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Müll:Soziale Verantwortung

Sie sollen weniger Abfall produzieren. Dass Verbraucher die Entsorgungskosten quasi über höhere Preise für To-go-Produkte mit übernehmen, reiche nicht, meinen Leser.

Zu "Müll verpflichtet" vom 22./23. August und "Bis in die letzte Ritze", 21. August:

Jetzt müssen es schon wieder "die anderen" richten: nämlich die, die Kippen herstellen oder die Plastikbecher etc. Es ist ein Akt der Hilflosigkeit und falsch verstandener Sozial- und Umweltpolitik, wenn unsere Umweltministerin Frau Schulze nun die Umwelt vor Kippen und To-go-Bechern schützen will. Wo bleibt aber die Selbstverantwortung der Kippenraucher, der To-go-Kaffeetrinker etc.? Wo bleibt der Appell an uns Verbraucher, etwas zu ändern? Man muss der Zigaretten- und Getränkeindustrie wenigstens hier einmal recht geben: Was haben sie damit zu tun, wo die Raucher ihre Kippen, To-go-Trinker ihre Becher und Plastikflaschen entsorgen?

Wo bleiben die vergleichbaren sozial interventionistischen Kampagnen, die zum Beispiel in fast unheimlich kurzer Zeit das Rauchen zumindest vergällt, wenn nicht sozial geächtet haben? Auch die Hundebesitzer sammeln seit Langem brav die Hinterlassenschaften ihrer Lieblinge ein. Die in erster Linie Hitze produzierenden Glühbirnen sind verschwunden etc.

Aber viele wichtige gesellschaftliche Institutionen tun sich hier schwer. Auch bei anderen die Gemeinschaft belastenden Problemen gibt es fehlendes Engagement, mehr Selbstverantwortung zu fordern. Die Krankenkassen etwa bezahlen teure Operationen zur Behandlung der extrem Übergewichtigen, damit sie zuerst abnehmen, dann noch vergleichbar teure Operationen, um die nun kosmetisch störenden Fettschürzen zu beseitigen. (Die kosmetische Operation einer durch eigenständige Gewichtsreduktion erzeugten Fettschürze ist dagegen keine Kassenleistung!)

Wo bleiben die Kampagnen der Kassen für eine gesunde Ernährung und Appelle an die Selbstverantwortung in TV, Zeitschriften und Plakatwänden? Bußgelder für weggeworfene Kippen? Es geht doch um eine soziale und gesamtgesellschaftliche Verhaltensänderung: Müllentsorgung, gesunde Ernährung, Umweltverhalten selbstverantwortlich zu steuern und dafür Mittel bereitzustellen! Soziale Verantwortung übernehmen muss die Devise lauten!

Dr. Helmut Grosch, Moers

Ein guter Ansatz, der doch fürs ganze Wesen der Entsorgung ausgebaut werden sollte: die Kosten der Entsorgung bereits beim Verkauf erheben und die Entsorgung selbst als kostenlose Dienstleistung anbieten. Vorteile: kein Grund mehr, etwas illegal zu entsorgen, die Industrie wird auch hier Innovationen erzeugen, um das zu verschlanken, bei hochwertigen Gütern fallen die Mehrkosten nicht ins Gewicht, Ramschware würde verteuert etc. Bei Importen ist natürlich der Importeur zu belasten, sodass die Ausgangslage fair bleibt. Das Ganze dürfte auch zu einer höheren Recyclingrate führen und wäre unbürokratischer als der derzeitige Wildwuchs zwischen Gemeinden, Ländern und den Staaten Europas.

Manfred Ostertag, Taufkirchen

Man möchte ja niemanden etwas unterstellen. Aber hat man bei aller Kritik am Urteil des Verfassungsgerichts auch mal daran gedacht, dass das Containern dazu benutzt werden kann, um Unliebsames im Müllcontainer eines fremden Besitzers loszuwerden? Wer haftet, wenn plötzlich gefährliche Stoffe (Säuren, Laugen) gefunden werden? Jeder kann sich selbst die vielen weiteren Möglichkeiten für eine "Entsorgung" ausmalen und fragen, wer hierfür zu haften hat oder hätte. Selbst wenn das Gericht hier nur von der Entnahme ausgegangen ist, muss doch jedwede Benützung durch Fremde vermieden werden. Aber ja: Lebensmittelentsorgung muss zwingend neu geregelt und am besten ganz verhindert werden.

Thomas Gerg, Gaißach

© SZ vom 24.09.2020

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