Trump und GrönlandKlare Absage an einen Völkerrechtsbrecher

Lesezeit: 5 Min.

Illustration: Claudia Klein

Der unverhohlene Versuch, Grönland zu annektieren, stößt bei Leserinnen und Lesern auf Entsetzen. Weil wieder mal weltpolitische Regeln beschädigt werden.

„Existenzfrage für Europa“ vom 19. Januar und Leitartikel „Meins!“ vom 17./18. Januar, „Früher Golfkrieg, heute Grönland“ vom 24./25./26. Dezember:

Respekt und Augenhöhe

Trump ist süchtig nach Aufmerksamkeit, ebenso nach Erlebnissen des vorauseilenden Einknickens und der Schwäche der bedrohten Regierungen und Staaten („amazing show“). Sehr viel gefährlicher als obige Flutwelle ist deshalb, dass es die europäische Politik inklusive der deutschen Regierung nicht schafft, die seit Januar 2025 dutzendfach erlebte Spirale aus Drohungen, Ankündigungen, Beschwichtigungsversuchen, Demutsgesten und so weiter, die genau deshalb Tage oder Wochen später in weitere und härtere Drohungen mündet, zu durchbrechen. Alles in dem Wissen, dass jegliche Absprachen und Vereinbarungen mit erratisch agierenden Funktionsträgern (zum Beispiel zu Zöllen) eine sehr geringe Halbwertszeit haben werden. Die Politik des Hoffens und Bangens aus Furcht davor, dass es noch schlimmer kommen könnte, sollte spätestens mit den teilweise absurden Grönland-Drohungen ein Ende haben.

Es ist deshalb hohe Zeit, dass die EU-Politik, der europäische Teil der Nato und auch die deutsche Politik sich auf die Interessen Europas und ihrer eigenen Bürger besinnen, ins konkrete Handeln kommen und Zeichen setzen, anstatt Herrn Trump weiter Urkunden oder Medaillen umzuhängen. Dafür gäbe es eine Reihe von Optionen, zum Beispiel: Stornierung der Bestellungen US-amerikanischer Kampfflugzeuge und Rüstung, massive Förderung europäischer Cloud-Lösungen für Unternehmen und Behörden (bei IT-Dienstleistungen hat Europa ein massives Handelsdefizit mit den USA, was ohne jede Konsequenz stillschweigend hingenommen wird), stärkere Bekämpfung US-amerikanischer Social-Media-Plattformen, die die europäische Rechtssetzung seit Jahren ignorieren, Stopp jeglicher Förderung von US-Investitionen in Europa mit EU-Steuergeldern, höhere Kapitalertragssteuern aus Anlagen in US-amerikanische Fonds, Erweiterung und Bevorzugung der europäischen Chip-Industrie, Stationierung von Schiffen, Flugzeugen und Soldaten auf Grönland in größerem Umfang.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich bin ein Gegner jeglicher Abschottung und befürworte eine internationale Zusammenarbeit und das friedliche Zusammenleben mit allen Ländern und Menschen, die das ebenfalls wollen, auch und sehr gerne mit den USA. Aber all dies setzt unabhängig von der Größe der jeweiligen Streitkräfte und Wirtschaftsmacht Respekt und Augenhöhe voraus, und beides ist der derzeitigen US-Administration in jeder Hinsicht abzusprechen.

Georg Niederreiter, München

Das wäre mal eine Antwort

Eine großartige Antwort der EU-Länder auf die Zollandrohung von Donald Trump, Zölle gegen die Länder zu verhängen, die sich seinen Grönland-Annexionsplänen entgegenstellen, wäre: Fußball-WM ohne Beteiligung der EU-Länder!

Es wäre doch wunderbar, wenn sich die nationalen Fußballverbände mal darüber unterhalten würden, ob sie diesem bizarren Spektakel zur Huldigung eines wahnsinnigen Autokraten schlichtweg fernblieben. Das wäre ein starkes Zeichen dafür, dass die EU-Länder tatsächlich gemeinsame Werte teilten. Aus sportethischen Gründen ist diese Entscheidung längst überfällig – spätestens seit der peinlichen Übergabe eines „Friedenspreises“ an Trump durch den unsäglichen Fifa-Präsidenten.

Anette Nierhoff, Bochum

Künftig alles anders dort?

In Ihrem Kommentar schreiben Sie, dass für Trump die Ownership, der Besitz einer riesigen Insel mit neuen Rohstoffen und Schifffahrtsrouten, unwiderstehlich sein könnte. Aus meiner Sicht ist aber wohl der wichtigste Aspekt bislang vollkommen übersehen worden: Da es in Grönland keinen Grundbesitz gibt, sondern alles dem Volk gehört, würde bei einer Übernahme die gesamte Grundfläche der Insel den USA zufallen, also Trump. Und ebenfalls würde dann sofort in Grönland amerikanisches Recht gelten. Polizei, Justiz, Verwaltung würden amerikanisch, die Amtssprache Englisch.

Das bedeutet auch, dass dort jederzeit überall gebaut werden könnte: Betriebe, Hotels, Spielhallen, Burger-Lokale …, und dass sich überall Amerikaner ansiedeln könnten. Einheimische könnten jederzeit von ihren Wohnsitzen vertrieben werden, da ihnen ja nichts gehört. Die Bodenschätze könnten ebenso unbegrenzt ausgebeutet werden, da das Land jetzt den USA gehört.

Man kann sich vorstellen, dass in circa zehn Jahren Grönland vollkommen anders ausschauen würde. Schöne Aussichten!

Reinhold Ruthner, München

Verantwortungslos

Bei Donald Trump sind Weitsicht, globales Denken und entsprechende Verantwortung nicht gegeben. Auch sind die Grundzüge von menschlichem Anstand bei ihm nicht vorhanden. Vielleicht ist die Eroberung von Grönland erst der Anfang für eine Politik des Wahnsinns. Geopolitische Ausdehnung kennt bei Trump keine Grenzen. Pervers, einer arktischen Insel mit gerade mal 50 000 Einwohnern Gewalt anzudrohen.

Stefan Herb, Roding

Handel statt Krieg

Wenn die USA mit Grönland liebäugeln und dafür Interesse haben, sollen sie verhandeln, sich mit Dänemark einigen und die Insel kaufen, wie sie es seinerzeit schon mit Alaska von den Russen und mit Louisiana von den Franzosen praktizierten. Und Russland könnte den umstrittenen östlichen Teil der Ukraine ebenfalls käuflich erwerben und die Ukraine mit dem Geld den Wiederaufbau vorantreiben, ohne die EU zu belästigen und deren Mitgliedsstaaten in unbesicherte Schulden zu stürzen. Vielleicht ist die Menschheit im dritten Jahrtausend schon so weit, solche Ansprüche ohne Krieg und auf Grundlage korrekter Rechtsgeschäfte abzuwickeln.

Mag. Martin Behrens, Wien

Existenzrecht und Völkerrecht

Nach dem Völkerrecht ist das Existenzrecht eines Staates die Sicherheit auf Fortbestand seiner international anerkannten Grenzen. Zurzeit wird oft über das Existenzrecht Israels gesprochen, Aktionen, die dieses infrage stellen, werden als illegal gebrandmarkt („from the river to the sea“) und Personen, die diese Aktionen betreiben, Terroristen genannt. So sollte man analog aus gegebenem Anlass vom Existenzrecht des Königreichs Dänemark sprechen (bestehend aus Dänemark, Färöer und Grönland), Aktionen, die dieses Recht infrage stellen, als illegal ansehen und Personen wie Jeff Landry (den US-Sondergesandten für Grönland; d. Red.) und dessen Chef folgerichtig „Terroristen“ nennen. Das wäre zumindest konsequent.

Dr. Christoph Spagl, Kirchheim

Autoritäre Rechtsbrecher

Die Zeit der Beschwichtigungspolitik gegenüber autoritären Rechtsbrechern muss als gescheiterte Rückwärtsbewegung angesehen werden. Die Tatsache, dass der Instinkt von Donald Trump jede noch so kleine Schwäche dazu nutzt, sämtliches Porzellan zu zerschlagen und für Unterordnung zu sorgen, trifft vor allem diejenigen, die an Orte streben, wo’s warm rauskommt. Das zeigt viel von der Dürftigkeit, vor allem hierzulande. Wenn Politik nur kurzfristigem wirtschaftlichem Kalkül folgt, hält bald keine Vereinbarung mehr. Der Verlust von Vertrauen vergiftet alles. In dieser von nationalen Interessen gesteuerten Fehlhaltung und Kurzsichtigkeit steckt die eigentliche Existenzbedrohung für Europa. Trump, Vance und seine Günstlinge wissen damit umzugehen. Das lässt sich nur durch klare Kante und übernationale, rechtliche Verbindlichkeit überwinden.

Kai Hansen, Nürtingen

Ganz andere alte Rechte

Aus Anlass des amerikanischen Kaufes der dänischen Jungferninseln 1916/17 anerkannten die USA die dänische Oberhoheit über Grönland. Die USA haben seit 1951 auf Grönland den – inzwischen jedoch so gut wie ungenutzten – Militärstützpunkt Thule (heute Pituffik Space Base genannt; d. Red.). Von dort könnten sie russische und chinesische Schiffe beobachten, tun es aber nicht. Diese Beobachtung übernehmen zukünftig Europäer. Trump sollte sich bei ihnen bedanken, anstatt ganz Grönland zu vereinnahmen, um angeblich dann russische und chinesische Schiffe zu beobachten. Daraus lässt sich schließen, dass die russische und chinesische Bedrohung nur ein Vorwand ist, in Wirklichkeit Trump Grönland wegen der Bodenschätze oder wegen der Flächenverdoppelung der USA („Amerika groß machen“) haben will.

1494 teilten sich Portugal und Spanien durch päpstliche Vermittlung im Vertrag von Tordesillas die Neue Welt längs des Längengrades 46 Grad 47 Minuten westlich Greenwich auf. Dieser verläuft etwa durch die Südspitze von Grönland. Demnach können sich die Spanier den Westteil von Grönland aneignen, die Portugiesen den Ostteil. Sie sollten das den Amerikanern und den Dänen mitteilen, um den aktuellen Streit zu unterdrücken.

Wolfgang Maucksch, Herrieden

Noch ein Angebot für Trump

Wenn man die Landmassen von Russland oder China mit der Landmasse der USA vergleicht, kann man nachvollziehen, warum Trump Grönland haben will. Ich würde aber den Mars vorschlagen, er ist viel, viel größer. Trump könnte sich den ersten intergalaktischen Friedenspreis zuerkennen. Elon Musk könnte ihn mitnehmen zum Mars, mit oder in einem vergoldeten Sarg. Er wäre der erste Mensch, der auf dem Mars begraben liegt. Das ist nicht zu toppen.

Christel Memering, Alfter

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