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Maskenpflicht:Schutz und Schaden

Dass nun ein Mundschutz im öffentlichen Leben verpflichtend wird, erregt die Gemüter. Endlich eine einheitliche Regelung, sagen die einen, unerhörte Einschränkung, die anderen - zumal Masken eine Schutzwirkung suggerierten, die sie medizinisch nicht haben.

Zu "Gemeinsamer Kraftakt" vom 23. April, "Mask-have!" vom 18./19. April sowie zu "Stoff der Zukunft" vom 17. April:

Empfehlen statt verpflichten

Nun ist die nächste bundesweite Maßnahme da, Mundschutzpflicht für alle in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr. Jedoch ist die medizinische Sinnhaftigkeit sehr umstritten, teils sogar ablehnend. Bedauerlich finde ich den Umstand, wie schnell aus einer Empfehlung, die umstritten ist, eine verbindliche Maßnahme wird. Es fehlt hier an einer wissenschaftlichen und medizinischen Grundlage, diese öffentlich zu diskutieren und abzuwägen.

So sind ja auch einzelne Bundesländer zu dem Schluss gekommen, eine Empfehlung auszusprechen und keine Verbindlichkeit. Es wäre wünschenswert gewesen, dass hier einzelne Landesregierungen gerade nicht eingeknickt wären. Es ist offenkundig, dass dies nur durchgesetzt wurde, um einen bundeseinheitlichen Kurs zu fahren, im Sinne der Bundeskanzlerin. Gleich welchen Standpunkt man hier bezieht, es erweckt wenig Zutrauen darüber, wie die Landesregierungen mit noch kommenden Vorschlägen umgehen werden. Meines Erachtens ist hier mehr Mut zum eigenen Denken und Standfestigkeit gefragt.

Daniel Pfeifer, Mainz

Das Lächeln kommt zu kurz

Eine Maske ist kein modisches Accessoire wie eine Brille, die man aufsetzt, obwohl man sie nicht braucht, sondern, in manchen Fällen momentan eine Notwendigkeit. Man trägt die Maske, um möglichst bald keine mehr tragen zu müssen. Sobald die Gefahr der Virusinfektion gebannt ist, sollte man sie voller Freude entsorgen oder für zukünftige Fälle ganz hinten im Schrank aufbewahren. Deshalb ist auch der Vergleich mit dem Skifahrer-Helm unzutreffend. Denn diesen trägt man zum Eigenschutz und freut sich nicht auf die Zeit, da er nicht mehr notwendig ist.

Masken sollten meiner Meinung nach auch nur dann getragen werden, wenn es aufgrund der fehlenden Distanz geboten ist, wie in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkaufen, was ja bisher auch so gehandhabt wird. Denn wenn nun alle auch auf der Straße maskiert herumlaufen, geht uns ein Stück unserer kulturellen Identität verloren, die ja auch darauf beruht, dass man einander ins Gesicht sehen kann. Und man ab und zu ein Lächeln bekommt. Wenn auch momentan nur aus der Distanz.

Thomas Armbrüster, Erding

(Foto: SZ-Illustration)

Gute einheitliche Entscheidung

Nach schier endlosen, teilweise schon hysterisch geführten Diskussionen, haben sich endlich alle 16 Bundesländer auf eine durchgängige Maskenpflicht geeinigt. Damit haben schließlich auf der ganzen Linie Vernunft und Einsicht gesiegt, dass Alleingänge und vor allem Besserwisserei in diesem hochsensiblen Thema nicht angebracht sind. Damit bleibt der Bundesrepublik auch ein Flickenteppich erspart, den die Bürger in dieser schwierigen Zeit wahrlich nicht gebraucht hätten.

Die Masken werden zwar das Coronavirus nicht ausrotten, aber jeder Mensch, der sich deswegen im öffentlichen Leben oder im Supermarkt mit dem Virus nicht ansteckt, ist ein unschätzbarer Gewinn. Zudem schadet die Maske weder der Wirtschaft noch seinem Träger. Die Maske ist also mehr als nur Symbolpolitik und darüber hinaus nicht als Profilierungsgier einzelner Ministerpräsidenten geeignet. Wenn jedoch alle Bundesbürger Masken tragen, darf das nicht zu einer Scheinsicherheit führen, Abstand und Handhygiene bleiben die wichtigsten Schutzvorkehrungen.

Dietmar Helmers, Westerheim

Sicherheit wird nur suggeriert

Seit Wochen findet in der medialen Öffentlichkeit eine unkritische Schönfärberei angstgetriebener Veränderungen im Denken und Verhalten vieler Menschen statt. Dafür ist die Maske ein Symbol. Sie suggeriert Sicherheit, und dafür nehmen sehr viele ganz schnell alles in Kauf.

Jetzt will uns der Kommentar "Stoff der Zukunft" ausgerechnet die Gesichtsmaske als Mittel gegen die Spaltung der Gesellschaft verkaufen. Da fällt der Ideologievorwurf meines Erachtens auf Autorin Kia Vahland selbst zurück. Äußerliche Gleichheit und Konformität beim Tragen einer Maske verschleiern nicht einmal notdürftig, dass die reale gesellschaftliche Spaltung durch die ergriffenen Maßnahmen vergrößert wird. Diejenigen, die einen krisensicheren Arbeitsplatz, ein ordentliches Einkommen, eine gute Bildung und eine komfortable Wohnsituation haben, können leichter mit Beschränkungen klarkommen als bisher schon sozial Benachteiligte. Ein älteres Ehepaar kann sich vielleicht leichter mit allen Vorschriften arrangieren als berufstätige Mütter und Väter mit Kleinkindern und Jugendlichen, die beschäftigt werden wollen. Ein Großunternehmen wird die Krise leichter überstehen als der kleine Selbständige.

Der Internethandel profitiert, und auf der Strecke bleibt das kleine Geschäft in der Innenstadt. Die Maske als "Stoff der Zukunft" soll da jetzt die Lösung sein? Ja, geht's noch? Meiner Meinung nach signalisiert die Maske, dass man andere Menschen und sich selbst als Gefahr für Leib und Leben empfindet. Wollen wir das unserer Kindern als zukünftiges Lebensgefühl vermitteln?

Ursula Straka, Oettingen

Debatte online

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Misstrauen wird geschürt

Es wird viel zu wenig diskutiert, was Masken im öffentlichen Raum in unserer Gesellschaft bedeuten: Sie machen alle gleich anonym, sie verursachen Unsicherheit und Misstrauen, ja Angst. Sie verhindern offene Kommunikation, es ist nicht mehr möglich, im Gesicht des Gegenübers zu lesen. Masken trugen bislang in Deutschland in der Öffentlichkeit nur Menschen, die nicht erkannt werden wollten: Vermummte auf Demos, Bankräuber, Geiselnehmer. Ich bin der Überzeugung, dass eine länger andauernde Maskenpflicht das Potenzial hat, unsere offene demokratische Gesellschaft und den Umgang miteinander nachhaltig zu schädigen. Das ist es auf keinen Fall wert.

Florian Fritz, Aying

Maske passt nicht zur Kultur

Die Maske wird in Zukunft hoffentlich kein selbstverständliches Utensil, das wir je nach Situation "unserer Garderobe anpassen", wie in dem Artikel "Mask-have" behauptet. Sie passt nicht in unseren Kulturkreis, der ein freies, offenes Gesicht schätzt, welches jedes Mienenspiel sichtbar werden lässt. Unsere Kultur verträgt menschliche Nähe und höfliche Distanz wie in Asien nur bei besonderen Anlässen oder in Ausnahmesituationen (Corona).

Wo sind all die Burka- und Niqab-Gegner, die sich sonst zu Wort melden, wenn es um die Nichtakzeptanz der Verhüllung eines Teils oder des gesamten Gesichts geht? Die Maske entstellt uns. Sie "lässt uns nuscheln, schwitzen, und atmen kann man auch nicht richtig". Je nach Material sind Hautirritationen nicht auszuschließen. Abgesehen davon, steht sie wirklich niemandem, auch nicht in gemusterter-, gespitzter- oder Trachtenform. Dass die Maske trotzdem vorübergehend nützlich sein kann, mag zutreffend sein. Wir werden uns aus bekannten Gründen zwangsläufig damit arrangieren müssen. Aber doch bitte nicht auf Dauer, sondern zeitlich begrenzt wie all die anderen Maßnahmen!

Petra Hufeisen-Langer, Kirchen

© SZ vom 25.04.2020
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