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Ökumene:Die gegenseitige Bereicherung sehen

Katholiken und Protestanten sollten sich verständigen, meinen Leser. Und nicht immer nur in Spaltung denken.

"Woelki sagt Nein" vom 25. September:

Es gebe eine "ethische Grunddifferenz zwischen beiden Konfessionen". Unter anderem mit dieser Feststellung dämpft der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki die im Reformationsjahr vorherrschende Ökumene-Seligkeit. Dass dem so ist, lässt sich nicht bestreiten. Auch, dass das Luthersche "sola scriptura" ("Allein durch die Schrift") im Ernstfall weder den evangelischen Ethikern noch den katholischen Moraltheologen weiterhilft, weil es zu Jesu Zeiten noch keine Präimplantationsdiagnostik gab. Jedoch steht in der Bibel: Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild! Aus diesem kaum fassbaren Zuspruch erwächst uns als Christen der Anspruch, die Würde jedes Menschen zu achten - von der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle an bis zum letzten Atemzug. Zur Beantwortung der Frage, was das im Detail bedeutet, haben sich bei beiden Konfessionen unterschiedliche Traditionen der Schriftauslegung und der ethischen Urteilsfindung herausgebildet. Vereinfacht gesagt, vertritt die katholische Kirche ihre Lehrautorität, wonach das Leben ohne Wenn und Aber zu schützen ist. Die evangelische Kirche hingegen betont mit Blick auf das jeweilige Einzelschicksal verstärkt die freie Gewissensentscheidung des Menschen vor Gott.

Beide Sichtweisen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die katholische Haltung bewahrt vor pluralistischer Beliebigkeit und vor einer Aufweichung des Lebensschutzes. Die protestantische Haltung indes bewahrt vor kleinherzigem Rigorismus und blindem Gehorsam. Die 2017 veröffentlichte Studie "Gott und die Menschenwürde" der bilateralen Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands betont, dass die "Differenzen in einigen wenigen, eng begrenzten, wenngleich wichtigen Fragen der Ethik keinen kirchentrennenden Charakter" hätten. Vielmehr könnten konfessionelle Differenzen zur Bereicherung des jeweils eigenen Standpunkts beitragen.

Das Verständnis für verschiedene Perspektiven zu vertiefen, wäre in unserer Gesellschaft überhaupt so wichtig. Einzusehen, dass es in den wenigsten Fällen eine einfache Entweder-oder-Lösung gibt und dass Schwarz-Weiß-Schablonen selten etwas taugen.

Monika Prestel, München

Wer spricht noch von Jesus?

In der katholischen Kirche halten die einen sich an den amtierenden Papst, die anderen an seinen Vorgänger. Die evangelische Kirche in Deutschland hält sich an Martin Luther. Und wer in beiden Kirchen hält sich noch an Jesus Christus? Es sei darin erinnert, dass weder ein katholischer Papst, egal welche Auffassungen er haben mag, noch ein Martin Luther, mag er auch noch so Aushängeschild der evangelischen Kirche in Deutschland sein, der Begründer des Christentums war, sondern Jesus Christus. Spricht eigentlich noch jemand in den christlichen Kirchen in der Hauptsache von ihm? Oder ist er längst hinter den Päpsten und Luther verschwunden?

Robert Günther Lang, München