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Papst Benedikt XVI.:Er hätte das Amt nie haben dürfen

Joseph Ratzinger hat beim Thema sexueller Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche auf eklatante Weise versagt. Und selbst im Ruhestand soll er noch keine Ruhe geben.

Zum Interview mit Peter Seewald über Papst Benedikt XVI. am 16./17. Mai:

Eklatantes Versagen

Tatsache ist, dass Joseph Ratzinger bei dem Thema des sexuellen Missbrauchs innerhalb der katholischen Kirche in eklatanter Weise versagte. In seinem "Hauskloster", dem Benediktinerkloster Ettal, wurden aber bekanntlich über Jahrzehnte hinweg Kinder und Jugendliche durch zahlreiche, schwer kriminelle Verbrecher in Mönchskutte sadistisch gequält und/oder sexuell missbraucht. Ich habe 2010 als Sonderermittler der Diözese für München und Freising im Auftrag von Reinhard Marx, dem damaligen Erzbischof von München und Freising, und seinem Generalvikar, Prof. Peter Beer, die Ettaler Verbrechen ohne jedwede Zensur aufklären dürfen. Nach dieser Aufklärung empfing der damalige Papst Benedikt auf seiner Sommerresidenz allerdings nicht etwa die gedemütigten, geprügelten und sexuell gequälten Opfer dieses Klosters, sondern die Klosterleitung. Papst Benedikt war also nicht nur "ziemlich alltagsuntauglich", sondern ihm fehlte die moralische Integrität für sein Amt. Für die Schreie der Gequälten war er taub.

Thomas Pfister, München

Ihm fehlt es an allem

Ratzinger/Benedikt hat seiner Kirche geschadet. Er ist verantwortlich für ein Klima von Angst und Denunziation. Zur Führung des größten und ältesten Global Players fehlte ihm alles. Es fehlt ihm an Menschenkenntnis, Empathie, Integrationskraft und Mut. Ratzinger hätte nie Bischof, nie Papst werden dürfen. Und er kann keine Ruhe geben. Er polarisiert weiterhin. Seinen Nachfolger bremst er aus, wo es nur geht. Regelmäßig bricht er sein Versprechen, sich zurückzuziehen. Der Synodale Weg bietet vielleicht einen Ausweg. Franziskus sei Dank.

Edgar Büttner, Bad Aibling

Keine Aufklärung

Es sei unstatthaft, "die Wahrheit zu glätten", schreibt der Journalist Peter Seewald seiner eigenen Zunft ins Stammbuch. Zur Wahrheit gehört auch, dass Joseph Ratzinger selber nicht in jedem Fall, der ihm vorgelegt wurde, durchgegriffen hat und dass er Täter laufen ließ. So entschied etwa Ratzingers Glaubenskongregation am 21. Oktober 1994, dass der langjährige Leiter des Kapuzinerseminars Burghausen trotz mehrerer belegter Missbrauchsfälle nicht suspendiert wurde. Der Pater war nach den Vorfällen in Burghausen erst nach München und dann nach Würzburg "befördert" worden. Woraufhin das Bistum Würzburg in Rom um eine kirchenrechtliche Klärung seiner Vergangenheit ersuchte. Mit besagtem Ergebnis. Keine Aufklärung, keine Strafe, keine Genugtuung. Ein Beispiel nur - wie auch Seewald einräumt -, "dass da nicht alles zum Besten lief".

Konrad Haberger, Hauzenberg

© SZ vom 10.06.2020
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