Süddeutsche Zeitung

Pegasus-Projekt:Und die "freie Welt" schweigt

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Die Spionagesoftware deutet für manche auf ein globales Überwachungssystem hin.

"Der Feind meiner Feinde" in der Beilage vom 23. Juli, "Spähangriff auf Staatsspitzen" vom 21. Juli und "Cyberangriff auf die Demokratie" vom 19. Juli, beide im Ressort Politik:

Die Überwachungssoftware Pegasus ist nur ein neues Element der Gier der Geheimdienste und Militärs, möglichst alles von jedem wissen zu wollen. Alles unter dem Überbegriff "Schutz vor Verbrechen". Dass der Hersteller der Software, die israelische NSO Group, behauptet, dass sie niemals für illegale Abhörmaßnahmen in demokratischen Staaten verwendet werde, ist so glaubhaft wie die Zusicherung der Waffenhersteller, dass mit ihren Produkten nur die "Bösen" umgebracht werden. Ein privater Konzern verhökert Spionagesoftware an Despoten und Diktatoren, und die "freie Welt" schweigt? Oder schweigt sie nur deshalb, weil auch die demokratischen Länder vergleichbare Methoden anwenden? Heißt halt nicht Pegasus, sondern anders. Hat nicht erst kürzlich der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das den Geheimdiensten noch mehr Möglichkeiten gibt, unschuldige Menschen zu bespitzeln? Das ist natürlich nur dann nachvollziehbar, wenn man seine Bürger grundsätzlich für potenzielle Verbrecher hält. Lässt sich so eine demokratische und rechtsstaatlich orientierte Gesellschaft leiten?

Thomas Spiewok, Hanau

Dass Indien seinen "Schützling", den Dalai Lama, dem es 1959 nach seiner Flucht aus Tibet Asyl gewährte, nun mittels der NSO-Software bespitzelte, stellt kein Alleinstellungsmerkmal dar - so etwas haben wir im eigenen Land auch erfahren müssen. Ich kann mir vorstellen, dass die gewonnenen Informationen durch geschickt platzierte Informanten auch weitergegeben werden. Der Vorwurf, Spion zu sein, was den 17. Gyalwang Karmapa, einen hohen geistigen Führer der Buddhisten, in Misskredit bringen soll, ist meiner Einschätzung nach sehr wahrscheinlich eine Operation der chinesischen Geheimdienste. Die indische Regierung vermeidet öffentliche Kontakte mit Exiltibetern, um Peking nicht "aufzubringen". Leider setzt China seinen Druck nahezu überall in der Welt ein, wo immer möglich, in erpresserischer Weise.

Dorothee Koss-Gehlen, Starnberg

Die israelische NSO Group macht mit Überwachungssoftware gute Geschäfte auch mit Diktaturen und autoritären Regimen. Ebenso im Rüstungsgeschäft ist Israel erfolgreich, die Heron-Drohne ist ein Verkaufsschlager. Lizenzprodukte, gebaut in der Türkei, haben den Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan entschieden. Wie sagte doch Frau Merkel über die deutsche Staatsraison und das Wohlergehen Israels? Schließt das die erfolgreichen Überwachungs- und Rüstungsgeschäfte Israels mit ein? Auch Deutschland belieferte die autoritären Regime dieser Welt mit Rüstungsgütern. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, sagt der Volksmund.

Rüdiger Vehof, Erfurt

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SZ vom 24.08.2021
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