SpritpreiseNachhaltigkeit sieht anders aus

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Stressfaktor für alle, die Verbrenner fahren: Die derzeit steigenden Spritpreise.
Stressfaktor für alle, die Verbrenner fahren: Die derzeit steigenden Spritpreise. Florian Peljak

Der Krieg in Iran führt auch zu höheren Kosten für Benzin. Die Bundesregierung steuert gegen. SZ-Leser verweisen hingegen auf nachhaltigere Lösungen der Krise.

„Da braut sich was zusammen“ vom 28./29. März. „Bundestag beschließt Spritpreispaket“ vom 27. März, „Zeit für ein Tempolimit“ vom 25. März, „Es gibt kein Recht auf billigen Sprit“ vom 13. März:

Krise ist größer als geahnt

Sowohl der Bundesregierung als auch den Bürgerinnen und Bürgern scheint das Ausmaß der Krise nicht bewusst zu sein. Der verengte Blick auf Heizöl, Kraftstoff und Gas führt dazu, die anderen Bereiche, in denen wir von Erdöl abhängig sind, wie zum Beispiel die Kunststoffproduktion, zu übersehen. Zudem ist vielen nicht klar, dass man eine Erdölförderung nicht wie einen Wasserhahn einfach zu- und aufdrehen kann, und alles läuft wie vorher. Es kann sogar sein, dass im Ölfeld nicht mehr genügend Druck herrscht und es gar nicht mehr zur Förderung kommen kann, auf jeden Fall ist es kompliziert, eine Ölförderanlage wieder hochzufahren. Die Anlagen zur Verarbeitung nehmen ebenfalls Schaden, und es dauert mehrere Wochen bis Monate, sie wieder in Gang zu bringen.

Bedarf an Öl und Gas lässt sich nicht von heute auf morgen ersetzen, aber dass keiner eine solche Krise und Abhängigkeit vorhergesehen hat, stimmt nicht. Insbesondere Herr Habeck hat mehrfach darauf hingewiesen. Und die jetzige Freigabe der Ölreserven ist dumm, denn das Gröbste steht uns noch bevor. Dass die Bundesregierung auch jetzt noch nicht einsieht, dass wir uns viel unabhängiger von diesen Rohstoffen machen müssen, ist skandalös. Statt nun diesem Sektor gutes Geld hinterherzuwerfen, sollten unbedingt die regenerativen Energien, deren Speicherung und Weiterleitung sowie die Nutzung bei der Mobilität und Wärmeerzeugung, gefördert werden.

Michael Beck, Wolfenbüttel

Falsche Lösungen

Die aktuellen geopolitischen Krisen und die dadurch ausgelösten Preissprünge bei Öl und Gas führen erneut vor Augen, wie verletzlich eine Energieversorgung ist, die auf fossilen Rohstoffen beruht. Die wirtschaftlichen Folgen treffen nicht nur Unternehmen und Staaten, sondern vor allem auch die Bürgerinnen und Bürger. Umso unverständlicher ist es, wenn in der politischen Debatte weiterhin Vorschläge wie Fracking als Lösung präsentiert werden. Das mag auf den ersten Blick entschlossen wirken, trägt aber weder kurzfristig überhaupt zur Entlastung bei, noch überzeugt es langfristig ökologisch oder ökonomisch.

Die eigentliche Lehre aus der aktuellen Entwicklung liegt doch auf der Hand: Wer Versorgungssicherheit, stabile Preise und wirtschaftliche Perspektiven will, muss erneuerbare Energien samt Speichern konsequent ausbauen. Wind- und Solarenergie machen unabhängiger von internationalen Krisen, halten Wertschöpfung im eigenen Land und schaffen die Grundlage für dauerhaft bezahlbare Energie. Neben langfristigen Investitionen braucht es auch kurzfristige Maßnahmen, um den Energieverbrauch zu senken und dadurch Marktmechanismen für eine Preissenkung zu nutzen.

Ein Tempolimit, mehr Home-Office und der Abbau klimaschädlicher Subventionen wie der steuerlichen Begünstigung von Flugbenzin wären vernünftige Schritte. Die Antwort auf Krisen an den globalen Energiemärkten kann nicht sein, alte Abhängigkeiten weiter zu vertiefen. Sie muss darin bestehen, unser Energiesystem schneller, konsequenter und intelligenter auf erneuerbare Quellen umzustellen.

Stefan Blümer, List

Falsch gegengesteuert

Weil der Irankrieg Öl- und Spritpreis verteuert, versucht man nun, mit Preismanipulationen gegenzusteuern. Die Berliner Politik spricht dabei mit gespaltener Zunge, denn eigentlich sollen Kraftstoffe, etwa durch die CO₂-Bepreisung, im Klimaschutzinteresse teurer werden. Welche Logik oder Antilogik soll denn jetzt gelten?

Hans Christian Hummel, Hannover

Auto ist kein Statussymbol

Wir Menschen haben weder ein Recht auf billige Rohstoffe und Energien noch auf ein gesundes, soziales oder finanziell gesichertes Leben. Mit der Aussage „Was sind schon 20 Cent Benzinpreiserhöhung?“ gibt die Autorin nicht die Realität wieder, die abhängig von der Gegend und der Tageszeit zwischen 30 und 50 Eurocent schwankt. Die Verteuerung von Treibstoffen und Gas betrifft aber nicht nur die Autofahrer, sondern alle mit diesen fossilen Rohstoffen hergestellten Güter und Dienstleistungen. Auch die elektrische Energie verteuert sich dadurch.

Die Aussage, dass Autobesitzer von Haus aus „wohlhabend“ seien, ist lächerlich und passt wohl eher in bunte Blätter. Menschen sind nicht „wohlhabend“, wenn sie ein Auto benötigen, das sie fast ausschließlich mit einem Kredit finanzieren, hauptsächlich um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen. Die Preiserhöhungen treffen vor allem Gering- und Mittelverdiener überproportional stark. Diese Gruppe fährt bestimmt nicht „täglich ihre Kinder durch die Gegend“, sondern wohl eher zu ihrem zweiten oder dritten Job, um ihren notwendigen Wagen finanzieren zu können und am gesellschaftlichen Leben wenigstens etwas teilhaben zu können.

Dieser Personenkreis braucht bestimmt keine „Entwöhnung vom Autofahren“, wie die Autorin schreibt. Der Vorschlag in diesem Zusammenhang, sich ein E-Auto anzuschaffen, um die „hohen Spritpreise zu umgehen“, ist zynisch. Natürlich jubeln die, die jetzt ein energetisches Haus mit Photovoltaik, Wärmepumpe, Wall Box und das von der Kraftfahrzeugsteuer befreite E-Auto in der Garage haben, und lassen sich für ihr „Umweltbewusstsein“ vielleicht noch feiern. Alles dank der großzügigen steuerfinanzierten Subventionen!

Hubert Klemenjak, Mindelheim

Staatlich finanzierte Raserei

Wenn man mit gleichmäßigen 120 Kilometer pro Stunde auf der Garmischer Autobahn unterwegs ist, wird man trotz regen Verkehrs permanent überholt, und zwar mit Geschwindigkeiten, die jenseits von Gut und Böse liegen. Solch ein Verhalten ist nicht nur energiepolitisch zu verurteilen, sondern schadet auch der Umwelt und verursacht mehr und schlimmere Unfälle.

Auch Benzinpreise können anscheinend nicht hoch genug sein, um an ein Umdenken beim eigenen Fahrverhalten zu denken. Dass von Steuerzahlern, die zu Fuß gehen, Fahrrad fahren und die Öffentlichen benutzen, so eine verantwortungslose Raserei auch noch über eine Benzinpreisbremse „finanziert“ werden soll, ist wohl nicht zu vermitteln.

Brigitte Brehmer, München

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