DAS ADJEKTIV „ABGESTORBEN“, das heute unter anderem für defekte Motoren verwendet wird, stand einst auch für gestorben, und der Schreiber dieser Zeilen erinnert sich gut an Verwandte, bei denen trotz lockender Suppe das eh schon üppige Tischgebet noch um ein Vaterunser und ein Ave „für die abgestorbene Verwandtschaft“ erweitert wurde. Wozu diese Reminiszenz? Weil man, ob man will oder nicht, durch Leserin K.s Mail auf „Absterbeordnungen“ und dergleichen gelenkt wird. Aus ihnen ergibt sich „die Zahl derer (…), die aus einer beliebigen Anzahl von, sagen wir, 100.000 Neugeborenen die 1., 2., x-te, hundertste Wiederkehr ihres Geburtstages erleben“ (Emil Julius Gumbel). Frau K. kritisiert die Aussage, Papst Leo XIII. habe mit seinen 93 Jahren „die damals durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes (35 Jahre)“ erheblich übertroffen. Das sei „Quatsch“, weil dieses statistische Mittel durch die hohe Kindersterblichkeit und ähnliche Faktoren bedingt sei; alte Männer habe es auch damals gegeben. Das ist richtig, aber das statistische Mittel ist deswegen nicht falsch: Das Statistische Bundesamt berechnet die allgemeine Lebenserwartung eben so.
NOCH WAS PÄPSTLICHES. Wegen der Buchstabenfolge auf der Grabplatte des eben verstorbenen Heiligen Vaters gab es Irritationen. Das Urteil unseres Glossisten: „Papst Franziskus (…) dürfte an der aktuellen Debatte seine Freude gehabt haben.“ Für Leser K. – und nicht nur für ihn – hört sich das an, als habe Franziskus die Sache noch miterlebt und seinen Spaß daran gehabt. Hat er aber nicht, doch womöglich hätte er über die kleine Affäre gelacht.
DIE „LÄCHERLICHEN VERBOTE, in der Nähe von Kindern nicht zu kiffen“, hält Leserin E. weniger für lächerlich als für kriminell. Da sind wir, wie man sagt, bei ihr. Der fatale Nebensinn ist die Folge der doppelten Verneinung. Einst hatte sie den Sinn, eine Negation zu verstärken: „Nun, reiß Dir deshalb kein Haar nicht aus“ (Matthias Claudius). Heute gilt das als nicht mehr korrekt, aber der Lapsus hat wenigstens einen schönen Namen: redundante oder pleonastische Negation.
