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Monsanto:Vorahnungen voll bestätigt

SZ-Leser zweifeln am Management der Muttergesellschaft Bayer, weil dieses die Probleme und Klagen wegen des Unkrautvernichters Glyphosat so lange ignoriert hat, und sie hadern mit den bisher angeführten Studien zum Thema.

Monsanto

Mit Atemschutz gegen Bayer-Monsanto: Eine Demonstrantin zeigt, dass sie das Einatmen von Stoffen der Firma fürchtet.

(Foto: Imago images)

Zu "Albtraum Monsanto" vom 15. Mai, "Der Denkzettel" und "Das Kreuz mit Bayer", jeweils vom 29. April und "13 400 Glyphosat-Klagen" vom 26. April:

Zweifelhafte Studienauswahl

Auch nach der dritten Niederlage vor Gericht in Sachen Glyphosat weigert Bayer sich hartnäckig, wissenschaftliche Ergebnisse anzuerkennen. Der Verweis auf angeblich "mehr als 800 wissenschaftliche Studien", die die Sicherheit von Glyphosat bewiesen, führt gleich mehrfach in die Irre. Die Masse macht's nämlich nicht.

Im Zusammenhang mit dem Prozess sind in erster Linie die Studien relevant, die sich auf die Krebsart beziehen, an der die Kläger leiden. Und deren Befunde sind eindeutig: In zwei epidemiologischen Studien aus Schweden und den USA hatten Forscher Anfang des Jahrtausends bei Anwendern des Herbizids eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, am Non-Hodgkin-Lymphom zu erkranken, festgestellt. In Versuchen mit Ratten und Mäusen hatte Glyphosat andere Krebsarten erzeugt. Fatalerweise dürfen die Hersteller selbst die wissenschaftlichen Studien im Vorfeld der Zulassung eines Mittels zusammenstellen. Sie haben solche Ergebnisse unter den Tisch fallen lassen und stattdessen eine Flut von mehr oder weniger zweifelhaften "Studien" präsentiert. Sogar Leserbriefe von Wissenschaftlern in Fachzeitschriften wurden zu Studien geadelt. Die Behörden haben sich - entgegen dem Votum der Weltgesundheitsorganisation WHO - auf dieses Spiel eingelassen. Das muss umgehend revidiert und das Mittel vom Markt genommen werden.

Dr. Eduard Belotti, Augsburg

Verdacht arglistiger Täuschung

Bereits in den vielen Monaten vor und während der Verhandlungen des Bayer-Vorstands zur Übernahme des Konzerns Monsanto stand bekanntlich in den USA wie auch EU-weit das US-Unternehmen wegen des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat heftig in der Kritik. Es waren bereits in dieser Zeit in den USA Klagen von Anwendern dieses Unkrautbekämpfungsmittels (zum Beispiel Gärtner einer Schule) anhängig. Umso erstaunlicher ist es, dass wenige Zeit nach der Übernahme von Monsanto durch Bayer allein in den USA bislang 13 400 Klagen eingereicht wurden, vor allem von Bauern, die den Wirkstoff Glyphosat für ihre Krebserkrankungen verantwortlich machen. In der Folge dürften die anhängigen Rechtsstreitigkeiten den Bayer-Konzern richtig viel Geld kosten und möglicherweise Tausende von Arbeitsplätzen gefährden. Für das Gesamtwohl des Bayer-Konzerns - der Anteilseigner wie auch der Mitarbeiter - sind der Vorstand und Aufsichtsrat verantwortlich. Es ist nicht nachvollziehbar, dass anscheinend in den Kaufverträgen eine Übernahme zu erwartender "Glyphosat-bedingter" Rechtsstreitigkeiten durch den Verkäufer ausgeschlossen ist. Für einen Außenstehenden könnte sich der Verdacht der arglistigen Täuschung des Käufers durch den Verkäufer geradezu aufdrängen.

Louis-Ferdinand Warlimont, Holzkirchen

Größenwahn tut nicht gut

Ich bin kein Prophet in Sachen Wirtschaftsgeschehen, schon gar nicht bei der Einschätzung von Aktienkursen. Jedoch haben sich bezüglich des Mischkonzerns Bayer meine Vorahnungen voll bestätigt. Drum mein Rat: Entweder die Belegschaft trennt sich von ihrem Aufsichtsrat sowie dem Vorstand, oder es werden weitere Geschworene der US-Justiz noch mehr finanzielle Forderungen bis zum Ruin von Bayer stellen, und dies wird den Verlust von hochqualifizierten Arbeitskräften bedeuten. Abgesehen von den tausendfach gesundheitlichen Schädigungen, die durch etliche Gutachten bezüglich Glyphosat hinlänglich bewiesen wurden. Dann geschieht es der Firma recht. Größenwahn tut selten gut, gerade in der Wirtschaft.

Uwe Marx, München

Eigentum verpflichtet

Ihr Autor schreibt in seinem Kommentar "Das Kreuz mit Bayer" zur Hauptversammlung und der verweigerten Entlastung für den Vorstand, dass Unternehmen und ihre Manager bei Kritik gerne betonten, dass sie ausschließlich ihren Eigentümern verpflichtet seien. Das stimmt so nicht, möchte ich mit Artikel 14 des Grundgesetzes dagegen halten. Dieser gerne "vergessene" Artikel unserer Verfassung besagt: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen." Deshalb ist nicht nur die falsche Haltung der Unternehmen, sondern auch der Kauf von Monsanto durch Bayer und die massenhafte Produktion von Glyphosat zu kritisieren.

Karl Amannsberger, Berlin

Einfluss auf die Politik

Wie ich der Berichterstattung entnehme, versucht die Firma Bayer-Monsanto also, wichtige Leute zu beeinflussen. Ich frage mich, auf welche Weise das bei unserem vorigen Landwirtschaftsminister gelungen ist.

Dr. Gotthard Friedrich, Ahlen

Mehr Forschung

Ich schreibe, um mehr Forschung zu Auswirkungen bei längerem Gebrauch von Glyphosat anzuregen. Die Forschungsergebnisse von Monsanto/Bayer sollen ja ergeben haben, dass kein Krebsrisiko nachgewiesen werden konnte. Nur wird bei den Forschungsversuchen wohl keine häufige Anwendung über Nebel etwa beim Düngen über eine längere Zeit geprüft. Weiterhin wird wohl bisher nicht bedacht, dass sich bei einem ständigen Reiz erst langsam eine Krankheit entwickelt bis hin zum möglichen Krebs. Das kann auch Tiere betreffen, wenn sie Gras oder Heu fressen. Der Gedanke ist wohl nicht so abwegig, da ja bereits in Lebensmitteln Glyphosat nachgewiesen wurde, was bedeutet, dass der Dünger in die Erde sickert und dann von Samen, Stecklingen usw. aufgenommen wird. Dann fressen zum Beispiel Kühe Heu, man kann also womöglich in der Milch Glyphosat nachweisen, wenn auch nur geringe Mengen.

Gefährdet sind aber vor allem die Landwirte oder Gärtner, die eben Glyphosat hoch verdünnt verarbeiten. Was Monsanto/Bayer beforscht haben, wird nicht genau veröffentlicht. Forschungen etwa mit Mäusen, die über längere Zeit in entsprechenden Abständen Glyphosat-Nebel ausgesetzt werden oder Forschung in Nährböden mit Zellmaterial könnten aufzeigen, ob und wie sich Zellen verändern.

Forscher haben viele Ideen. Auch dauern solche Versuche eine längere Zeit, bis ein Ergebnis erkennbar wird. Deshalb sollte schon jetzt mit der Forschung begonnen werden.

Helmtrud Harnack, München

© SZ vom 21.05.2019

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