Trump und USAWie freigelassene Raubtiere

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„MAGA“, „Make America great again“ – Donald Trumps Slogan steht auch für eine egoistische geopolitische Umwälzung.
„MAGA“, „Make America great again“ – Donald Trumps Slogan steht auch für eine egoistische geopolitische Umwälzung. (Foto: Seth Herald/REUTERS)

SZ-Leser hinterfragen Trumps Eigendarstellung als Friedensfürst, sehen das als Albtraum und analysieren die Gefahren.

„Ein Schmutzfink hält die Welt in Atem“ vom 19. Dezember und „Der Friedensstifter und die Tatsachen“ vom 12. Dezember:

Der Grinch aus Washington

Beeindruckend viele namhafte Denker und Fachleute zerbrechen sich öffentlich den Kopf über Donald Trump. Sie stilisieren ihn zum Mastermind einer neuen Weltordnung. Der Mann, der nun mit der Macht seines Landes auftritt, ist aber derselbe, über den eine Jury aus normalen Menschen geurteilt hat, dass er bewusst gegen mit Strafe bedrohte Regeln des Zusammenlebens, gegen Gesetze verstoßen hat. Das ist derselbe Mensch, dessen Handeln konsequent gekennzeichnet ist von Geltungssucht, Gier, Gemeinheit und Gnadenlosigkeit, ein durch und durch destruktiver Mensch. Kaputt- und Niedermachen sind seine Disziplinen. Er, der wie der leibhaftige Grinch wirkt, soll ein politischer Architekt sein, der einen großen Plan entwirft und verfolgt? Nach allem, was man sieht und hört, ist das eigentlich unvorstellbar.

Dann stellt sich die Frage: Wem nützt ein dysfunktionaler Staat? Den Menschen im Land nicht, der Kultur des Landes gewiss nicht, seinem Einfluss auch nicht, noch nicht einmal den Gegenspielern der USA. Die Beschädigung der Strukturen und Institutionen hilft jenen, die sie nicht brauchen und sich von der Rücksicht auf die Gesellschaft befreien wollen, der sie entwachsen sind, weil sie über alle Ressourcen selbst verfügen – den Geld-Aliens, die sich von den Minderbemittelten, nur weil die in der Mehrheit sind, nichts mehr sagen lassen wollen.

Wir sehen keine neue Weltordnung, wir sehen einen Raubtierausbruch, und der Grinch aus Washington macht nur die Gatter auf. Bleibt noch die Frage, warum die bedeutendste aller Einsparmöglichkeiten trotz Rückzugs aus dem globalen Engagement nicht angetastet, sondern sogar mit mehr Geld ausgestattet wurde – das Militär.

Georg Schmid-Drechsler, München

Ein Albtraum

Ob Fiction oder Faction, eine erzählte Begebenheit aus Texas wurde mir zum Traum: Im Süden der USA hat ein Drogenboss mit seinen Gangstern eine große Ranch überfallen, die Ranch zahlte nicht Schutzgeld. Der Überfall ist schrecklich gewalttätig, sogar Kinder werden entführt. Der eiligst gerufene Sheriff stimmt zu, den Konflikt zu moderieren und schickt seinen Hilfssheriff, einen Immobilienhändler, um zu vermitteln. Die übermittelten Forderungen der Drogenhändler lauten, dass der Narco-Terrorist die Hälfte der Ranch bekommen soll und niemand mehr Waffen tragen dürfe. Der Sheriff begrüßt diesen „great deal“ als Weg zum Frieden und fordert den Rancher auf, schnell zuzustimmen. Auch eine Provision ist fällig. Am Ende sehe ich, wie der Rancher wegen Landfriedensbruchs angeklagt werden soll. Der Sheriff bewirbt sich derweil als Friedensrichter.

Prof. Uto Meier, Augsburg

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