„Was er will“, „Der Coup von Caracas“ und „‚Es ist der nackte imperiale Anspruch‘“, alle vom 7. Januar, sowie „Die Stille nach dem Sturz des Potentaten“ und „Das Imperium schreitet voran“ vom 5./6. Januar:
Angriff und Drohungen
Der blindwütige Angriff auf Venezuela und Trumps Drohungen gegen andere Länder – nicht zuletzt gegen Grönland – lassen langsam, aber sicher die Notwendigkeit Platz greifen, diesem Despoten entgegenzutreten. Für den aktuellen amerikanischen Präsidenten haben Rechtsnormen keine Bedeutung, weder jene aus dem Völkerrecht noch die Verfassungsgrundsätze, auf die er einen Eid geschworen hat. Er ist ein Imperialist, wie er im Buche steht. Daher hegt er auch für Russlands Diktator Putin Sympathien. Trump hält dessen Vorgehen in der Ukraine nicht für verwerflich. Stattdessen verlangt Trump von Präsident Selenskij, endlich aufzuhören mit der Verteidigung seines Landes und Gebiete an Russland abzutreten.
In den US-amerikanisch-europäischen Beziehungen ist mit Trumps zweiter Amtszeit eine Zeitenwende eingetreten – das ist die Schlussfolgerung aus dem Leitartikel. Die Zusammenarbeit mit den USA muss neu gedacht und neu gestaltet werden. Das sollte auch Bundeskanzler Merz klar werden, der bisher ein nicht mehr zu rechtfertigendes Appeasement gegenüber Trump an den Tag legt.
Andreas Meißner, Tutzing
Was kommt als Nächstes?
Man muss ja kein Fan von Nicolás Maduro sein, um das, was die Trump-Administration in Venezuela veranstaltet, für mehr als bedenklich zu halten. Der Diktator hat zwar wie Donald Trump das Ergebnis einer Wahl einfach nicht anerkennen wollen. Aber dass er in Venezuela trotzdem autokratisch weitergemacht hat, während der US-Präsident sich den demokratischen Regeln unterwerfen musste, ist doch kein Grund, ihn völkerrechtswidrig abzuservieren. Einen Präsidenten zu kidnappen und ihn – Immunität hin, Immunität her – wie einen gemeinen Drogen-Chef in New York vor Gericht zu stellen, das geht gar nicht. Wenn das Schule macht, dann gute Nacht, UN-Charta. Maduro verhaften, aber dem per Haftbefehl des Internationalen (von den USA nicht anerkannten) Gerichtshofs gesuchten Völkermörder Wladimir Putin in Alaska den roten Teppich ausrollen. Das ist crazy, Mr. President. Ich bin fassungslos, aber gespannt, welche „amazing“ Show Sie sich als Nächstes im Fernsehsessel angucken: Panama, Kolumbien, Grönland, Kanada oder Iran?
Reiner Trabold, Bensheim
MEGA
Der amerikanische Präsident hat seinen Slogan „Drill, Baby, drill“ nun um einen weiteren ergänzt: „Kill, Baby, kill.“ Dummerweise hat er die Reihenfolge vertauscht. Es wird höchste Zeit für eine MEGA-Antwort (Make Europe Great Again) auf Trumps MAGA-Bewegung, sonst tanzt uns dieser Egomane noch lange auf der Nase herum. Noch ist es nicht zu spät!
Dr. Helmut Schwarz, Ingolstadt
Weil wir sie lassen
Jetzt ist der Lack ab, aus dem freundlichen Hegemon, der er ohnehin nie war – wir Älteren wissen das –, ist der rücksichtslose Imperialist geworden, der er immer schon auch war. Ich erwarte von unserem Kanzler, dass er eine Völkerrechtsverletzung als solche benennt. Und ich erwarte Reaktionen: Bestellt die Botschafter ein, stellt Verträge infrage, erlasst Sanktionen.
Aber seid nicht so hasenfüßig und verteidigt als Journalisten nicht auch noch die Hasenfüßigkeit unseres Kanzlers. Die USA machen es auch, weil wir sie lassen, nicht „weil sie es können“.
Ulrike Capezzone, Geretsried
Endlich wird gehandelt
Ich kann den Diskussionen in Bezug auf das Handeln von Trump nur mühsam folgen. Es zeigt sich einmal mehr, dass gewisse Leute Probleme haben, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Wesentlich ist, dass unter Maduro rund acht Millionen Bürger das Land verlassen haben. Da ist jeder Kommentar, Trumps Handeln betreffend, doch überflüssig. Endlich wird mal gehandelt statt immer nur geredet.
Michael Ziganke, Schönenberg/Schweiz
Spitzfindige Begründungen
Die Ukraine hat Russland nicht angegriffen und Venezuela nicht die USA. Folglich ist es Unrecht, wie Russland und die USA mit ihren unterlegenen Nachbarländern umspringen. Um das zu erkennen, muss man nicht Völkerrecht studiert haben. Es genügt das moralische Urteilsvermögen, das jedem von uns gegeben ist. Auch um die spitzfindigen Begründungen der Aggressoren zu durchschauen, muss man nicht besonders schlau sein. Wahrscheinlich glauben sie noch nicht einmal selbst daran. Aber Gewalttäter sind selten ehrliche Leute. Sie wollen anderen nicht nur ihren Willen aufzwingen, sondern dulden es auch nicht, wenn man ihnen die Wahrheit ins Gesicht sagt.
Die Speichellecker und Opportunisten drängen sich um ihre Throne, und am Ende glauben sie ihre Lügen sogar selbst. Wir leben in grausamen und unehrlichen Zeiten, aber die Wahrheit lässt sich immer nur eine Zeit lang unterdrücken. Irgendwann muss jeder Tyrann abtreten und stürzt jedes tyrannische System.
P.S.: Natürlich ist Putin viel schlimmer als Trump. Aber der Unterschied zwischen ihnen ist eben leider nur ein gradueller.
Axel Lehmann, München
Nach demselben Muster
High Noon in Venezuela und wieder eine Zäsur in der Weltpolitik. Da lassen die Amerikaner den sicherlich zweifelhaften und alles andere als integren Nicolás Maduro im eigenen Land festnehmen, in die USA bringen und werden ihn dort vor Gericht stellen. Donnerwetter, ein echtes Husarenstück.
Wenn sich diese Vorgehensweise etabliert, dann wäre doch auch in Bezug auf Deutschland folgendes Szenario vorstellbar: Die Bundesregierung und die sogenannten Altparteien setzen ein AfD-Verbot durch, welches, das deutete sich ja schon an, der US-Administration missfallen würde. Das wäre schließlich ein undemokratischer Akt. Anschließend lässt der US-Präsident die erklärten AfD-Gegner Merz, Klingbeil und Söder festsetzen und zu Maduro nach New York bringen, wo sie auch vor Gericht landen. Für Merz und Klingbeil setzt er dann als Interim Alice Weidel und Beatrix von Storch (beide AfD) ein und in München den Chef der bayerischen Gebirgsschützen, Martin Haberfellner. Das wäre ja ein richtiges Ding. Wohl eher unwahrscheinlich, aber manche würden sich dabei sicher kaputt lachen, und einigen könnte das sogar richtig gefallen.
Claus Reis, Schwabach in Franken
Hinterhöfe statt Kontinente
Die Einteilung der Landmasse der Erde in Kontinente ist überholt. Die neue geografische Ordnungseinheit, um die Erde zu strukturieren, lautet „Hinterhof“. Der amerikanische Kontinent wird zum Hinterhof der USA. Australien und der asiatische Pazifikraum firmieren in Zukunft unter dem Namen „Chinesischer Hinterhof“. Auch die altehrwürdige Bezeichnung „Europa“ hat ausgedient. Europas neuer Name lautet „Hinterhof Russlands“.
Damit Europa der Degradierung zum Hinterhof entgeht, ist die Zusammenarbeit der Staaten Europas unter dem Dach der Europäischen Union wichtiger denn je. Der Kriegsverbrecher Putin und der narzisstische Lügenbold Trump verfolgen ein gemeinsames Ziel: die Zerstörung der Europäischen Union. Putin und Trump hoffen auf den Zerfall der EU, um anschließend die europäischen Staaten in bilateralen Verhandlungen und Abkommen gegeneinander auszuspielen. Jede Partei, die sich in Deutschland zur Wahl stellt und die in ihrem Wahlprogramm eine Schwächung der EU fordert, macht sich zum Handlanger von Putin und Trump.
Roland Sommer, Diedorf
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