StadeFolgen eines Schütteltraumas

Lesezeit: 2 Min.

Ein Seelsorger bei der Andacht für die Getöteten von Stade.
Ein Seelsorger bei der Andacht für die Getöteten von Stade. Moritz Frankenberg/dpa

Bei einem Sorgerechtsstreit eskaliert eine Auseinandersetzung in einer Behörde in Stade. Dabei werden sechs Menschen getötet.

SZ bei Google bevorzugen

„Die Angst der Kinderschützer“ vom 3. Juli, „Die Geschichte einer Eskalation“ vom 2. Juli:

Sachgerechte Behandlung

Nach über zehn Jahren im Kinderschutz bei der Landeshauptstadt München habe ich vor 15 Jahren gekündigt. Die Gefahrenlage war seinerzeit nicht anders als heute. Die Ereignisse in Stade mögen zu einer Diskussion führen. Das Problem ist alt und die Angst dürfte nun nicht größer sein als vorher. Jeder Kollege war sich darüber im Klaren, dass er gefährdet ist.

Es wäre zu wünschen, dass der Arbeitgeber hier sinnvolle Schutzkonzepte entwickelt und nicht noch einen Fragebogen (sechs Seiten), den zu bearbeiten damals – und wohl auch heute – keine Zeit war. Es wäre auch sinnvoll, Kinderschützerinnen, es handelt sich überwiegend um Frauen, nach einer gewissen Zeit Möglichkeiten anzubieten, in eine andere Tätigkeit zu wechseln. Zu meiner Zeit wurden wir behandelt wie alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Landeshauptstadt München. Das ist wohl kaum sachgerecht. Die alltägliche Tapferkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollte anerkannt werden.

Joachim Breckner, Grafing

Mit den Folgen leben

Es ist nicht schwer, ein Schütteltrauma zu verursachen. Schwer ist es hingegen, mit den Folgen zu leben. Dieses Dilemma kann nicht oft genug angesprochen werden, vor allem, weil die Folgen so vielfältig und weitreichend sind. Wenn Eltern ihr Kind in einer Überforderungssituation schütteln, ist dieses Dilemma für sie nicht präsent, wenn sie danach konkret dazu gefragt werden, ist ihnen klar, was ein Geständnis bedeutet: Das Kind ist weg.

In einer solchen Situation ehrlich zu sein, fällt vielen schwer, obwohl es notwendig wäre. Die Reaktion der Fachkräfte auf eine Kindeswohlgefährdung unterstützt Eltern in dieser Hinsicht allerdings kaum. Die Folge ist ein Machtkampf, der im aktuellen Fall von Stade mit sechs Toten und einer unbekannten Anzahl weiterer Opfer endet oder auch noch weitergeht.

Bernd Peters, Bremen

Kein anonymer „Apparat“

Der einleitende Absatz dieses Artikels hat mich schockiert. Eine Familie mit einem mutmaßlich misshandelten Säugling kommt in eine Klinik, der „Apparat“ springt an und spuckt Tage später sechs tote Menschen aus? Da war kein namenloser „Apparat“ am Werk, sondern KrankenpflegerInnen, ÄrztInnen, PolizistInnen, SozialarbeiterInnen – die meisten von ihnen sicher engagiert und bemüht, andere zu schützen und ihnen zu helfen. Dass in Ihrer Einleitung suggeriert wird, diese Menschen trügen eine Mitverantwortung am tödlichen Ausgang der Ereignisse, finde ich unerträglich.

Hanna Viehweger, Backnang

Hinweis

Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion, sie dürfen gekürzt und in allen Ausgaben und Kanälen der Süddeutschen Zeitung, gedruckt wie digital, veröffentlicht werden, stets unter Angabe von Vor- und Nachname und des Wohnorts. Schreiben Sie Ihre Beiträge unter Bezugnahme auf die jeweiligen SZ-Artikel an forum@sz.de. Bitte geben Sie für Rückfragen Ihre Adresse und Telefonnummer an. Postalisch erreichen Sie uns unter Süddeutsche Zeitung, Forum & Leserdialog, Hultschiner Str. 8, 81677 München, per Fax unter 089/2183-8530.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: