Mobilfunk Die Skepsis zum 5G-Ausbau überwiegt

Einige Leser haben das Gefühl, dass bei dem Thema die Interessen der Wirtschaft gegenüber denen der Bürger vorgehen. Gewünscht ist eine transparente und ausgewogene Technologiefolgen­abschätzung - vor Einführung des Standards.

Zu "Es funkt" und "Teurer Irrweg", beide vom 14. Juni:

Wirtschaft geht leider vor

Statt zuerst die gesundheitliche Unbedenklichkeit von 5G für Mensch und Natur sicherzustellen, ging es dem Staat darum, durch die Versteigerung der Lizenzen möglichst viel Geld zu machen. Abermals wird der Schutz der Bevölkerung hinter die Interessen der Wirtschaft gestellt. Sogar der Grüne Oliver Krischer befürchtet, dass der "5G-Ausbau zu langsam gehen könnte". Haben wir nicht schon genügend schlechte Erfahrungen mit der Einführung der Kernenergie und der Zulassung von Glyphosat und Neonikotinoiden gesammelt, um dieselben Fehler immer wieder zu begehen?

Die Bienen orientieren sich am Magnetfeld der Erde. Durch die extreme Strahlung über 5G wird deren Orientierungsvermögen erheblich gestört. Wollen wir ihnen mit dieser Technologie endgültig den Garaus machen?

Martin Ballmann, Berg

Verquickung undurchschaubar

Mein Informationsstand zum neuen Mobilfunkstandard 5G ist derzeit, dass vorliegende Forschungsergebnisse zu gesundheitlichen Risiken unterschiedlich bewertet werden und dass das Bundesamt für Strahlenschutz sich hauptsächlich auf die internationale Organisation ICNIRP stützt, dessen Analysen und Bewertungen wohl umstritten sind. Außerdem fehlt mir als Teil der interessierten Öffentlichkeit Klarheit darüber, warum und von wem 5G flächendeckend gebraucht wird - zum Beispiel wird das sogenannte autonome Fahren, das hier gern genannt wird, ja auch nicht generell begrüßt.

Schwer durchschaubar ist zudem die Verquickung von privatwirtschaftlich und staatlich organisierten Zuständigkeiten für diese neue Infrastruktur. So wurde in Fellbach bei Stuttgart am 24. Mai 2019, in Anwesenheit von Ministerpräsident Kretschmann, ein Vertrag unterzeichnet zwischen der Telekom und der sogenannten "Gigabit Region Stuttgart GmbH", zum Glasfaserausbau inklusive Ausbau des Mobilfunknetzes 5G; die Kommunen der Region sollen nach und nach Einzelverträge unterzeichnen. Der Stuttgarter Gemeinderat hat am 9. Mai mit knapper Mehrheit einem solchen Vertrag bereits zugestimmt.

Debatte online

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Die Region Stuttgart, so hieß es auf einer Protestveranstaltung am 24.5. in Fellbach, solle Musterregion für Deutschland werden, was diese Art des Prozedere angeht. Wenn die digitale Welt, wie oft zu hören ist, unser wirtschaftliches, gesellschaftliches und persönliches Leben immer noch mehr bestimmen wird, sollte es meines Erachtens viel mehr Informationen über die entstehende Infrastruktur geben und über die Folgen, die sie für die Allgemeinheit und jeden Einzelnen birgt.

Frau Wulfs Anregung in dem Artikel nehme ich daher auf und wende ich mich an die SZ mit meinem Ersuchen, mehr Hintergrundartikel zum Thema 5G zu bringen.

Ulrike Marbach, Esslingen am Neckar

Rechtzeitig Vorsorge treffen

Es ist ein Fortschritt, wenn Kommentator Marc Beise anerkennt, dass angesichts der mit 5G-Mobilfunk verbundenen Gesundheitsrisiken Vorsorge angesagt ist. Dann aber macht er einen Schritt zurück, indem er einschränkt, ..."aber parallel zur Einführung der neuen Technik und nicht an deren Stelle". Das ist unlogisch: Vorsorge kommt definitiv vorher und nicht gleichzeitig. Aus guten Gründen hat es die Regionalpolitik von Brüssel, Genf und Florenz abgelehnt, ihre Bevölkerung zu Versuchskaninchen für 5G machen zu lassen.

Der Ausbau von technischer Infrastruktur hat keineswegs Vorrang vor dem Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit. Zumal Flächenabdeckung angestrebt wird, ist Vorsorge ein zentrales, nicht zu relativierendes Gebot angesichts des international so umstrittenen 5G-Projekts. Zurecht haben mehr als 100 000 Menschen, darunter viele Wissenschaftler (etwa Ernst Ulrich von Weizsäcker), einen Stopp beim Ausbau des 5G-Standards gefordert.

Prof. Dr. Werner Thiede, Neuhausen

Für eine staatliche Lösung

Dieser Kommentar von Marc Beise vernachlässigt Fakten, vor allem, dass Unternehmen eigene Frequenzen für ihre Fabriken bekommen können und so ihr eigenes autarkes 5G-Netz aufbauen können. Nur so sind sie auch fähig, sich vor Cyberangriffen zu schützen. Zudem ist keine Eile geboten: Es gibt noch keine 5G fähigen Smartphones, die Niedrigfrequenzblöcke können noch gar nicht genutzt werden, und aktuell herrscht durch Huawei große Unsicherheit bei der Netztechnologie.

Ein Mast mit verschiedenen Antennen von Mobilfunkanbietern in Born, Mecklenburg: Aber welche Chancen und Risiken bringt der neue Mobilfunkstandard 5G allgemein? Das soll eine Technologiefolgenabschätzung klären.

(Foto: Büttner/ZB/dpa)

Die Idee, dass der Staat das Netz trotzdem komplett selbst ausbaut, gefällt mir trotzdem sehr gut, wirft dann aber die Frage auf, wodurch sich die Anbieter und ihre Preise dann noch unterscheiden können und warum man dann die Telekom nicht wieder verstaatlichen sollte. Die Regulierung und Teilprivatisierung der Telekom sollte klarmachen, dass staatliche Infrastruktur und private Anbieter nicht die beste Lösung sind.

Valentin Lindlacher, München

Folgenabschätzung 2020 zu spät

Dem Autor kann nur zugestimmt werden, die Gesundheitsgefahren der Mobilfunkstrahlung ernst zu nehmen und Vorsorge zu treffen. Zumal einschlägige Studien vorliegen. Nicht aber seiner Meinung, dass diese Vorsorge "parallel zur Einführung" von 5G getroffen werden müsse. Wie soll Vorsorge gehen, wenn zeitgleich an jedem Lichtmast und "jeder Milchkanne" 5G installiert wird? Eine Technikfolgenabschätzung soll frühestens 2020 vorliegen - dann, wenn die Technik bereits in der Anwendung ist. Dabei könnte uns die technische Weiterentwicklung gut dabei helfen, die potenziellen Risiken zu begrenzen. Doch leider ist der Gedanke an Vorsorge und Minimierung nicht die Triebfeder der Entwicklung.

Trudi Christof, Aßling