GeldanlageSparen mit Sinn

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Ein Windrad bei Sonnenaufgang in Hildesheim: Weil der Westen von russischem Gas und Öl unabhängiger werden will, sind die Aktien von Unternehmen gefragt, die sich mit alternativen Energien beschäftigen.
Ein Windrad bei Sonnenaufgang in Hildesheim: Weil der Westen von russischem Gas und Öl unabhängiger werden will, sind die Aktien von Unternehmen gefragt, die sich mit alternativen Energien beschäftigen.
Moritz Frankenberg/dpa

Immer mehr Menschen wollen beim Investieren Gutes tun. Einfach und bequem geht das mit nachhaltigen Fonds und ETF. Doch oft müssen Anleger dabei Kompromisse machen. Ein erster Wegweiser.

Von Thomas Öchsner

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Sie heißen Ökoworld Ökovision oder Deka-Nachhaltigkeit Aktien, Terrassisi-Aktien oder UBS MSCI World Socially Responsible und sind bei Anlegern sehr beliebt. Nachhaltige Fonds gehören derzeit zu den Verkaufsschlagern der Finanzindustrie in Deutschland. Der Markt wird überschwemmt mit neuen Produkten, die mit dem Label "nachhaltig" angeboten werden - mit großem Erfolg: Immer mehr Anlegerinnen und Anlegern geht es nicht nur darum, ihr Geld zu vermehren. Sie wollen damit auch Gutes tun, zum Beispiel "eine bessere Welt für meine Kinder und Enkel" hinterlassen, den "Klimawandel stoppen" und "fairen Konsum unterstützen". Diese Motive fürs nachhaltige Geldanlegen nannten zumindest knapp 40 Prozent bei einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Puls für die Quirin-Privatbank. Nur, was steckt überhaupt hinter den Fonds mit dem Etikett "nachhaltig"? Wie unterscheiden sie sich? Und lohnt sich ein Kauf eigentlich? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was bedeutet nachhaltig?

In der Finanzwelt wird das Thema nachhaltige Geldanlage mit drei Buchstaben verbunden: ESG, E für environmental (Umwelt), S für social (Soziales) und G für governance (gute Unternehmensführung). Es geht also nicht nur um Artenerhalt, Umweltschutz, Klimarettung oder effizienten Umgang mit Wasser. Als nachhaltig gilt auch zum Beispiel das Einhalten von Arbeitsrechten, die Achtung von hohen Standards bei Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz oder das Verhindern von Korruption und Bestechung. Allerdings ist der Begriff nachhaltig bislang gesetzlich nicht geschützt.

Werner Hedrich, Deutschlandchef des Vermögensverwalters Globalance Invest, der sich auf nachhaltige Anlagen spezialisiert hat, warnt deshalb: "Nicht überall, wo Nachhaltigkeit draufsteht, ist auch Nachhaltiges drin." Manche Anbieter wollen zum Beispiel in ihren Fonds keine Aktien von Waffenherstellern haben, investieren aber in Unternehmen, die noch mit Öl Geld verdienen. Nun ist zwar die EU-Kommission gerade dabei, Regeln für nachhaltige Geldanlagen zu entwerfen. Gas- und Atomkraftprojekte will die Kommission in ihrer sogenannten Taxonomie aber als nachhaltig einstufen.

Alfred Platow, Gründer und Vorstandschef des Fondsanbieters Ökoworld, hält davon gar nichts: "Das ist politisch gesteuertes Greenwashing", sagt er. "Mit Atomkraft und Gas verliert die Taxonomie ihre Glaubwürdigkeit." Damit sei die Idee, Geld eine klimafreundliche Richtung zu geben, von der EU-Politik mutwillig kaputtgemacht worden. Das Beispiel zeigt: Was Menschen unter nachhaltig verstehen, kann sehr unterschiedlich sein.

Ein Lastwagen steht in einem Rodungsgebiet des Amazonas.
Ein Lastwagen steht in einem Rodungsgebiet des Amazonas.
Fernando Souza/dpa

Wie kann ich einfach und bequem nachhaltig anlegen?

Am einfachsten geht das über Fonds, entweder über von Fondsmanagern aktiv gemanagte Investmentfonds oder passive, an der Börse gehandelte Exchange Traded Funds (ETF), die bestimmte Börsenindizes einfach nachbilden wie etwa den Weltindex MSCI World, ein Aktienkorb, in dem die Anteilsscheine von etwa 1600 Unternehmen aus 23 Industrieländern stecken. Von diesen Indizes gibt es auch ESG-Varianten. So oder so, mit Fonds und ETF setzen Anlegerinnen und Anleger nicht alles auf eine Karte. Stattdessen fließt ihr Geld in viele verschiedene Werte, zum Beispiel in Aktien von Unternehmen aus unterschiedlichen Ländern, Branchen und Kontinenten. Das Geld wird also breit verteilt, das verringert das Risiko.

Anlegende können einmalig oder mehrmals größere Summen investieren oder regelmäßig schon ab 25 Euro, bei einigen Neobrokern oder Direktbanken sogar bereits ab einem Euro, monatlich in einen Fondssparplan einzahlen. Das kommt vor allem für Sparer infrage, die das angelegte Kapital auf Jahre hinaus nicht brauchen und Kurseinbußen an der Börse wie jetzt während des Angriffs der russischen Armee auf die Ukraine aushalten können, ohne dass sie versucht sind, hektisch ihre Fondsanteile mit Verlusten zu verkaufen.

Was muss ich tun, um einen Fondssparplan anzulegen?

Für Anleger, die ohnehin keine größeren Summen zur Verfügung haben und dazu neigen, Entscheidungen aufzuschieben, erst recht, wenn es um Geldfragen geht, ist ein Fondssparplan ideal. Dazu richtet man möglichst bei einer Bank beziehungsweise einem Discountbroker mit geringen Gebühren wie Consors, DKB, ING, Comdirect, S-Broker, Quirion, einem der Neobroker wie Scalable, Trade Republic oder Justtrade oder über Fondsplattformen wie Envestor ein Wertpapierdepot ein und schließt einen Fondssparplan ab. Vorteil: Jeden Monat wird per Dauerauftrag zu einem bestimmten Termin Geld angelegt, ohne dass man sich ständig um seine Geldanlage kümmern muss.

Einzige Voraussetzung: Auf dem Verrechnungskonto des Wertpapierdepots muss dafür immer genug Geld sein. Die 25, 50, 100 oder mehr Euro, die monatlich in den oder die Fondssparpläne fließen sollen, sollten Anleger also vorher von ihrem Girokonto auf das Verrechnungskonto ihrer Depotbank überweisen - am besten, nachdem das Gehalt auf das Girokonto geflossen ist. So gelingt das Sparen leichter, weil eine Abbuchung weniger als Verlust wahrgenommen wird, wenn auf dem Konto gerade mehr Geld liegt.

Sind ETF oder gemanagte Fonds für nachhaltig orientierte Anleger besser geeignet?

Das kommt darauf an. Der Nachteil bei den gemanagten Fonds sind die hohen Gebühren. Dazu kann der Ausgabeaufschlag zählen, der oft beim Kauf fällig wird, selbst wenn es einen Rabatt gibt. Diese Kaufkosten sind deutlich höher als beim Kauf von ETF. Hinzu kommen vor allem hohe laufende Kosten von meist 1,5 bis zwei Prozent des Anlagevolumens pro Jahr, die die Rendite reduzieren. Vorteil: Anlegende können sich bewusst für einen bestimmten Fonds entscheiden, der das Geld für sie nachhaltig anlegt, aber möglichst so, wie es ihren Vorstellungen von Nachhaltigkeit entspricht.

Anders sieht es bei den ETF aus: Diese sind deutlich günstiger, die laufenden Kosten pro Jahr liegen im Durchschnitt eher unter 0,5 Prozent. Die Suche nach einem nachhaltigen Indexfonds läuft aber stets auf einen Kompromiss hinaus: "Bei den Indexfonds werden eben nicht bewusst Aktien von bestimmten Unternehmen ausgewählt, die aufgrund ihres nachhaltigen Geschäftsmodells einmal die Zukunft bewegen können", sagt Experte Hedrich von Globalance Invest. Nachhaltige ETF bilden oft nur einen Index mit Aktien von Unternehmen aus einer Branche ab, die im Vergleich zur Konkurrenz in Sachen Nachhaltigkeit lediglich weiter fortgeschritten sind. Das gilt nicht selten allerdings auch für gemanagte nachhaltige Fonds, die nach dem sogenannten "Best-in-class-Ansatz" verfahren.

Wie lassen sich gut bewertete nachhaltige Fonds finden?

Die eierlegende Wollmilchsau gibt es auch hier leider nicht, also einen Fonds, der wirklich bei allen drei ESG-Kriterien keine Kompromisse eingeht und trotzdem günstig erhältlich ist. Das Kürzel ESG und der Hinweis "nachhaltig" allein helfen auch nicht weiter - dafür sind derzeit zu viele Produkte auf dem Markt, die nachhaltiger aussehen, als sie wirklich sind. Bei der Suche helfen aber zum Beispiel die Bewertungen des Internetportals Ecoreporter, das regelmäßig Testberichte über nachhaltige Geldanlagen veröffentlicht. Die Ratingagentur Morningstar benotet Fonds in Sachen Nachhaltigkeit mit bis zu fünf Globen. Auch die Stiftung Warentest empfiehlt bestimmte nachhaltige Fonds und ETF als "1. Wahl". Unter globalanceworld.com können Anleger nachschauen, wie einzelne Unternehmen zur Klimaerwärmung beitragen.

Aktivisten von "Fridays for Future" demonstrierten am 4. März 2022 in München für mehr Klimaschutz.
Aktivisten von "Fridays for Future" demonstrierten am 4. März 2022 in München für mehr Klimaschutz.
Lukas Schulz/imago/aal.photo

Wie sieht es mit der Rendite aus?

Noch immer glauben manche Anleger: Nachhaltig Geld anlegen heißt, auf Rendite zu verzichten. Das ist aber ein Trugschluss. Diverse Studien legen den Schluss nahe, dass die ESG-Kriterien sich nicht oder sogar positiv auf die Rendite auswirken. Nach Angaben des Analysehauses Scope erlitten nachhaltige Aktienfonds im ersten Quartal 2020, also beim Ausbruch der Corona-Pandemie, geringere maximale Verluste als herkömmliche Aktienfonds. Ein Grund könnte sein, dass nachhaltig investiertes Geld vor allem in Unternehmen mit neuen, zukunftsweisenden Technologien fließen sollte. Firmen, die hingegen zum Beispiel durch Korruption auffallen, Kinderarbeit dulden oder an der Zerstörung des Regenwaldes beteiligt sind, haben ein Imageproblem. Das kann den Aktienkurs drücken.

Welches Risiko gibt es bei nachhaltigen Fonds?

Nur weil sich ein Fonds in der Vergangenheit positiv entwickelt hat, muss dies in der Zukunft nicht genauso weitergehen. Je länger, möglichst über mehr als ein Jahrzehnt, Sparer regelmäßig in Aktienfonds Geld investieren, desto geringer ist jedoch die Gefahr, beim Ausstieg Verluste zu haben. Das gilt für alle Fonds und damit auch für die nachhaltigen Varianten. Besonders riskant sind aber Themenfonds. Diese setzen auf bestimmte Zukunftstrends (Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Ernährung, Elektromobilität) oder bilden einen spezielleren Aktienindex nach, oft mit Unternehmen, die im Bereich erneuerbare Energien tätig sind. Dadurch "entsteht ein sogenanntes Klumpenrisiko", warnt die Verbraucherzentrale Bremen. Außerdem enthalten Themenfonds, die ein bestimmtes Marktsegment und nicht mehrere Branchen abdecken, oft vergleichsweise Aktien von weniger Firmen. Beides trägt dazu bei, dass die Kurse dieser Fonds stärker schwanken können. Anleger haben ein höheres Risiko, Geld zu verlieren, aber auch die Chance, überdurchschnittlich hohe Renditen zu erzielen. Beispiel: Der ETF Lyxor MSCI New Energy ESG erreichte noch im November 2021 ein Rekordhoch. Danach brach der Kurs heftig ein. Nun geht es wieder aufwärts. Der Grund: Weil der Westen von russischem Gas und Öl unabhängiger werden will, sind die Aktien von Unternehmen gefragt, die sich mit alternativen Energien beschäftigen.

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