Süddeutsche Zeitung

Milch:Mehr Schaden als Nutzen

Das Thema sehen viele SZ-Leser kritisch. Sie sind der Meinung, dass der Verzehr von Kuhmilch nicht nur für den Menschen schädlich sein kann, sondern die Viehzucht auch beachtliche negative Auswirkungen auf die Umwelt hat.

Zu "Vom Heiligen zum Schurken", 23. Juli:

Erhöhtes Krebsrisiko

Die Tatsache, dass in Ländern, in denen keine Milch konsumiert wird, bestimmte Krebsarten wie Brustkrebs und Prostatakrebs so gut wie keine Rolle spielen, wird so dargestellt, als wäre das Thema Prostatakrebs erst bei Männern relevant, die "mehr als 1,2 Liter Kuhmilch pro Tag trinken". Die Forschungsergebnisse verschiedener Studien haben jedoch den Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Prostatakrebs und Brustkrebs belegt. Dies wurde jahrelang von einigen Kritikern den (asiatischen) Genen zugeschrieben. Mittlerweile belegen jedoch mehrere Studien, dass das Krebsrisiko von Asiaten sich dem europäischen beziehungsweise amerikanischen Niveau angleicht, sobald die Menschen in die entsprechenden Länder auswandern und sich anders ernähren. Die Gene spielen also eine geringere Rolle als die Ernährung.

Am meisten habe ich mich aber über folgendes Argument geärgert: "Sogar präventiv soll Milch wirken. Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen und viel frische Rohmilch trinken, leiden seltener an Allergien und Asthma, so ergaben Beobachtungen einer Münchener Forschergruppe um die Kinderärztin Erika Mutius." Gewiss ist frische Rohmilch gesünder als Kuhmilch aus dem Supermarkt. Jedoch liegt das geringere Risiko für Allergien und Asthma nachgewiesenermaßen an den vielfältigen Bakterien, denen Kinder auf einem Bauernhof ausgesetzt sind - im Vergleich zu Kindern, die in sterilen Haushalten aufwachsen.

Katrin Baum, Hamburg

Der Mensch braucht sie nicht

Wenn man sich die Gesundheit verschiedener Bevölkerungsgruppen auf der Welt ansieht, die ohne Milchprodukte auskommen, glaubt man es nicht. Gefäßerkrankungen sind ihnen unbekannt. Und auch die Knochen sind gesund. Man braucht weder Fleisch- noch Milchprodukte, um gesunde Gefäße und Knochen zu haben. Kanada hat bei Überarbeitung der Ernährungspyramide Milchprodukte zugunsten pflanzlicher Proteinquellen weit nach hinten gerückt, Milch wird nicht mehr erwähnt.

Dr. Benny Levenson, Berlin

Wertlose H-Milch

Dass heute viele Menschen und Kinder diese künstliche erzeugte Milch nicht vertragen, ist seit Jahren bekannt. Die in Massen konsumierte H-Milch ist ein denaturiertes und wertloses Nahrungsmittel und hat nichts mit natürlicher Milch zu tun, die von artgerecht gehaltenen Kühen stammt, gar nicht zu reden von Almkühen, die den Tag auf der Weide grasen können. Zehn Prozent der bayerischen Milchkühe stehen noch auf der Weide; anderen werden die Hörner gestutzt, sie sind in Ställe gesperrt. Wachse oder weiche, so das Credo der Lobbyisten - ein Milliardengeschäft. Warum hören jedes Jahr Tausende Bauern auf, weil sie von ihrer Milch nicht leben können? Schuld sind die Discounter. Sie üben Druck auf Molkereien aus. Dass die Milch der Kuh eigentlich nur für ihren Nachwuchs gedacht war, interessiert wohl nur Veganer.

Barbara Renz, Otterfing

Schädlich für die Umwelt

Was komplett ausgeblendet wird, ist die Tatsache, dass die meisten Menschen, die ihren Kuhmilchkonsum einschränken oder einstellen, nicht vorrangig aus gesundheitlicher Motivation handeln: Angaben des Umweltbundesamts zufolge war die Landwirtschaft in Deutschland im Jahre 2017 für 66,3 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Dabei ist die Viehzucht der größte Methanemittent, ganz zu schweigen von der damit einhergehenden Verschmutzung des Grundwassers durch Überdüngung, der Nutzung des Großteils der Getreideernten für Futtermittel und einer Massentierhaltung, die der Idee der glücklichen Kuh auf der Weide keinen Platz mehr lässt.

Hannah von Minden, Deisenhofen

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Quelle:
SZ vom 03.08.2019
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