„Weiche, Satan“ vom 18./19. April, „Wer, wenn nicht er“ vom 14. April, „Wie das Pentagon dem Vatikan gedroht haben soll“ vom 10. April:
Respekt für Leo
Die Äußerungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump über die Person und Amtsführung des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche lassen mich nach dem Lesen mit dem Wissen zurück: Wieder einmal liegt dieser Mensch völlig daneben mit dem, was er von sich gibt. Er behauptet, dass Leo deshalb Papst sei, weil die Versammlung der Kardinäle einen Amerikaner wählte, um mit ihm, Trump, einen „Deal“ zu machen. Das ist gewiss falsch. Da lege ich getrost meine Hand ins Feuer, ohne Temperaturunterschiede spüren zu müssen. Es ist eben nicht so, dass sich alles in der Welt um Herrn Trump dreht.
Ebenso für sachlich falsch halte ich eine dem Papst unterstellte inhaltliche Nähe zu „Linken“, nicht zu sprechen von einer „schrecklichen Außenpolitik“ Leos. Es wäre umgekehrt schön und sinnvoll, falls Herr Trump jemals nur annähernd so etwas wie eine vernünftige Außenpolitik zustande brächte. Damit ist leider auch weiter nicht zu rechnen.
Meines Erachtens ist es sicher auch unwahr, dass Leo XIV. befürworte, dass Iran atomare Waffen besitzen solle, während umgekehrt sichere Wahrheit ist, dass der Papst den Angriff der USA auf Venezuela furchtbar findet. Der Rest an präsidialem Unsinn ist bereits der Erwähnung nicht mehr wert.
Vielleicht sollten alle Anhänger dieses Mannes sein Messiasbildchen, das seine Züge trägt und das er nach seinem unsäglich dummen Text veröffentlicht hat, über ihrem Bett anbringen. Wieder ein Produkt, das sich gut verkaufen ließe neben goldenen Turnschuhen ... In meinem Schlafzimmer bleibt das Kreuz hängen, und mein Respekt gegenüber Papst Leo wächst.
Dr. Willi Klinkhammer, Budapest/Ungarn
Der Anti-Trump
Schon kurz nach der Wahl des US-Amerikaners Robert Francis Prevost am 8. Mai 2025 zum neuen Papst Leo XIV. wurde ihm unter anderem die Rolle des „Anti-Trump“ zugesprochen. Jetzt muss er sie angesichts der maßlosen Attacken des US-Präsidenten auf ihn notgedrungen ausfüllen und sich gegen dessen haltlose Anschuldigungen wehren.
Nachdem Donald Trump zweimal KI-Bilder von sich als Papst und jüngst sogar als Jesus in die Welt gepostet hatte, brach ein Sturm der Entrüstung insbesondere unter amerikanischen Katholiken über diesen Größenwahn am Rande der Blasphemie los. Trumps Behauptung, „Wäre ich nicht im Weißen Haus, wäre Leo nicht im Vatikan“, ist an Dummheit und Selbstbezogenheit kaum zu übertreffen. Zudem hat sich auch US-Vizepräsident J. D. Vance – zum katholischen Glauben konvertiert – in den Papst-Streit eingemischt und Trump in dessen Allmacht-Fantasien verteidigt. Vance empfahl Leo nach dessen Friedensappell, sich aus der amerikanischen Politik herauszuhalten und sich auf moralische Angelegenheiten zu konzentrieren.
Trump soll sogar Papst Leo mit einem neuen „Papsttum von Avignon“ gedroht haben, als Papst Clemens V. im Jahr 1309 seine Residenz von Rom nach Avignon verlegt hatte und das Gegenpapsttum (Schisma) bis 1408 anhielt. Trumps rhetorische Eskalationen haben in den USA eine Debatte über die Glaubwürdigkeit und geistige Fitness des Präsidenten ausgelöst (Madman-Theorie). Nach dessen vulgären Drohungen gegenüber Iran konstatierte die ehemalige Trump-Anhängerin Marjorie Taylor Green: „Er ist wahnsinnig geworden.“ Darüber hinaus forderte der demokratische Kongressabgeordnete Jamie Raskin aus Maryland Trumps Amtsenthebung aufgrund geistiger Verwirrung und extremer Töne im Iran-Krieg. Vielleicht löst dies das Problem des von Donald Trump und Benjamin Netanjahu ohne Not losgetretenen unbeliebten Kriegs und lässt die Welt wieder friedvoller zusammenleben! Papst Leo hat jedenfalls das Seine dazu beigetragen.
Hans-Henning Koch, Berlin-Wannsee
Der Zaunpfahl von „Avignon“
Habt Ihr das gelesen? Ein Unterstaatssekretär im Verteidigungsministerium namens Elbridge Colby bestellte Kardinal Christophe Pierre ins Pentagon ein (nicht ins Außenministerium, wo Diplomaten hingehören), wo ihn auch nicht etwa der Minister empfing, nur mehrere Beamte. Sie warnten ihn, „dass die Vereinigten Staaten über die militärische Macht verfügten, zu tun, was immer sie wollten. Und dass die Kirche besser an ihrer Seite stünde“.
Was mich vom Hocker haute: Einer soll sich da doch tatsächlich einen Wink mit dem Zaunpfahl „Avignon“ geleistet haben! Hättet Ihr gedacht, dass irgendjemand im Pentagon schon von „Avignon“ gehört hat? Das war ja zu einer Zeit, als Amerika nicht entdeckt war ...
Am Ende des Berichts heißt es: „Dann rief Leo XIV. die Bürger aller betroffenen Länder noch dazu auf, sich an ihre Abgeordneten und Regierungen zu wenden.“ Daraufhin habe ich den Brief geschrieben. Ich habe ihn auf altem feinen elegant bedrucktem Briefpapier ausgedruckt, nicht per E-Mail geschickt, weil ich hoffe, dass er dann im Sekretariat des Generalvikars eher auffällt und ihm wirklich auf den Tisch gelegt wird.
Thelma von Freymann, Diekholzen
Standhafter Papst
Wer in der Nachfolge des Gekreuzigten steht, kriecht nicht vor Trump zu Kreuze und lässt sich nicht von ihm einschüchtern. Das beweist die souveräne Reaktion von Papst Leo auf die Drohungen durch den amerikanischen Präsidenten. Man kann nur dankbar dafür sein, dass es mit dem Heiligen Stuhl diese Stimme der Vernunft in einer Welt gibt, die erschüttert ist von Wut und Gewalt. Nein, Leo XIV. ist kein Politiker. Aber nachdem kein politisch Verantwortlicher Europas Trump in die Parade gefahren ist, als er die völlige Zerstörung einer Zivilisation in Iran propagierte, ist ein Papst, der gegen dieses barbarische Agieren deutlich seine Stimme erhebt, wirklich ein Segen für die Welt.
Die Drohungen des amerikanischen Präsidenten gegenüber Papst Leo zeigen, dass er nicht einfach nur gegen eine emanzipatorisch gesinnte Linke, gegen Liberalität und gegen die Demokratie kämpft – sondern er spuckt auch jedem Konservativen ins Gesicht, dem etwas an Werten liegt. Wenn es vor Kurzem noch konservative Christen gegeben haben mag, die Trump als den Guten verklärten, so müsste dieser Spuk jetzt wirklich der Vergangenheit angehören, es sei, denn man will den Namen Gottes vorsätzlich für dessen Verkehrung missbrauchen.
Es reicht aber nicht, sich über diesen Papst zu freuen, ihm Gutes zu wünschen und darauf zu setzen, dass er standhaft bleibt. Leo XIV. braucht nicht nur propagierte Solidarität, sondern Schutz und aktive Unterstützung. Jesus wurde von seinen Jüngern zum Schluss alleine gelassen und starb mit einem Schrei der Gottverlassenheit am Kreuz. Die Botschaft seiner Auferstehung sollte alle Menschen ermutigen, es diesmal so weit nicht kommen zu lassen. Die Erdkugel muss sich wieder in die andere Richtung drehen. Eine gute Welt ist nötig und möglich, wenn wir es wollen.
Jonas Christopher Höpken, Oldenburg
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