Leserbriefe: WunschmusikDie große Geschmacksfrage

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Eine beißende Kritik an einer BR-Hörfunk-Sendung mit klassischem Musikprogramm, das auf Wunsch der Hörerinnen und Hörer gespielt wird, erntete teils scharfe Repliken, aber auch Zustimmung.

Zu " Die Wunschmusik" vom 8. März:

Über Geschmack lässt sich trefflich streiten! Aber wenn jemand eine Musikrichtung verachtet, sollte er dies nicht an den Moderatoren einer Sendung auslassen. Dieser Text ist keine ernstzunehmende Kritik an einer Musiksendung, sondern eine Diffamierung der klassischen Musik, der Moderatoren, der Zuhörer, des Senders. Dieser Artikel strotzt von Selbstgerechtigkeit. Ich bin weder gebrechlich noch regelmäßiger Hörer der Wunschmusik, auch keine Expertin der "leichten" Klassik, höre diese Sendung aber ab und zu gerne.

Maria Wittmann, Freising

Helmut Maurós Kritik ist uneingeschränkt zuzustimmen: BR-Klassik hat sich, vor allem nachmittags, von einem ambitionierten Programm zum Weißen Rössl mit Gendersternchen und Unterstrich transformiert. Plattitüden, GeschichtIn und GedichtIn, in geschraubter Stimmlage, subversiv bis zum Anschlag, im verschleppten Walzerschritt bunt aneinandergereiht nach dem Motto "Was kann die Wunschmusik dafür, dass sie so schön ist!"

Prof. Dr. York-Gothart Mix, München

Was Herbert Mauró über BR-Klassik schreibt, gilt für WDR 3 schon seit zehn Jahren: Sonntags gibt's die "Lieblingsstücke". Jüngst gab's was zu feiern: Eine Dekade Lieblingsstücke - gleich an drei Tagen hintereinander, von 6 bis 18 Uhr; das eh schon höchst maue Programm blieb ganz außen vor. Dafür herrscht der Geist der Korrektheit: Es scheint, dass durch die Beschäftigung mit gerechter Sprache, Gendern, kolonialer Aufarbeitung und derlei Themen mehr zu einem ernsthaften Programm weder Zeit noch Lust übrig ist, also lässt man die Leute selbst ihre Musikauswahl treffen.

Achim Stephan, Bielefeld

Die Blasiertheit, mit der Helmut Mauró hier das Radioprogramm von BR Klassik niedermacht, ist für einen langjährigen Konzertgänger kaum zu ertragen. Würde sich der SZ-Kritiker die Mühe machen, das Programmangebot von BR-Klassik in seiner Gesamtheit zu beurteilen, könnte er nicht zu so einem Urteil kommen, das auch dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht gerecht wird. Als regelmäßiger Hörer weiß man, dass der Sender durchaus engagiert die Klassik in ihrer ganzen Vielfalt den Hörern näherbringen will, von der Alten Musik bis zur Avantgarde, mit Features und Kindersendungen und - wie furchtbar, Herr Mauró - manchmal auch mit populärem Wunschprogramm.

Reimund Herbst, Ingolstadt

Durch Herrn Mauro's Schmährede fühle ich mich beleidigt. Denn hie und da höre auch ich die sonntägliche "Wunschmusik". Mehrmals habe ich mir selten gehörte Musikstücke gewünscht, die dann auch gesendet wurden. Eine der von Mauró beleidigten Moderatorinnen rief mich an und unterrichtete mich vorher über den genauen Sendetermin. Denen, die das Programm vorbereiten, ist der Hörerwunsch also nicht "piepe". Sie machen eine beliebte Sendung für Liebhaber vorwiegend klassischer Musik, gehobene Unterhaltung eben. Dann mokiert sich Mauró gefühllos, weil eine Moderatorin es gewagt hat, auch bettlägeriges Publikum zu einzubeziehen.

Liebe Mitarbeiter von B4 Klassik! Lasst Euch nicht beirren! Euer Programm ist einmalig in Deutschland! Und die "Wunschmusik" wird europaweit von der Schweiz bis nach Skandinavien gehört und geliebt.

Dr. Peter Bernhart, Hög

© SZ vom 18.03.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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