unserer Sicht muss auch der individuelle Nutzen des Einzelnen gesehen werden und sollte nicht als statistische Randnotiz abgetan werden. Dass überwiegend ältere Männer an Prostatakrebs erkranken, hilft dem einzelnen Betroffenen nicht. Wir waren erst 47 Jahre alt, als die Erkrankung bei einer Routinevorsorge mit dem PSA-Test bei uns entdeckt wurde. Wir haben uns operieren lassen und sind weder inkontinent noch impotent. Heute sind wir seit zehn Jahren krebsfrei und davon überzeugt, dass der PSA-Test unser Leben gerettet hat. Deshalb setzen wir uns seit der Prostatakrebserkrankung öffentlich für die Aufklärung von Männern ein, wollen ihr Gesundheitsbewusstsein gerade mit Blick auf Früherkennung stärken. Jeder Mann sollte sich beraten lassen und, wenn er sich für den PSA-Test entscheidet, Anspruch auf bestmögliche Früherkennung haben.

Michael und Uli Roth, Hamburg

Diagnose ist nicht gleich Therapie

Ihren Artikel empfinde ich als problematisch. Zwar steht nichts Falsches darin. Aber wer wie ich schon drei Männer im Bekanntenkreis hat, die im Alter von etwas über 60 Jahren Metastasen eines Prostatakarzinoms haben, weil sie nicht oder nicht rechtzeitig ein PSA- Screening haben machen lassen, denkt anders als der Autor.

Eine Diagnose zu bekommen, bedeutet ja nicht automatisch eine Übertherapie als Folge. Ein verantwortungsvoller Urologe wird mit dem Patienten Möglichkeiten und Folgen einer erweiterten Diagnostik und einer Behandlung wie auch einer Nichtbehandlung erörtern, um dem Patienten eine Entscheidungsgrundlage zu liefern.

Dr. Franz Holzer, München

Überwachung ist am wichtigsten

Genau wegen solcher wenig hilfreichen Artikel sitze ich jetzt hier, habe metastasierten Prostatakrebs und nicht mehr lange zu leben. Ich bin Mitglied einer Selbsthilfegruppe und kenne mich mit dem Thema etwas aus. Der PSA-Wert ist für Betroffene immer noch das Beste, was es gibt. Bei einem erhöhten PSA-Wert ist immer Vorsicht geboten. Das heißt nicht, dass man sofort eine Therapie beginnen muss. Aber man sollte unbedingt mit der aktiven Überwachung beginnen. Bei einer starken Zunahme (Verdoppelung innerhalb eines Jahres) sollte man dann mithilfe einer Biopsie oder einer Bildgebung (MRT oder PET/CT) die Ursache der Zunahme feststellen.

Dass häufig auch von Urologen eine falsche Beratung und eine falsche Therapie durchgeführt wird, ist unbestritten. Dafür kann aber der PSA-Wert nichts. Durch den PSA-Wert ist noch kein Patient inkontinent oder impotent geworden, wohl aber durch eine verfrühte oder unnötige Therapie. Ich selber hatte jahrelang einen PSA-Wert um die vier. Weil ich schlecht beraten war, ließ ich den Wert fünf Jahre nicht mehr bestimmen. Dann hatte ich 13, der Krebs war schon metastasiert. Hätte ich das regelmäßig kontrollieren lassen, hätte der Krebs die Prostataloge nicht verlassen, und ich hätte bessere Überlebenschancen gehabt.

Matthias Rößler, Schongau

© SZ vom 24.01.2020
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