Niedersachsen Die CDU hat sich selbst ein Bein gestellt

Die Verluste der CDU bei der Landtagswahl in Niedersachsen kommen nach Meinung eines Lesers nicht von Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Vielmehr habe den Wählern die Mandats-Mitnahme der Grünen Elke Twesten nicht gefallen.

"Aus dem Plenum in den Hörsaal" vom 17. Oktober, "Das rote Lichtlein" vom 16. Oktober sowie "So wie wir waren" vom 14./15. Oktober und "Mit Jackett in den Morast" vom 7./8. Oktober:

Spahn, Klöckner - ernsthaft?

Kanzlerin Angela Merkel jetzt für das Debakel in Niedersachsen verantwortlich zu machen, ist ja mehr als lächerlich vom konservativen Flügel der CDU. Ein schwacher Kandidat und der nicht besonders geschickt gemachte Überlauf von Elke Twesten, waren wohl eher Gründe für die Niederlage. Albern ist auch, wenn man jetzt meint, der ÖVP-Erfolg in Österreich könnte 1:1 auf Deutschland übertragen werden, wenn man nur das "rechtskonservative Profil" schärft. Alles in allem hat ja Sebastian Kurz mit knapp über 30 Prozent schlechter abgeschnitten als Merkel bei der Bundestagswahl. Dann ist die FPÖ bei ebenfalls fast 30 Prozent gelandet und wird damit Koalitionspartner von Kurz auf Augenhöhe sein. Dann lag es auch am - trotz national-konservativer Ausrichtung - smart und fesch daherkommenden Kurz.

Wer soll die Rolle in der Union übernehmen? Ernsthaft ein Jens Spahn, Markus Söder oder Julia Klöckner? Oder will man doch Theo "von und zu" wieder "ausgraben"?

Markus Meister, Mönchengladbach

Übergelaufen

Unzweifelhaft hat die grüne Aussteigerin (Überläuferin) der CDU das aktuelle Wahldesaster beschert. Der höchst komfortable Stimmenvorsprung der CDU wurde in wenigen Wochen mehr als aufgezehrt. Natürlich kann jeder politisch engagierte Parteifunktionär sich neu orientieren, nur dann bitte ohne Mandatsmitnahme. Mich überrascht, schier entsetzt, das fehlende Fingerspitzengefühl der CDU-Führungsriege. Wähler-Sensibilität - glatte Fehlanzeige. Hoffentlich lernen alle Parteien aus diesem Sachverhalt.

Karl-Heinz Keilholz, Berlin

Ein Jahr in Seitenlage

Christian Meyer, Niedersachsens Agrarminister, ist also ein Weltverbesserer, wie es im Artikel "Mit Jackett in den Morast" heißt. Endlich setzt sich ein Agrarminister mit aller Konsequenz für die Verbesserung der Haltungsbedingungen der sogenannten Nutztiere ein, dann wird das wieder kleingeredet. Er fördert die Bio-Landwirtschaft und macht sich für eine Wende in der Agrarpolitik stark. Dass er sich damit keine Freunde beim Deutschen Bauernverband macht, liegt auf der Hand.

Den Herren Funktionären desselbigen, die alle selbst Massentierhalter sind und die nicht müde werden zu erklären, dass "ihre" Bauern gut mit den Tieren und der Natur umgehen, kann ich nur empfehlen, einmal ein Jahr in einem Kastenstand für Mutterschweine zu verbringen. Und zwar mit allem, was da so dazugehört: sich nicht umdrehen können, selbst in Seitenlage die Beine nicht ausstrecken können, auf Spaltböden stehen, im eigenen Kot liegen, keine Beschäftigung, niemals Sonne sehen und Wind spüren, nicht einmal ein einigermaßen artgerechtes Verhalten ausleben zu dürfen, in dem viel zu kurzen Leben, das sie haben. Und wenn dieses Jahr im Kastenstand immer noch nicht reicht, um die Herren zum Umdenken zu bewegen, würde ich diesen vorschlagen, noch ein Jahr in einer konventionellen Putenmastanlage zu verbringen. Dies dürfte dann den Letzten zur Räson bringen.

Brigitte Alkins, München

Die Tansania-Koalition

Die niedersächsischen Landtagswahlen haben die anstehenden Verhandlungen um eine Koalition zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen schwieriger gemacht. Jede Partei wird nun umso mehr darauf achten, ihre eigenen Parteipositionen in einem Koalitionsvertrag deutlich erkennbar werden zu lassen. Die Bereitschaft zum Kompromiss wird geringer werden. Die Metapher von der Jamaika-Koalition trifft dann aber nicht zu. Denn das schwarze Element in der Flagge Jamaikas evoziert, dass die Unionsparteien eine Einheit sind. Das sind sie aber nicht. Vielmehr sind CDU und CSU eigenständig und verschieden. Diesem Umstand sollte auch in der Nomenklatur Rechnung getragen werden. Nicht Jamaikas Trikolore, sondern die vierfarbige Flagge Tansanias ist für die sich bildende Vier-Parteien-Koalition treffender: Schwarz (CDU), Blau (CSU), Gelb (FDP), Grün (Grüne). Auch die Tatsache, dass sich Blau und Grün in Tansanias Flagge unverbunden gegenüberstehen, verdeutlichen die beiden sich scheinbar unversöhnlichen Pole jenes möglichen Bündnisses.

Gregor Bloch, Gießen

Klotz Hartz IV

Was Heribert Prantl in seinem Leitartikel "Das rote Lichtlein" schreibt, ist richtig, aber das Wichtigste fehlt: Die SPD muss sich eindeutig von der Agenda-2010-Politik distanzieren, insbesondere von Hartz IV. Hartz IV hängt der SPD wie ein Klotz am Bein.

Hans-Ulrich Bünger, Freudenstadt