Planung im Münchner Norden:Tunnel-Luftschloss ohne Klimalizenz

Lesezeit: 3 min

Gerade hat die Stadt andere Tunnelprojekte gekippt, nun taucht eine neue Röhre auf. Bei SZ-Lesern stößt sie auf Unverständnis und auf einhellige Ablehnung.

Planung im Münchner Norden: Noch ein neuer Straßentunnel für den Münchner Norden? Für viele SZ-Leser keine vernünftige Vorstellung angesichts der Klimaprobleme.

Noch ein neuer Straßentunnel für den Münchner Norden? Für viele SZ-Leser keine vernünftige Vorstellung angesichts der Klimaprobleme.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Scharfe Kritik an Tunnelplänen" vom 19. Mai, "Ein neuer Tunnel für den Norden" vom 18. Mai"

Irrelevante Tunnelplanung

Die SPD treibt den Bau des BMW-Tunnels mit einer Vehemenz voran, die geneigt ist, den Koalitionsfrieden mit den Grünen nachhaltig zu stören. Der Grund ist klar: Wenn der Tunnel nicht kommt, geht BMW. Schlimmer noch, Wohlstand in München geht nur mit BMW, wie es Fraktionschefin Anne Hübner im Interview mitteilte. Ist das so? Fakt ist, selbst wenn morgen das Planfeststellungsverfahren beginnt, wird der Tunnel, wenn man die Bauzeiten der Mittlerer-Ring-Tunnel betrachtet, frühestens 2034 fertig. Bis dahin wird die Verkehrssituation im Münchner Norden, bedingt durch die Baustelle eher schlechter.

Das weiß auch BMW, und trotzdem wird seit 2017 der Forschungscampus FIZ massiv ausgebaut. Es ist eher nicht davon auszugehen, dass BMW hier wieder alles abreißt, wenn kein Tunnel kommt. Im BMW-Werk München hingegen werden die Verbrennermotoren gebaut (Elektro gibt's in Dingolfing). 2035 gibt es in Europa ein Verbot für Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotor - ob der Tunnel 2034 da die Produktion retten kann?

Zum S-Bahn Anschluss der BMW-Werke via Nordring hört man in diesem Zusammenhang erstaunlich wenig, obwohl der ja schon viel früher den Verkehr im Münchner Norden entlastet. Hier würde es der Politik (und auch der Presse) gut anstehen, die Motivation der Tunnelbauer und auch die von BMW kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob ein Tunnel 2035 noch von Relevanz ist.

Dr. Wolfgang Donhärl, München

Falsche Priorität

Gerade ist der sündteure Ringtunnel am Englischen Garten gecancelt, schon meint die Rathaus-SPD, den Autofahrern Ersatz anbieten und der Autolobby Gutes tun zu müssen. Die nächste verkehrspolitische Peinlichkeit von Grün-Rot nach der Zustimmung zur IAA! Warum zeigen die Grünen nur ihr Unverständnis, statt diesen Unsinn zu unterbinden, obwohl sie die größere Partei in der Rathauskoalition sind und der Koalitionsvertrag diesen Tunnel ausschließt? Nach den drei Tunnels am Mittleren Ring, die zusammen 1,7 Milliarden Euro teuer waren, sollen jetzt also wieder Hunderte von Millionen Euro in ein Straßenbauprojekt fließen, das die Autofahrer entlastet und die Anwohner an den Zufahrtsstraßen zusätzlich belastet. Machen wir uns nichts vor: Natürlich fehlt dieses Geld dann beim Ausbau des ÖPNV, für günstigere MVG-Tickets, bei Verbesserungen für Rad- und Fußverkehr, bei der fälligen Verschönerung und Begrünung von urbanen Plätzen. Die Stadt Paris mit seiner mutigen Bürgermeisterin Hidalgo zeigt gerade exemplarisch, wie moderne Mobilität und Umgestaltung der Stadt für mehr Lebensqualität funktionieren. München wirkt da seltsam aus der Zeit gefallen. Nach Jahrzehnten der Auto-Dominanz auf den Straßen und im Stadtbild ist immer noch kein Umsteuern in Sicht. Das ist rückwärtsgewandte Verkehrspolitik.

Neue Straßentunnels geben ein verheerendes Signal, tragen nichts zur Verkehrswende bei und passen nicht zur notwendigen Klimawende. München soll bis 2035, also in 13 Jahren, klimaneutral sein? So wird das sicher nichts, denn ab sofort müssten alle Kräfte, kommunalen Ressourcen und Mittel auf dieses Ziel konzentriert werden. Der Autoverkehr sei nicht wegzudiskutieren, meint Oberbürgermeister Reiter (SPD). Der Klimawandel aber auch nicht.

Reinhardt Kleinöder, München

Nicht sinnvoll finanzierbar

Ich hoffe, dass die politisch Verantwortlichen schon mit den diversen Finanzministern (Bund, Land) und BMW über die Finanzierung gesprochen haben, denn die Finanzmittel der Stadt München werden nicht ausreichen, um Milliardenprojekt um Milliardenprojekt zu stemmen. Ich rate dringend, dass die Verantwortlichen sich mit dem Szenario nicht ständig steigender Steuereinnahmen vertraut machen, auch wenn dies momentan überall die große (aber unrealistische) Hoffnung ist. Außerdem ist das Ziel einer autogerechten Stadt von vor-vorgestern, und es ist längst nicht sicher, dass BMW immer in München bleiben wird (siehe die Entwicklung bei Siemens). Ich rate deshalb dazu, den "Tesla-Effekt" (eine Firma schafft an, die Politik springt) zu ignorieren und eine seriöse Stadtpolitik zu betreiben.

Erich Würth, München

Katastrophal fürs Klima

Endlich reden mal Politiker - nach Habeck nun auch Brüssel - Tacheles, nämlich dass wir Bürger Energie sparen müssen und weniger Auto fahren sollen, da diese beiden Maßnahmen wohl die effizienteste, preiswerteste und schnellste Lösung sind, um dem Klima zu helfen. Leider muss ich in der gleichen SZ lesen, dass im Norden Münchens ein neuer Tunnel gebaut werden soll. Natürlich für noch mehr und noch größere Autos. Wie lange dauert es noch, bis auch andere Politiker Notiz nehmen von der bevorstehenden Klimakatastrophe? Der Tunnel wird fertig sein, wenn auch der letzte Ignorant kapiert hat, dass wir nicht mehr lange so leben können wie bisher. Die fürs Klima wichtigen 700 Bäume sind dann weg.

Brigitte Brehmer, München

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