US-Truppenabzug„Bitte räumt Ramstein komplett“

Lesezeit: 5 Min.

Claudia Klein

Die USA planen den Abzug von Soldaten aus Europa. SZ-Leserinnen und -Leser überlegen, ob die Amerikaner nicht gleich ganz abziehen sollten.

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„Trumps Strafaktion trifft Polen“ vom 21. Mai, „Ihr mich auch!“ vom 5. Mai, „Trumps Zorn trifft Deutschland“ vom 4. Mai, „Trump droht mit Truppenabzug“ 2./3. Mai:

Beziehung weiterentwickeln

Wer hätte gedacht, dass sich Donald Trump noch weiter diskreditieren könnte? Der US-Präsident hat sich bereits mit Großbritannien und Frankreich überworfen, Italien und Spanien mit Truppenabzug gedroht – und nun hat er Deutschland ins Visier genommen. Die durchaus berechtigte Bemerkung von Friedrich Merz über die Strategielosigkeit Washingtons im Iran-Krieg hat Trump derart aus der Fassung gebracht, dass er mit einer faktischen Beendigung der militärischen Zusammenarbeit gedroht hat.

Der Verzicht auf die Stationierung von Mittelstreckenraketen wäre nicht nur ein finanzieller Schlag für die anderen Nato-Staaten, die ohnehin schon mit der Lastenteilung zu kämpfen haben, sondern auch eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit. Doch selbst das reichte nicht aus, um Berlin zu einem harten Kurs gegenüber den Vereinigten Staaten zu bewegen. Merz hat erneut die Augen vor Trumps unverschämtem Verhalten und den direkten, demütigenden Angriffen gegen uns verschlossen, nur um die Kontakte zu Washington aufrechtzuerhalten.

Es ist an der Zeit zu begreifen, dass von einer Weiterentwicklung der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten derzeit keine Rede sein kann. Wir müssen aufhören, dem Ego des unberechenbaren Trump nachzugeben, und uns von den USA distanzieren – zumindest bis ein neuer Präsident im Weißen Haus an die Macht kommt, der für uns ein stabiler und verlässlicher Verbündeter sein kann.

Franz Diehl, Dresden

Erstaunlich mutig

Eigentlich ist Merz als Kanzler ein Mann von gestern, der es noch einmal wissen wollte und mangels anderer Alternativen und Mehrheiten die Gelegenheit dazu bekommen hat. Bei allen innenpolitischen Problemen (an deren Entstehung auch frühere SPD-geführte Regierungen beteiligt waren) zeigt er gegen einen US-Präsidenten, der wie ein wildgewordenes Rumpelstilzchen in der Weltpolitik herumtobt, Profil und erstaunlichen Mut.

Wenn ein US-Präsident seine Verbündeten wie Vasallen behandelt, dann ist Wegducken keine Lösung. Trump hat Europa beim Krieg in der Ukraine im Stich gelassen und mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Iran schwere wirtschaftliche Schäden für Europa heraufbeschworen. „Das ist nicht unser Krieg“ war Trumps Devise zum Ukraine-Krieg, die europäische Antwort zum Iran-Krieg muss er sich jetzt auch gefallen lassen.

Und wenn Trump jetzt wie ein beleidigter Vater Europa „Stubenarrest“ verordnet und seinen eigenen „Kindern“ (Europa wäre ohne Amerika nicht von Hitler befreit worden, auch die Sowjetunion hätte es alleine nicht geschafft) seine „Fürsorge“ entzieht, dann sollte ein Trump ausnahmsweise mal zu ordentlicher Lektüre greifen und die Rede des SPD-Reichstagsabgeordneten Otto Wels nachlesen, als der mit der mutigsten Rede der deutschen Parlamentsgeschichte 1933 Hitlers Ermächtigungsgesetz ablehnte mit den Worten: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht!“

Ob allerdings ein Mann wie Trump mit seiner ganzen Vorgeschichte überhaupt weiß, wovon die Rede ist, darf bezweifelt werden. Seine (Hollywood-)Welt ist vermutlich eher Stanley Kubricks Film „Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ über die Gefahr eines unbeabsichtigten Atomkriegs durch einen wahnsinnigen US-General. Ein heutiger „Mitspieler“ könnte im Kreml sitzen, wenn alles schiefgeht.

Wilfried Mommert, Berlin

Wie in Zirndorf

Immer wieder erklingt das Gedöns um den Abzug von US-Soldaten. Man kann es schon fast nicht mehr hören, welche Folgen daraus konstruiert werden.  Natürlich hat ein solcher Rückzug wirtschaftliche Folgen für das betroffene Gebiet.

Das Ganze hat aber auch eine positive Seite. Ich verweise nur auf das Beispiel Zirndorf (26200 Einwohner) in Mittelfranken. Die Stadt war über Jahrzehnte ein bedeutender Standort der US-Armee in Mittelfranken. Von 1971 bis 1991 war hier die Divisions-Artillerie der 1. US-Panzerdivision stationiert. Als die Amerikaner abzogen, wurde viel gejammert über den wirtschaftlichen Einbruch, heute ist das vergessen. Nach dem Abzug wurde das Areal in den „PinderPark“ umgewandelt, ein Gewerbe- und Wohngebiet. Andere könnten sich daran ein Beispiel nehmen.

Horst Otto Mayer, Zirndorf-Wintersdorf

Unser Ramstein

Wann endlich kapieren europäische Politiker Trumps Sprache und die seiner Vasallen wie Hegseth? Die Antwort auf die angebliche Drohung von Trump und Hegseth, 5000 amerikanische Soldaten aus Deutschland abzuziehen, kann, damit die geballte amerikanische Regierungskompetenz es versteht, doch nur heißen: wie bitte, nur 5000 Mann? Das kommt nicht in Frage, bitte räumt Ramstein komplett: Germany und Europe first! Wir brauchen Ramstein für unsere eigene Verteidigung.

Es sollte keinen überraschen, dass Trump und seine Vasallen dann auf den Knien angerutscht kommen, um bleiben zu dürfen. Denn der Irankrieg wäre ohne Ramstein nicht machbar gewesen für diese Fifafriedenspreisträger!

Rolf-Jürgen Lang, Hofstetten

Deutschland als Zielscheibe?

Nun, es sollten alle in Deutschland stationierten amerikanischen Soldaten abgezogen und die Stützpunkte geschlossen werden, denn dann wäre Deutschland von dem (prognostizierten) Angriff Russlands nicht gefährdet. So aber wäre die erste (Atom)Rakete auf Ramstein und weitere Raketen auf die übrigen Stützpunkte gerichtet. Gewiss unsere Armee wäre, um Widerstand zu leisten, nicht fit genug, zumal der Oberexperte Masala gerade feststellte, dass Putin schon vor 2027, beziehungsweise 2029, beziehungsweise 2035 in Europa, respektive Deutschland einmarschiert. Putin hätte dann an dem ohnehin ressourcenarmen, eigentlich ressourcenfreien und vor allem von den höchst gefährlichen amerikanischen Stützpunkten befreiten Land, der maroden Wirtschaft, der desolaten Infrastruktur und so weiter noch weniger, also gar kein Eroberungs- oder gar Vernichtungsinteresse.

Aber Herr Pistorius will die Amerikaner im Land behalten und wirbt ja für und will die Kriegstüchtigkeit Deutschlands. Also wird Ramstein wichtigstes Ziel Russlands bleiben. Immerhin will Trump von den 35 000 amerikanischen Soldaten 5000 der Gefährdung, von Russen getötet zu werden, entziehen. Aber wir retten, wenn 30 000 Amis hier bleiben, unser Leben nicht – im Falle des hoch und heilig verkündeten Angriffs. Also sollte Boris Pistorius Trump massiv ärgern, so wie der Bundeskanzler es zum Teil tut (mal 'ne gute Tat), dass er alle seine Soldaten hier abzieht.

Aber da wird nichts draus. Anberaumte Kriegstüchtigkeit und Deutschlands immerwährender Feind Russland (Wadephul) wird keine friedliche Lösung für unser Land bringen. Na, dann auf in den Kampf für Demokratie, Würde, Freiheit und – haben wir was vergessen? Nein, denn wir sind ohnehin die Guten, die recht haben, das reicht.

Lothar Gonschor, Efringen-Kirchen

Eine politische Analyse

Man kann die beleidigte Reaktion eines Gekränkten verstehen, nämlich als Handlung kalkulierter Politik. Es fällt offenbar nicht leicht, die Emotionalität des Vortrags von der verfolgten Zielsetzung zu unterscheiden. Das Motiv ist rational und basiert auf einer realistischen Analyse der politischen Situation. Trump will Russland als Verbündeten im ökonomischen Kampf gegen China gewinnen. Dem steht die von Deutschland und der EU forcierte militärische Konfrontation mit Russland im Wege, sei es im Ukraine-Krieg, bei der Verstärkung der Aufrüstung gegen Russland oder bei der Aufstellung von Raketen.

Die – zutreffende – realistische politische Analyse der USA basiert auf der Einschätzung, dass von Russland keine Bedrohung für Westeuropa ausgeht; denn Russland geht es lediglich um den Schutz seiner Grenzen vor Nato-Raketen. Daher kann die Nato in Europa ausgedünnt und auf die Aufstellung von Langstrecken-Raketen in Deutschland verzichtet werden. Ist das für deutsche Journalistinnen und Journalisten so schwer zu begreifen?

Prof. Dr. Rüdiger Scholz, Freiburg

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