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Medizin-Studium:Skandalöse Warteschleife

Warum gibt es nicht mehr Studienplätze für Medizin? Diese Frage, jüngst als Rätsel der Woche behandelt, treibt auch unsere Leser um. Ein Chefarzt macht den Numerus clausus für den Ärztemangel an Krankenhäusern mitverantwortlich.

SZ-Zeichnung: Jan Rieckhoff

"Rätsel der Woche: Warum gibt es für Medizin nicht mehr Studienplätze?" vom 7./8. Oktober und "Wenn Note 1,1 nicht zum Medizinstudium reicht" vom 5. Oktober:

Ärztemangel ist hausgemacht

Es muss erwähnt werden, dass die Knappheit an Medizinstudienplätzen (und natürlich auch notwendige verkürzte Dienstmodelle mit erheblichem Personalmehrbedarf als Folge des vor 14 Jahren ersehnten EuGH-Urteils zur Einordnung des Bereitschaftsdienstes als Arbeitszeit) zu einem schlimmen Ärztemangel geführt haben, der mittlerweile nicht nur kleinere Krankenhäuser auf dem flachen Land, sondern mittlerweile sogar Ballungszentren betrifft. Die Konsequenz ist, dass selbst aus dem außereuropäischen Raum Ärzte mit rudimentären Sprachkenntnissen und nicht vergleichbarem Ausbildungsstand nach formaler "Gleichwertigkeitsprüfung" ihrer eingereichten Zeugnisse herangezogen werden müssen. Der Markt für Vermittlungsagenturen und Integrationsseminare blüht. Und dass es auf der anderen Seite, vor dem Nadelöhr Medizinstudium, lange Schlangen an Studienplatzbewerbern gibt, die jahrelang auf die Zulassung warten, ist ein Skandal.

Deutschland kann den eigenen Bedarf an Ärzten nicht decken und es wundert mich, dass dies weder die Politik noch die Medien interessiert, obwohl es doch letztlich jeden betrifft. Dr. Thomas Flüeck, Nürnberg

Die Strapazen nie bereut

Die derzeitige Vergabepraxis von Studienplätzen der Humanmedizin in Deutschland ist absurd - und trotzdem nicht einfach zu lösen. Während die Abiturnoten innerhalb Deutschlands schlichtweg nicht vergleichbar sind, stellt sich die Frage, ob man das Abitur durch eine Alternative wie den Medizinertest wirklich ganz entwerten oder nur anders gewichten sollte. Eine gute Note im Abitur sagt natürlich nicht viel über die zukünftige Eignung als Arzt aus, allerdings gibt sie den Universitäten eine gewisse Sicherheit, dass ein Bewerber das teure Studium auch abschließen wird und nicht an den einzelnen Prüfungen scheitert. Es kann nicht angehen, dass manche Bewerber bis zu sechs Jahre warten müssen, und das trotz eines guten Notenschnitts im Abitur. Es müssen Alternativen geschaffen werden, die den angehenden Studenten auch innerhalb der Landesgrenzen Alternativen bieten.

Und da helfen der Medizinertest und weitere einfache Einstellungskriterien wie ein Motivationsschreiben oder ein Vorstellungsgespräch durchaus. Zwar ist es lobenswert, wenn künftige Ärzte die Zeit im Rettungsdienst oder in der Pflege überbrücken, allerdings nehmen diese dann wiederum anderen Anwärtern Ausbildungsplätze weg. Das ist eine große Verschwendung von Ressourcen.

Ich selbst habe mit vergleichsweise gutem Abitur keinen Studienplatz bekommen und habe dann in Frankreich studiert, wo zu Beginn alle Abiturienten akzeptiert werden und am Ende des Jahres eine Prüfung stattfindet, die nur etwa zehn Prozent bestehen, der Rest geht entweder in eine komplett andere Richtung oder ergattert einen Platz als Physiotherapeut etc. Nach dem Studium bin ich dann in die USA emigriert und arbeite mittlerweile als Arzt. Die Strapazen habe ich nie bereut. Marius Faßbinder, Baltimore, MD/USA

Guter Job

Das Abitur als einziger Zugang zum Medizinstudium hat längst ausgedient. Und die willkürliche Auswahl an den Hochschulen ist ein Skandal. Ich will in Zukunft von Ärzten behandelt werden, die nicht von ihren verbohrten Eltern zum Medizinstudium gedrängt wurden und deren Ziel es nur war, zur sogenannten Elite zu gehören. Gott sei Dank sind die meisten Mediziner in unseren Lande aber anders und machen einen sehr guten Job. Erwin Chudaska, Leer

© SZ vom 17.10.2017

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