Garten:Der Traum vom eigenen Pool

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Garten: Drei Kinder beim Planschen: Pools im Garten boomen, sorgen aber auch für einen immensen Wasserverbrauch.

Drei Kinder beim Planschen: Pools im Garten boomen, sorgen aber auch für einen immensen Wasserverbrauch.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Gerade während der Pandemie hätten viele gerne ein eigenes Freiluft-Becken. Worauf es bei der Anschaffung ankommt, wie viel sie kosten und welche Regelungen es gibt.

Von Joachim Göres

Beliebt, praktisch, cool: Nach Schätzungen des Bundesverbandes Schwimmbad & Wellness gibt es in Deutschland etwa zwei Millionen transportable Schwimmbecken - Pools, die meist im Sommer im Garten aufgestellt und im Herbst wieder abgebaut werden. Mit Beginn der Pandemie hat die Zahl deutlich zugenommen, weil durch die eingeschränkten Reisemöglichkeiten mehr Wert auf Erholung zu Hause gelegt wurde. "Im Sommer 2020 waren in den Baumärkten alle Pools ausverkauft, was auch mit dem schönen Wetter zu tun hatte", sagt Jörn Brüningholt, Sprecher des Handelsverbandes Heimwerken-Bauen-Garten. Durch diesen Trend gibt es gleichzeitig immer mehr Konflikte und Überlegungen, die Nutzung stärker zu reglementieren. Worauf man achten sollte.

Der Aufstellpool

Solche Pools zum Selbstaufbauen sind deutlich größer und robuster als Planschbecken und gleichzeitig günstiger und flexibler als fest eingebaute Schwimmbäder im Garten. Die meisten Aufstellpools haben einen Durchmesser von 240 bis 540 Zentimeter und kosten zwischen 80 und 4000 Euro, je nach Größe und Ausstattung. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Stärke und Qualität der wasserdichten Folie für den Pool.

Becken müssen waagerecht stehen und zwar auf einer Schutzfolie, um Beschädigungen durch Wurzeln und Steine zu verhindern. Der Aufbau an einem sonnigen Platz trägt zum günstigen Aufwärmen des Wassers bei. Bäume in der Nähe sollte man meiden, damit das Wasser nicht durch herabfallende Blätter verschmutzt wird. Wichtig: In der Nähe des Pools muss es einen Stromanschluss für ein Filtersystem geben, das das Wasser permanent reinigt. Das muss das Stromnetz aushalten.

Betrieb und Pflege

Laut Stiftung Warentest reichen kleine mitgelieferte Umwälzpumpen oft nicht aus, um gegen Algen und Bakterien anzukommen. Durch einen Sandfilter samt Pumpe kann das Badewasser aber ausreichend gereinigt werden, wobei der Filter einmal die Woche gespült werden muss. Zusätzlich ist eine Desinfektion des Wassers zum Beispiel durch Chlortabletten nötig. Der Bundesverband Schwimmbad & Wellness empfiehlt, einmal die Woche die Wasserwerte zu kontrollieren, damit der PH-Wert stimmt. Er sollte zwischen 6,8 und 7,4 liegen. Wer immer im warmen Wasser baden will, braucht eine Wärmepumpe. Je nach Größe des Beckens liegen die gesamten Kosten für den Betrieb eines Pools laut Bundesverband bei bis zu 100 Euro pro Monat.

Regelungen in Kleingartenkolonien

Klar ist: Die Vorgaben können sehr unterschiedlich sein. Deshalb sollten sich Interessenten in jedem Fall vor dem Kauf über die jeweiligen Regelungen im eigenen Kleingartenverein informieren. Alleine in Berlin gibt es 67 000 Kleingärten. Sven Wachtmann, Vorstandsmitglied des Landesverbandes Berlin der Kleingartenfreunde, schätzt, dass inzwischen in jedem zehnten Kleingarten ein Aufstellpool im Sommer steht. In der Mustergartenordnung des Berliner Landesverbandes für seine Mitglieder findet sich zum Thema Badebecken folgende Passage: "Zulässig ist ein leicht transportables, nicht in das Erdreich eingelassenes Badebecken mit höchstens 3,60 Meter Durchmesser und einer Höhe von 0,90 Meter. Nicht benutzte Becken sind zu entfernen." Die einzelnen Kleingartenvereine können laut Wachtmann striktere Beschränkungen beziehungsweise auch Verbote beschließen. Den Rahmen für die Nutzung von Gartenpools legen dabei die einzelnen Berliner Bezirke fest. So gelten zum Beispiel in Hohenschönhausen und Lichtenberg die in der Mustergartenordnung empfohlenen Begrenzungen. In Hohenschönhausen ist für das Aufstellen ein Antrag nötig, in Lichtenberg nicht.

In Hannover hat die Stadtverwaltung zusammen mit dem Bezirksverband der Kleingärtner eine neue Gartenverordnung erarbeitet, wonach Pools auf einen Durchmesser von 2,50 Meter und eine Tiefe von 60 Zentimetern beschränkt werden sollen. Doch nach heftigem Protest von Pool-Besitzern sind nun erstmal Workshops zum gegenseitigen Meinungsaustausch und ein Verbandstag geplant, auf dem über die neue Gartenordnung abgestimmt werden soll. Bislang sind die größten Exemplare in den Kleingärten der niedersächsischen Landeshauptstadt bis zu 5,50 Meter lang, mit einem Volumen von rund 17 000 Litern.

Auswirkungen auf die Umwelt

Nach vielen Jahren des Wassersparens steigt in Deutschland laut Statistischem Bundesamt seit 2010 der durchschnittliche Wasserverbrauch von damals 121 Liter pro Kopf und Tag auf heute 129 Liter. Daran dürfte auch die zunehmende Nutzung von Pools ihren Anteil haben. "Da passen Tausende Liter rein. Fünf- bis sechsmal wird im Jahr das Wasser ausgetauscht. Wahnsinn, was da zusammenkommt", sagt Wachtmann. Das Wasser in den Pools in den Berliner Kleingärten stammt nach seinen Angaben zu 85 Prozent vom städtischen Wasserversorger und zu 15 Prozent aus eigenen Brunnenanlagen.

Wachtmann treibt aber nicht nur der immense Wasserverbrauch um. Der dauerhafte Betrieb einer Umwälzpumpe verursache Lärm und damit oft Konflikte zwischen den Gartennachbarn, die durch im Wasser tobende Menschen noch verstärkt werden könnten. Wenn der Pool im Herbst abgebaut wird, darf das mit Chlor oder anderen Bioziden versetzte Wasser nicht einfach abgelassen werden. Es muss laut Berliner Wasserhaushaltsgesetz (auch hier gibt es regionale Unterschiede) über die Kanalisation abgeleitet oder durch einen Abwasserentsorger abgepumpt werden. Ansonsten kann das behandelte Poolwasser das Grundwasser belasten sowie Pilze, Algen und Bakterien im Boden töten, schlecht für die Bodenfruchtbarkeit und das Wachstum von Pflanzen. Soweit die Theorie. "Das Wasser wird einfach ausgeschüttet und zu 99 Prozent nicht ordnungsgemäß entsorgt", schildert Wachtmann die Praxis in Berlin. Wird der Gartenpool irgendwann aussortiert, entstehen Berge von Plastikmüll.

Forderungen nach stärkeren Reglementierungen

Wachtmann fordert schärfere, klarere und einheitliche Vorgaben. Julia Wagner, Leiterin Zivilrecht beim Hauseigentümerverband Haus & Grund Deutschland, meint dazu: "Vor dem Hintergrund der sinkenden Grundwasserspiegel und der großen Trockenheit ist es wichtig, verantwortungsbewusst mit der Ressource Wasser umzugehen. Reglementierungen sind dabei der letzte Weg."

Pools im eigenen Garten

Laut Wagner braucht es für temporär aufgestellte Pools mit einem Volumen bis zu 100 Kubikmeter keine behördliche Genehmigung. Bis zum nächsten Grundstück müsse ein Abstand von 30 Zentimetern eingehalten werden - größere Abstände seien nötig, falls der Pool mit dem Haus fest verbunden oder umbaut ist. Bebauungspläne könnten den Bau von Swimmingpools einschränken oder ganz untersagen.

Ansonsten gelte es Rücksicht zu nehmen, damit es zu keinen Nachbarstreitigkeiten komme. Von 22 Uhr an gelte Nachtruhe, spätere Poolpartys seien nicht hinnehmbar. Bei Wärmepumpen oder Umwälzpumpen sollte man darauf achten, dass diese nicht zu Nachtzeiten laufen. "Um des Friedens willen ist es ratsam, die Pumpen umzubauen, um den Geräuschpegel so gering wie möglich zu belassen oder diese an eine Stelle des Gartens zu stellen, wo sie so wenig wie möglich stören", empfiehlt Wagner. Außerdem sollte der Pool durch eine Abdeckung oder anderweitig gesichert werden, damit nicht zum Beispiel fremde Kinder durch den Pool in den Garten gelockt werden und im Wasser zu Schaden kommen.

Dauerhafte Pools im Freien

Nach einer Marktstudie des Bundesverbandes Schwimmbad & Wellness von 2021 gibt es in Deutschland neben den Pools zum Auf- und Abbauen insgesamt mehr als 1,4 Millionen dauerhafte private Freibäder. Dazu zählen etwa 700 000 Becken ab 1,20 Meter Wassertiefe und einem Anschaffungspreis ab 3000 Euro. Damit sind Pools mit Luftring sowie Stahlwandbecken gemeint, die auf den Boden gestellt werden. Auch Holzschwimmbecken gehören in diese Kategorie. Bei ihnen ist der Rand nicht aus Stahl, sondern aus Holz. Außerdem gibt es etwa 720 000 Stahlwandbecken sowie Pools aus Polystyrol-Steinen, die in die Erde eingelassen werden.

Sowohl die freistehenden als auch die in die Erde eingelassenen Becken gibt es zum Selbstaufbauen, man kann aber auch die Hilfe von Fachleuten in Anspruch nehmen. Bei den Standardmaßen (vier mal acht Meter, Tiefe 1,50 Meter) ergibt sich ein Fassungsvermögen von 48 000 Litern. Bei einer Umfrage des Versorgers Hamburg Wasser haben 73 Prozent der Besitzer von eingelassenen Pools angegeben, dass sie mindestens einmal im Monat das Wasser wechseln.

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