Markus Söder:Stilfragen, Machtfragen

Ein SZ-Interview mit Bayerns Ministerpräsident Söder nach dem verlorenen Machtkampf um die Kanzlerkandidatur der Union hat viele Reaktionen hervorgerufen. Einige Leser kritisieren Söder für provokante Aussagen, wenige halten dagegen.

Sitzung des bayerischen Kabinetts

In Bayern das Heft in der Hand: Ministerpräsident Markus Söder, im Streit der CDU/CSU ums Kanzleramt unterlegen.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Zu "Ich komm wieder, keine Frage", Interview mit Markus Söder und "Der Schatten-Kandidat", beide vom 24./25. April:

Schlechter Verlierer

Markus Söder hat es auf die Spitze getrieben. Hat der "König aktueller Umfragen" innerhalb der Union ernsthaft geglaubt, dass das CDU-Präsidium seinem erst vor Kurzem gewählten Parteichef die Gefolgschaft verweigert - nur weil die "Basis" sich mehrheitlich für ihn ausgesprochen hat (und vielleicht aus opportunistischen Gründen die ostdeutschen Landesverbände)?

Übrigens, was bei "basisdemokratischer Urwahl" herauskommen kann, hat ja jüngst die SPD eindrucksvoll mit ihrer famosen Doppelspitze bewiesen ... der "Kanzlerkandidat" ist nun der damals unterlegene Scholz. Und jetzt - nach der Entscheidung für Armin Laschet - erdreistet sich Herr Söder sogar, Forderungen an den Gewinner der Unionsauseinandersetzung (er müsse deutlich über 30 Prozent holen ...) zu stellen. Herr Laschet regiert sehr geräuschlos und erfolgreich das größte (und traditionell sozialdemokratische) Bundesland NRW mit nur einer Stimme Mehrheit! Wie war noch mal das Ergebnis bei der letzten Bayernwahl? Die stolze CSU benötigte plötzlich einen Koalitionspartner ...!

Das ist ein sehr schlechter Stil von Herrn Söder. Gerade er hat sich meines Erachtens in letzter Zeit als Opportunist dargestellt, sei es bei den Bienen, dem Wald etc., Hauptsache, es entspricht dem Zeitgeist. Jetzt Frau Baerbock über den grünen Klee zu loben, spricht nur sehr bedingt für eigene Themen. Ein Kandidat "der Herzen", wie CSU-Generalsekretär Blume ihn titulieren durfte, benimmt sich aus meiner Sicht nicht dermaßen als "schlechter Verlierer"!

Heiko J. Fabian, München

Erst rechts, dann links

Markus Söder hat die Orientierung verloren: Vor einigen Jahren wollte er die AfD rechts, jetzt will er die Grünen links überholen.

Dr. Manfred Rapp, Landsberg/Lech

Endlich an einem Strang ziehen

Was ist denn mit Herrn Söder los? Nun ist doch die Kanzlerkandidatur entschieden und es muss gemeinsam gekämpft werden. Nicht gegeneinander, sondern miteinander. Wir - CDU und CSU - müssen an einem gemeinsamen Strang ziehen, denn nur so schaffen wir es, dass die Bürgerinnen und Bürger uns ihr Vertrauen aussprechen, uns wählen und wir den Bundeskanzler stellen können. Wir müssen jetzt keine Personalfrage mehr diskutieren. Es ist entschieden und basta! Jetzt müssen wir uns um gemeinsame Themen zum Wohle der Bürger kümmern!

Ute Frank, Hamburg

Mehr Demut bitte

Markus Söder wäre zu mehr Demut zu raten. Sich seiner ursprünglichen und bei Bedarf mantraartig vorgetragenen Versprechen nicht nur zu erinnern, sondern auch daran zu halten. "Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt", heißt es schon in der Bibel bei Matthäus, 23. Die über Jahrzehnte geübte Praxis von Haupt- und Nebeneinkünften bei Abgeordneten bis hin zum jüngst aufgedeckten Maskenskandal, die auf Willfährigkeit bis zu Abhängigkeit setzende Parteispendenpraxis sorgen für großen Verdruss vor allem in Bayern. Markus Söder in seiner ganzen Zielstrebigkeit und Zähigkeit, seinem Modernitätsdrang auf der positiven Habenseite sollte sich selbst einmal hinterfragen. Auch seine deutlichen Defizite als Teamplayer und Symbolfigur einer ehrlichen, verlässlichen Politik. Damit auch die Politik insgesamt an Ansehen gewinnt, uneigennützig, wie es Angela Merkel vorgemacht hat. Auch außenpolitisch. Das alles kann man lernen, und als erfolgreicher Ministerpräsident des weiß-blauen Freistaats hätte er die große Chance auf konstruktive Mitgestaltung der Zukunft der Union. Alte Schlachtrösser der Politik könnten dazu auch in München dienlich sein. Verzichtbar sind sie nicht.

Jochen Freihold, Berlin

Entfremdung der Parteispitze

Dass der Vorstand der CDU Armin Laschet zum Kanzlerkandidaten "gesalbt" hat, ohne Rücksicht auf die diametral anderen Tendenzen in den Kreisverbänden zu nehmen, zeugt erneut von der Entfremdung der politischen Entscheider von der Parteibasis und von Parochialismus.

Mit dieser Entscheidung hat die CDU der grünen Kanzlerkandidatin Baerbock einen Riesengefallen erwiesen; die lacht sich ins Fäustchen. Die politische Kurzsichtigkeit in Form des Sägens am eigenen Stuhl wird im Wahlherbst überdimensionale Konsequenzen für die CDU nach sich ziehen. Es wird zwar demonstrativ die Geschlossenheit der beiden Schwesterparteien unterstrichen und in dem kurzen Statement des "Kandidaten der Herzen" die Unterstützung für Armin Laschet betont, aber der Machtkampf wird Spuren hinterlassen. Wähler sind nicht vergesslich.

Dass Söder die Kanzlerkandidatur zurückgezogen hat, hat ihm einen enormen Zuspruch der Wählerschaft bereitet. Armin Laschet hält sich offensichtlich für einen politischen Fuchs. Söder wäre schlecht beraten, in einem eventuellen Team von Armin Laschet im Kabinett einen Ministerposten einzunehmen.

Georg Pospiech, Bad Sooden-Allendorf

Das Panther-Zitat geht gar nicht

Die SZ verwendet tatsächlich den Teaser "Ich komm wieder, keine Frage" als Überschrift über dem Interview mit Markus Söder? Es ist schon schlimm genug, dass Markus Söder dieses Zitat verwendet. Hat er nie die Nachrichten über den NSU gelesen? Weiß er nicht, dass die Rechten die "Paulchen Panther"-Melodie verwenden, um zu provozieren? Den Artikel habe ich mit Interesse gelesen, beim letzten Satz bin ich erschrocken. Man darf in Deutschland alles sagen, aber muss man? Darf man als Ministerpräsident so unsensibel sein? Darf man so mit Versatzstücken der Rechten spielen?

Barbara Turczynski-Hartje, München

Verschlechterung der Wahlchance

Das Interview mit Markus Söder vermittelt den Eindruck, dass Söder ein fortschrittlicher und zukunftsbezogener Kandidat gewesen wäre, Laschet dagegen der Kandidat für eine Union im Sinn von "Kohl 2.0" sei, also rückwärtsgewandt. Diese Aussagen Söders stellen eine gar nicht so subtile weitere Demontage des ernannten Kanzlerkandidaten Laschet dar. Sie sind keine Förderung der Wahlchancen der Union für die Bundestagswahl im September, im Gegenteil. Sie stehen im Widerspruch zur angegebenen Bereitschaft, die Union zu unterstützen. Sie könnten sich als Sabotage erweisen. Das positive Hervorheben der Kandidatur von Annalena Baerbock als jung und fortschrittlich wird die Wahlchancen der Union auch nicht wesentlich verbessern.

Reinhard Vetter, München

Aussage zu Partnern hinterfragen

Im Interview mit der SZ äußert sich "Schatten-Kandidat" Söder zu möglichen Koalitionspartnern. Er sagt über die FDP, dass diese "der leichtere Partner" sei. Söder versucht den Eindruck zu erwecken, dass seine Präferenz bei den Grünen liege. Sie seien der "spannendere" Partner. "Die großen Fragen" könnte man zusammen besser lösen. Bei der letzten Regierungsbildung in Bayern stand Söder schon mal vor einer ähnlichen Alternative. Er entschied sich für die Freien Wähler statt der Grünen. Wie glaubwürdig ist seine Aussage heute, nachdem er sich in Bayern für die pflegeleichteren Freien Wähler entschieden hat?

Karl Amannsberger, Berlin

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