Mar Menor:Im Supermarkt die Umwelt retten

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Mar Menor: Mit einer Menschenkette protestierten Umweltschützer und Einheimische schon vor einem Jahr für den Schutz des Mar Menor in Murcia.

Mit einer Menschenkette protestierten Umweltschützer und Einheimische schon vor einem Jahr für den Schutz des Mar Menor in Murcia.

(Foto: Edu Botella/imago images/Lagencia)

Das Entsetzen ist groß. Pragmatische Lösungen müssten her, fordern SZ-Leser zur Rettung der Lagune im Südosten Spaniens und anderer Landstriche, in denen die Natur stark gefährdet ist.

"Die tote Lagune" vom 16. Juli:

Umsturz von oben

Der Artikel über die Nöte des Mar Menor in Spanien hat mich bewegt. Es ist richtig, dass der Blick auf einen Brennpunkt und die mit ihm verbundenen Menschen das Ausmaß unserer globalen Probleme am besten erahnen lässt. Offensichtlich sind es mehrere Faktoren und eine unglückliche Verflechtung der Umstände, die zur Katastrophe führen. Dies zu entflechten, ist eine schier unlösbare Aufgabe. Ich meine, dass der bisherige Ansatz mit Klagen und Demonstrationen, wissenschaftlichen Statements und politischen Diskussionen nicht mehr greifen kann. Wir müssen lernen, mit diesen Umweltkatastrophen lösungsorientiert umzugehen: Also das spanische Gemüse boykottieren und sich stattdessen regional versorgen. Und dass Wissenschaftler viel aggressiver ihre Ergebnisse einbringen müssen, und viel entschlossener ihre pseudowissenschaftlichen Kollegen bekämpfen müssen, die mit voller Absicht postfaktisches Geschwurbel in die Welt setzen, weil sie bestochen werden. Staatsanwälte müssen tätig werden, ohne auf Anzeigen zu warten, denn es gilt, Schaden abzuwenden. Politiker können dafür sorgen, dass sofort gehandelt wird. Mit der schnellen Abwendung einer Katastrophe haben sich in der Vergangenheit schon viele profilieren können. Diese Leute werden nicht abgewählt, sie werden gefeiert.

Je früher man handelt, desto weniger kostet es. Mein Vorschlag an die spanische Regierung: Macht es wie Kurfürst Max IV. Joseph und sein Minister Montgelas vor 220 Jahren in Bayern mit der Säkularisation. Entmachtet und enteignet die Global Player und vergebt das Land an die Einheimischen, die sich für Landschaftspflege einsetzen wollen. Ein Umsturz von oben. Bayern hat's nicht geschadet.

Dr. Fortun Kretzer, Alteglofsheim

Spanische Politik ist verantwortlich

Bekanntlich stinkt der Fisch vom Kopf, verantwortlich für den hanebüchenen Umweltfrevel sind spanische Politik und Verwaltung. Wieder einmal der ungleiche Kampf Umwelt versus Lobby. Warum versucht die SZ ihren Lesern ein schlechtes Gewissen einzureden, oder besser einzuschreiben? Dank der Globalisierung finden wir ganzjährig ein reichhaltiges Obst- und Gemüseangebot auf dem Supermarkt, nicht nur von der spanischen Agrarindustrie. Ob diese Produkte immer nachhaltig erzeugt werden, bezweifle ich.

Peter Baltzer, Weiterstadt

Exzessive Bebauung

Als ich 1973 im Kino in Marbella einen eindrucksvollen Vorfilm über La Manga del Mar Menor sah, dachte ich: Welch ein Paradies! Aber bereits damals wurde davor gewarnt, dass dieses in Gefahr war. Jahre später habe ich aufgrund der Bebauung der Landzunge schon gesehen, dass die Tourismusindustrie kräftig an der Zerstörung beteiligt war. Neu ist für mich die Rolle der Landwirtschaft in diesem Drama. Man hat in Spanien ein besonderes Talent dafür, attraktive Landschaften wie die Costa del Sol systematisch durch exzessive Bebauung zu zerstören. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür.

Burkhard Colditz, Sindelsdorf

Problem billiges Gemüse

Ich halte das für ein Fiasko. Hier zeigt sich, was unüberlegte Wasserbauprojekte anrichten können. Das Beispiel zeigt, dass wir in vielen Bereichen den Ast, auf dem wir sitzen, bereits abgesägt haben. Mit dem Kauf des spanischen Supermarktgemüses finanzieren wir diese Entwicklung. Das ist ein Problem an vielen Orten in Spanien, die mit Gewächshäusern überbaut wurden und wo wir afrikanische Arbeitssklaven für billiges Essen ausbeuten.

Conrad Fink, Freiberg

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