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Merkel in Harvard:Ehrung für (zu) Vieles

Bei vielen Lesern kam die Festrede der Bundeskanzlerin an der Eliteuniversität in Cambridge gut an. Ein Schreiber moniert, dass ihr mit der Ehrendoktorwürde auch Lorbeeren anderer Politiker zugeschrieben würden.

Zu "Merkel und die Metaphysik" vom 1./2. Juni:

Auf der Zielgeraden ihrer Kanzlerschaft beweist Frau Merkel endlich einmal Mut. Indem sie den trampelnden US-Präsidenten, wenn auch indirekt, angreift. Warum nicht viel eher? Sie hat (noch) die Chance, ein Bündnis gegen diesen Egomanen zu schaffen und somit die Vernunft siegen zu lassen. Auf geht's Frau Dr. Dr. hc. phil.!

Norbert Kemp, Regenstauf

Ausgezeichnete Rede! Kurze Sätze, klare Aussagen! Wohltuend schnörkellos! Aus ihren persönlichen Erfahrungen gibt Angela Merkel den Harvard-Absolventen schlüssige Ratschläge und Empfehlungen. Dem Anlass in jeder Weise angemessen.

Dr. Hansjörg Döpp, Düsseldorf

Natürlich verstehe ich, dass Intellektuelle in Amerika sich in Zeiten von Donald Trump nach einer starken Führungspersönlichkeit sehnen. Es ist auch richtig, dass wir Deutsche Barack Obama genauso bejubelt haben, ohne ihn wirklich zu kennen. Sein Wahlprogramm hätte die sozialstaatlichen Fragen Deutschlands niemals beantworten können. Nichtsdestotrotz ist die "Heiligsprechung" von Angela Merkel auf dem Campus der Harvard Universität ein Armutszeugnis. Obwohl ihr Besuch schon seit mehreren Monaten geplant war, schafften Studenten wie Professoren einer Eliteuniversität es nicht, die Geschehnisse der deutschen Innen- und Außenpolitik sauber zu recherchieren.

Niemandem scheint klar zu sein, dass Frau Merkel nach der Pressekonferenz mit ihrem Slogan "Wir schaffen das" für längere Zeit verschwunden war, während bayrische Bürgermeister die Flüchtlinge unterbringen mussten. Ebenso wenig konnte Frau Merkel die Ordnung in Deutschland nach der Grenzöffnung wiederherstellen. Hier hat unser Nachbar Österreich Standhaftigkeit bewiesen, indem die notwendige, wenn auch unbeliebte Schließung der Balkanroute entschieden wurde.

Zu allem Überfluss halten die Eliten der Harvard-Universität Frau Merkel jetzt auch noch für die Erfinderin des Mindestlohns, was der SPD die Zornesröte ins Gesicht treiben dürfte. Gleiches gilt für die Ehe für alle. Volker Beck von den Grünen hatte dafür lange gekämpft. Trotzdem glaubt die Harvard-Universität die "Mutter der Gleichberechtigung" genau zu kennen. Wenn andere handeln, erntet Frau Merkel die Lorbeeren. Irgendwie ist die diesjährige Abschlussfeier von Harvard auch bezeichnend für die momentane Lage der Welt.

Bernhard Rimpfl, Baldham

Kanzlerin Angela Merkel hat die Ehrendoktorwürde der Elite-Uni Harvard erhalten. Dabei lobte die Universität explizit Merkels Slogan "Wir schaffen das" in der Flüchtlingskrise. Die Geehrte stellte dann, in einer Rede vor den Absolventen der Universität heraus, dass, grundsätzlich, "gemeinsam statt alleine" gehandelt werden müsse, sie bezog das auf "die internationale Zusammenarbeit". Doch bei der politischen Lage von nationaler Tragweite 2015 war es allein Merkels Richtlinien-Entscheidung, in großer Zahl Flüchtlinge ins Land zu lassen.

Michael Mieslinger, Eichenau

© SZ vom 07.06.2019
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