Milch Eine Studie wert

Wie Menschen mit Laktoseintoleranz geholfen werden könnte, weiß ein Leser aus Waiblingen.

"Lebensquelle Milch" und "Milch nein, Parmesan ja" vom 16./17. Dezember:

Genuss in Maßen

Wer sagt denn, dass wir nicht auch ohne Milch hätten überleben können, wer schreibt dasselbe zu Haselnüssen, die tatsächlich eine der Haupternährungsgrundlagen unserer Vorfahren waren? Und Hirse und Gerste, was die Bevölkerung vor Einführung der Kartoffel vor 300 Jahren überwiegend aß, und was beides sehr nahrhaft und lecker ist. Hirse und Hafer werden gekocht oder mit Wasser eingeweicht richtig milchig und enthalten bombastisch viele Nährstoffe, Kalzium kann locker aus Leitungswasser und Grünem bezogen werden. In Maßen könnten wir Milch trotzdem genießen, wenn wir sie redlich mit den Kälbern teilen, die fast alle ihren Müttern weggenommen werden. Die Fotos des Artikels sind vollkommen zynisch: vor allem das arme aufgepumpte Euter, das der Kuh große Schmerzen bereitet. Konventionelle Kühe überstehen nur durch regelmäßige Antibiotikagabe die zweimal jährlich wiederkehrende Euterentzündung.

Annette Weber, Heusenstamm

Gesunde Keime

Ein Mangel an selbst produzierter Laktase lässt sich bei 80 Prozent aller Erwachsenen nachweisen. Umso erstaunlicher ist, dass nur zehn bis 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Verdauungsprobleme bei Laktosekonsum aufweisen. Außerdem war der Begriff "Laktoseintoleranz" vor 50 Jahren praktisch unbekannt, heute aber weist das vielseitige Angebot laktosefreier Produkte auf ein offensichtlich wachsendes Problem hin. Diesen Diskrepanzen wurde bislang wissenschaftlich ungenügend nachgegangen.

Eine Erklärung liegt in der Veränderung der physiologischen Darmflora, die für eine beschwerdefreie Verdauung unerlässlich ist. Solange ausreichend Milchsäurebakterien als "Verdauungsassistenten" im Darm angesiedelt sind, können diese die ungenügende körpereigene Laktaseproduktion problemlos ergänzen. Diese gesunden Keime wurden früher gratis mitgeliefert, als man gekaufte Milch "sauer werden" lassen konnte, um "Dickmilch" zu produzieren. Mit haltbaren Milchprodukten sind solche Bakterien inkompatibel, daher werden sie durch Sterilisation beseitigt und aus der physiologischen Darmflora der Konsumenten verdrängt. Man könnte freilich diese Keime als Nahrungsergänzung gesondert dem Verdauungstrakt zuführen. Mit etwa 100 Betroffenen wurde auf Basis dieser Überlegungen ein Praxistest über mehr als zwei Jahre gemacht. Ergebnis: 95 Prozent aller Patienten mit Laktoseintoleranz ist durch die schlichte Langzeitsubstitution von Milchsäurebakterien geholfen. (Verwendet wurde der Keim Lactobacillus acidophilus, weil er kein CO₂ bilden und daher keine Blähungen auslösen kann). Es wäre wünschenswert, wenn diese Beobachtung in einer größeren wissenschaftlichen Studie untersucht würde.

Dr. Bernd Bornscheuer, Waiblingen