PsychologieWer mobbt hier wen?

Lesezeit: 2 Min.

Beim Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“ riefen im vergangenen Jahr mehr als 4500 Kinder an, um über Mobbing in der Schule zu sprechen.
Beim Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“ riefen im vergangenen Jahr mehr als 4500 Kinder an, um über Mobbing in der Schule zu sprechen. Oliver Berg/picture alliance/dpa

Die Sorge, dass das eigene Kind in der Schule gemobbt werden könnte, teilen viele Eltern. Aber wie ist es für Mütter und Väter, wenn es ausgerechnet ihr Kind ist, das andere drangsaliert?

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Liebe Leserin, lieber Leser,

vielleicht geht es Ihnen auch so: Im Netz und in den Medien stoße ich beinahe wöchentlich auf Berichte zum Thema Mobbing. Mobbing am Arbeitsplatz, im Internet, auf dem Pausenhof. Vor allem auf letzterem ist es nach wie vor ein großes Thema: Beim Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“ (116 111) riefen im vergangenen Jahr mehr als 4500 Kinder an, um über Mobbing an ihrer Schule zu sprechen.

Viele Psychologen sagen, dass Kinder, die andere mobben, eigene Unsicherheiten kompensieren wollen. Der renommierte Entwicklungspsychologe Anthony Volk erklärte im Gespräch mit meinem Kollegen Sebastian Herrmann (SZ Plus), dass Mobbing eine Form evolutionärer Anpassung sei, die verschiedene Funktionen erfülle. Die Täter seien nicht etwa „kaputt“, sondern eigentlich genau das Gegenteil, behauptet er. Sie versuchen durch dieses Verhalten, Popularität und Dominanz in ihrer Peergroup zu erlangen.

Mobbing als natürliche Anpassungsleistung des Stärkeren, um in einer hierarchisch organisierten Gesellschaft nicht selbst zum Opfer zu werden?

Mir fällt es schwer zu akzeptieren, dass wir diesen Instinkten machtlos ausgeliefert sind – vor allem, wenn ich von Erfahrungen wie denen meiner Kollegin Lea Mohr lese (SZ Plus). Sie schreibt darüber, wie ihr das Mobbing auch noch Jahre später wie ein Schatten nachhing. Sie hat sogar einen Mitschüler, der sie damals gehänselt hat, kontaktiert und wiedergetroffen: „Ich spüre, wie sich 15 Jahre anderes Leben auf seine Erinnerungen gelegt haben, während die Schulzeit bei mir immer mitlief“, schreibt sie. Und fragt sich: Warum hat damals niemand die Mobber aufgehalten? Und wie gingen eigentlich deren Eltern mit den Vorfällen um?

Es ist ja auch ein schwieriger Balanceakt, sein eigenes Kind mit Ehrgeiz, Durchsetzungsvermögen und Selbstbewusstsein auszustatten und zugleich dafür zu sorgen, dass genau diese Eigenschaften anderen nicht schaden.

Und wenn es dann doch passiert, ist das Thema auf so vielen Ebenen mit Scham behaftet, dass sich kaum jemand traut, offen über „den Mobber“ in der eigenen Familie zu sprechen. Vielleicht auch über die damit verbundenen schlaflosen Nächte, Schuldgefühle und die eigene innere Abwehr dazu.

Darüber würde ich gern einen Artikel schreiben und frage mich, ob es unter Ihnen Eltern oder Familien gibt, deren Kinder andere gemobbt haben. Wie war das für Sie? Und wie sind Sie damit umgegangen? Darüber würde ich gerne mit Ihnen sprechen, auch anonym. Ich freue mich, wenn Sie mir schreiben.

Ein schönes Wochenende wünscht

Katharina Erschov

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