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Polizei:Lob und Tadel in schwierigen Zeiten

Der Vorwurf des latenten Rassismus von Polizisten hat die Gemüter erregt. Die Debatte dazu sei überfällig, meinen die einen. Zu pauschal, finden andere und loben den Einsatz der Polizei in Deutschland.

Zu "Die Entfremdung" vom 18. Juni und "Ohne Freund und Helfer" vom 12. Juni:

Eine längst überfällige Debatte

In seinem Meinungsbeitrag "Die Entfremdung" behauptet Herr Käppner, Saskia Esken habe die amerikanischen Verhältnisse auf die deutsche Polizei übertragen, weil sie der Polizei latenten Rassismus vorgeworfen habe. Latent ist ein lateinisches Wort und heißt verborgen. Sie hat also den verborgenen Rassismus angesprochen und nicht den in den USA bekannten allgegenwärtigen Rassismus im polizeilichen Verhalten. Es ist deshalb meines Erachtens nicht gerechtfertigt zu behaupten, Saskia Esken habe die Polizei unter Generalverdacht gestellt. Sie hat ihre Aussage auch nicht relativiert, sondern die missverstandene Äußerung "latenter Rassismus bei der Polizei" erläutert.

Die Vorgänge in den USA haben bei uns eine längst fällige Diskussion über die Strukturen unserer Polizei angestoßen. Die polizeiliche Führung ist gefordert, durch geeignete Maßnahmen, wie zum Beispiel Schulungen, rassistisches Verhalten von Polizisten zu vermeiden.

Hartmut Krüger, Mühlacker

Treffende Analyse

Der Leitartikel von Joachim Käppner beschreibt die aktuelle Diskussion zur Position der deutschen Polizei in der Gesellschaft zutreffend. Allerdings machen mich Passagen wie "Wenn Polizisten aus Niederbayern im Münchener Westend auf Personen arabischer oder türkischer Herkunft treffen, fehlt oft sogar eine gemeinsame Sprache, von kulturellem Verständnis ganz zu schweigen. Wenn sich das ändern würde, wäre schon viel gewonnen" nachdenklich. Sollen Polizisten aus Niederbayern künftig vor Dienstantritt im Westend Arabisch oder Türkisch lernen und sich in die kulturellen Besonderheiten der jeweiligen Bewohner eines Stadtviertels einarbeiten? Wäre es nicht zu erwarten, dass sich die Menschen aus dem türkischen oder arabischen Kulturkreis, die nicht erst seit gestern im Westend wohnen, der deutschen Landessprache bedienen und Verständnis für die hiesigen kulturellen Besonderheiten aufbringen?

Selbst wenn es mehr Polizeibeamte mit Migrationshintergrund gäbe - wie Herr Käppner anregt und was durchaus zu begrüßen wäre -, ist für mich schwer vorstellbar, die Einsatzkräfte immer genau nach sprachlichen und kulturellen Besonderheiten vor Ort einzusetzen.

Werner Natter, München

Stereotype bedienen Rassismus

Die Co-Vorsitzende der SPD irrt, wenn sie von einem "latenten Rassismus" in der deutschen Polizei spricht. Dieses Phänomen ist alltagspräsent, selbstverständlich nicht speziell deutsch und, was viel wichtiger ist, strukturell bedingt. Männlich dominierte bewaffnete Großorganisationen leben im besonderen Maße und in gewisser Hinsicht sogar notwendigerweise von Stereotypen. Rassismus ist eine ins Auge springende Ausprägung davon, vermutlich - jedenfalls in Deutschland, in den USA mag anderes gelten - noch nicht einmal eine herausragend wichtige. Das hat meines Erachtens nichts mit "Generalverdacht" zu tun, sondern mit der historischen Erkenntnis, dass man nach den Geboten alltagspraktischer Vernunft gut beraten ist, staatlichen Repressionsapparaten keinen Vertrauensvorschuss zu gewähren.

Zum Verständnis des jeweils aktuellen konkreten Geschehens im Detail stehen dann mit Organisationspsychologie- und soziologie, Strafrecht, Personalführung etc. genügend Erkenntnisquellen und Methoden zur Verfügung, um angemessen zu reagieren. Nur darf der Grundtatbestand nicht vernebelt werden. Schon die Kriminologie der 80er-Jahre sprach von selektiven Strategien des polizeilichen Verdachts. Für Anti-Esken-Aufgeregtheiten besteht daher kein Anlass.

Heinz Uthmann, Hamburg

Polizei hat zu lange weggeschaut

An dieser Stelle will ich die harte und schlecht bezahlte Arbeit der deutschen Polizei ausdrücklich loben. Diese fleißigen Polizistinnen und Polizisten werden in ihrer so wichtigen Arbeit oft genug angepöbelt, angespuckt, verletzt oder sogar getötet, und so zolle ich ihnen meinen allerhöchsten Respekt. Sie machen einen tollen Job und sorgen für Sicherheit im Lande.

Wenn sich nun einige prominente Politiker und andere Bürger hinstellen und von Rassismus bei der Polizei schwadronieren, kann ich diese unsachliche Kritik nicht nachvollziehen. Gerade bei den kriminellen Großclans und den Parallelgesellschaften im Land hatte die Polizei viel zu lange weggeschaut. Auch interessant ist die Tatsache, dass in Deutschland etwa zwölf Prozent Ausländer leben, diese Gruppe aber für 30,4 Prozent der Straftaten insgesamt und bei der Gewaltkriminalität für 37,5 Prozent verantwortlich ist. Diese Informationen stammen aus dem Jahre 2019, und man kann sie beim Deutschen Bundeskriminalamt in der polizeilichen Kriminalstatistik nachlesen.

Die deutsche Polizei ist hervorragend ausgebildet und verfügt über einen enormen Erfahrungsschatz. Wenn nun ein Ausländer öfters mal kontrolliert wird, ist das für mich völlig in Ordnung.

Unbescholtene Bürger, mit oder ohne Migrationshintergrund, haben doch von der Polizei nichts zu befürchten. Der Satz "Die Polizei, dein Freund und Helfer" hat auch in der heutigen Zeit seine Gültigkeit nicht verloren, und das ist auch gut so!

Armin Glas, Deutenhausen

© SZ vom 25.06.2020

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