Mehrwertsteuer Ohne Unterschied

Auf jedes Schweinsohr 16 Prozent Steuern - das fordert ein Leser. Bislang sind sieben für das genießbare und 19 Prozent für das ungenießbare Ohr zu zahlen. Damit wäre eine beleidigende Praxis endlich am Ende.

"16 Prozent für alle wäre schön" vom 1. August:

Alles über einen Kamm

Der Forderung von Marc Beise, alles einheitlich zu besteuern, kann man nur zustimmen. Man muss sich nur einmal die völlig unsinnigen Abgrenzungen ansehen: Pferde sieben, Wildpferde 19 Prozent; Tiernahrung sieben, Babywindeln 19 Prozent; Krebse sieben, Langusten 19 Prozent. Leitungswasser sieben, Trinkwasser 19 Prozent; genießbare Schweinsohren 7, ungenießbare aber 19 Prozent. Sogar im Hotel muss, dank FDP und CSU, seit 2009 differenziert werden. Mit sieben Prozent besteuert werden: Seife, Schuhputz- und Nähzeug, Weckdienst und der Schuhputzautomat; zu vollen 19 Prozent besteuert werden Getränke aus der Minibar, Telefon und Internet, Pay-TV sowie "alle Leistungen, die das körperliche, geistige und seelische Wohlbefinden steigern". Was soll das? Weg mit dem Unfug und 16 Prozent auf alles. Die Mehrkosten für Familien ließen sich durch mehr Kindergeld ausgleichen. Dann käme das Geld direkt dort an, wo es gebraucht wird - und nicht in der Kasse von Pferdezüchtern, Schweinsohrhändlern und Hoteliers. Alfred Gesierich, Gilching

Mogelpackung

Bei Senkung der Mehrwertsteuer um nur ein Prozent hätten die Bürger 15 Milliarden Euro mehr im Geldbeutel, heißt es. Eine Entlastung der Mittel- und Geringverdiener sei das. Schaut man genauer hin, ist es eine Entlastung der Gut- bis Sehr-gut-Verdiener. Wer im Monat 1000 Euro ausgeben kann, spart gerade mal zehn, wer 5000 Euro hat 50 Euro. Wer sich einen neuen Smart kauft, spart 19 Euro. Wer Geld für einen Ferrari hat, spart 2500 Euro. Wo also landet die Einsparung? In den Taschen derer, die ohnehin genug haben. Blendende Idee. Man muss sie dem kleinen Mann nur geschickt verkaufen. Andersherum wäre es richtig: Die Mehrwertsteuer müsste erhöht werden, weil sie die gerechteste Steuer überhaupt ist. Wer viel hat, zahlt viel. Man müsste den niedrigeren Steuersatz von sieben Prozent konsequent auf alles Lebenswichtige anwenden. Der Steuersatz für Luxusgüter müsste auf 25 Prozent erhöht werden, wie es bereits in vielen Staaten der EU der Fall ist. Das wäre gerecht. Nicht gerecht wäre eine weitere getarnte Umverteilung von staatlichen Wohltaten von unten nach oben. Renate Seitz, München