„Mein Sohn, der Soldat“ vom 10. Januar:
Kaum ein Unterschied
Ich finde es gut, sich dieses Themas anzunehmen, auch aus dem Blickwinkel der Eltern. Das finde ich wichtig.
Allerdings finde ich eine Einschätzung in dem Text nicht richtig. Als Wehrdienstleistender des Jahrgangs 56, also in den 70er-Jahren, habe ich damals durchaus auch das Gefühl gehabt, dass ich jederzeit bereit sein musste, mein Leben einzusetzen. Ich habe immer gehofft, dass es bei Manövern bleibt. Aber die Bedrohung im Kalten Krieg war für mich damals durchaus real, die Bundeswehr also keine Folklore. Insofern unterscheidet sich die Situation von damals, auch für die Eltern, aus meiner Sicht nicht so sehr zu der von heute.
Frank Kleefeldt, Liederbach am Taunus
„Er ist aufgeblüht“
Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen, den mein Sohn mir geschickt hat. Es sind genau meine Gedanken und Sorgen! Mein Sohn ist 1996 geboren und beide Eltern sind Berufsmusiker. Ich spiele erste Geige bei den Dortmunder Philharmonikern und sein Vater ist Solocellist bei den Duisburger Philharmonikern.
Auf meinen Vorschlag hin hat mein Sohn direkt nach dem Abitur ein Lehramtsstudium in Kiel begonnen und mit kleinen Krisen während der Corona-Zeit mit dem Master abgeschlossen. Eigentlich wollte er schon nach dem Bachelor ein freiwilliges Jahr bei der Bundeswehr absolvieren, aber das machte in der Corona-Zeit wenig Sinn.
Schon bei der Grundausbildung ist er aufgeblüht und hat bei jedem Treffen begeistert erzählt. Nach dem freiwilligen Jahr hat er sich zum Offizier der Reserve verpflichtet und ist nun übernommen worden für die Offiziersausbildung (zwölf Jahre).
Ich kann es nur akzeptieren, weil er es absolut freiwillig macht und zum ersten Mal im Leben wirklich für etwas brennt. Er genießt die Kameradschaft sowie körperlich und geistig mit Gleichgesinnten gefordert zu werden. Bei allen Sorgen finde ich es gut, wenn kluge und starke junge Menschen sich für unser Land einsetzen.
Gesa Renzenbrink, Dortmund
Für eine starke Demokratie
Die Reaktion Ihres Umfeldes finde ich schade. Nein, man muss Sie nicht bemitleiden, weil Ihr Sohn vielleicht zu viele Ballerspiele gespielt hat. Ihr Sohn tut das, was leider in unserer Gesellschaft viel zu oft unter den Tisch fällt: Er tut etwas für die Gesellschaft, er verteidigt die Grundwerte unserer Demokratie, und ich finde das auch nicht zu hoch aufgehängt. Wir leben in einer Gesellschaft, in der es en vogue ist, sich in erster und oft auch einziger Linie um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern und dabei zu vergessen, dass Demokratie ein instabiles Gebäude ist, an dem ständig gearbeitet werden muss. Man muss sich Freiheit verdienen und sie auch verteidigen. Also seien Sie stolz auf Ihren Sohn, drücken Sie ihm wie ich die Daumen, dass er nie die Dinge tun muss, die er in seiner Ausbildung lernt. Eine starke Demokratie, die ihre Rechte verteidigt und hinter einer starken Bundeswehr steht, um ihr den Rücken zu stärken, ist an sich schon wehrhaft genug, um andere nicht auf dumme Gedanken zu bringen.
Dr. Alexander Zill, Haar
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