Drag-Lesung für KinderWenn aus Vielfalt Zwiespalt wird

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Das Motto der Lesung: "Wir lesen euch die Welt, wie sie euch gefällt".
Das Motto der Lesung: "Wir lesen euch die Welt, wie sie euch gefällt". (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Eine Kinderbuchlesung in einer Münchner Stadtteilbibliothek sollte Kindern "farbenfrohe Welten, unabhängig vom Geschlecht", zeigen. Stattdessen kommt es zu Demonstrationen.

"Die Eskalation" vom 15. Juni:

Warum nicht non-binär?

Bei diesem Angebot der Stadtbibliothek hat sich von Anfang an die Frage gestellt, warum nicht non-binäre Personen die Lesung abgehalten haben. Diese hätten Kindern beider biologischer Geschlechter zeigen können, dass es egal ist, in welchem biologischen Körper ein Mensch geboren ist - alle Türen stehen offen für ein freies Leben. Warum mussten hier Drag-Darsteller und ein Junge, der ein Mädchen sein will, eingeladen werden? Wieso diese extremen binären Geschlechtsrollenbilder für Kindergartenkinder?

Sonja Ziegowski, Haar

Kindergerechte Themen

Kinder haben natürliche Schamgrenzen, die Erwachsene respektieren müssen, um nicht übergriffig zu werden. Das sollte auch so bleiben. Wenn ihnen aber suggeriert wird, dass sie alles, was ihnen fremd vorkommt, akzeptieren - und damit natürlich auch näher an sich heranlassen sollten, geraten Kinder in Gefahr. Wollen wir, dass unsere Kinder sich mehr Gedanken über ihre "wahre" Geschlechtsidentität machen als über kindgerechte Themen?

Die hetzerischen Plakate der AfD, die tatsächlich an frühere Zeiten erinnern, sind - kontraproduktiv, wie immer. Trotzdem sollte die Stadt darüber nachdenken, ob der AfD so ein Konjunkturprogramm beschert werden sollte, statt die Energie darauf zu verwenden, der wachsenden Gewalt gegen Frauen und Mädchen entschieden entgegenzutreten.

Silvia Reckermann, München

Bunte Lesung

Vermutlich kriegt man als Leser nur die Oberfläche mit. Aber es konnte aus den Berichten schon der Eindruck vermittelt werden, dass die Lesung Modellcharakter haben sollte, genau wie eine konventionelle Lesung auch - sonst wäre man dagegen gar nicht vorgegangen - und somit wiederum das eigentliche Anliegen der Diversität versäumt wurde, das den Veranstaltern offenbar so wichtig scheint! Warum denn nicht einfach eine bunte Lesung mit einem Nebeneinander aller, die gehört werden wollen oder sollen?

Dr. Christa Sütterlin, Herrsching

Lesende in den Hintergrund

Wer Kindern vorlesen will, soll das tun. Er soll eine geeignete Geschichte auswählen, sich selbst in den Hintergrund stellen und die Geschichte wirken lassen. Wer sich selbst darstellen will, sein Innerstes nach außen kehren, und seine sexuelle Identität zeigen, der kann das in einem freien Land auch tun. Beides aber zu vermengen, und unter dem Deckmantel, Kindern etwas Gutes zu tun, dies gar mit einem vermeintlichen Aufklärungsauftrag zu garnieren - das ist ein Missbrauch dieser Freiheit; so etwas geht gar nicht!

Renate und Joachim Hellriegel, Glonn

Gretel und Hänsel

Ja, in der guten alten Zeit hat man sich als Hänsel und Gretel verkleidet und den Kindern die Geschichte von der Hexe vorgelesen. Heute sind es Vicky Voyage und Eric Big Clit. Wo bitte liegt der Unterschied? Die Grimmschen Märchen sind für Kinder auch keine leichte Kost.

Der Unterschied ist, dass Vicky Vojage und Mister Big Clit in eigener Sache unterwegs sind. Unter der Flagge der Toleranz werben sie für die queere Sache. Sie konnten vom ersten Augenblick an sicher sein, dass sie es mit der Aktion in die Schlagzeilen schaffen. Ordentlich Getöse, und schon läuft die Promotion wie geschmiert, weil Medien über Stöckchen springen und das Thema länger als nötig kochen.

Kleine Kinder brauchen das Gefühl der Geborgenheit, der Sicherheit und keine Drag-PR über Geschlechterdiversifikation. Wie sie sich später einmal fühlen, ob Mädchen oder Junge oder sonst was, das kommt dann sowieso irgendwann. Auch ohne Big Clit von Eric.

Johannes Kehm, Schopfheim

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