SprachlaborGeht schon!

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(Foto: Luis Murschetz (Illustration))

Warum das Komma nicht nur für den Opa wichtig ist.

Von Hermann Unterstöger

ZUR EXISTENTIELLEN Bedeutung des Kommas wird landauf, landab der Satz „Komm, wir essen Opa!“ zitiert, in dem nur ein Komma den Großvater vor dem Schlimmsten bewahrt: „Komm, wir essen, Opa!“ Nicht annähernd so wild geht es bei der Redensart „Geht nicht gibt’s nicht“ zu, aber auch hierbei entscheidet ein Komma über Sinn oder Nichtsinn. Im Streiflicht war sie in der Version „Geht nicht, gibt’s nicht“ zu lesen. Das ist die gängigste Fassung, neben ihr findet man noch die Varianten „Geht nicht – gibt’s nicht“, „Geht nicht? Gibt’s nicht“ und eben „Geht nicht gibt’s nicht“.

Wozu nun der Lärm? Weil das Komma den Satz in sein Gegenteil verkehrt. Bei Geht nicht gibt’s nicht ist Geht nicht ein ganz besonderes Akkusativobjekt. Während Sätze wie Der Bauer pflügt das Feld anstandslos ins Passiv – Das Feld wird vom Bauern gepflügt – gewendet werden können, führte das bei Geht nicht gibt’s nicht zu der Albernheit Geht nicht wird nicht gegeben. Die alte Dudengrammatik spricht hierbei von „reinen Existenzialurteilen“ und rückt unseren Satz in die Nähe von Es gibt einen Gott, dem ja auch kein Mensch die Passivform Ein Gott wird nicht gegeben verpassen würde.

Jedenfalls darf das Objekt Geht nicht vom Prädikat gibt’s nicht so wenig durch ein Komma getrennt werden wie etwa Bielefeld von gibt’s nicht oder Bangemachen von gilt nicht. Ohne Komma bedeutet der Satz, dass der Sprecher, die Sprecherin sich vom vermeintlich Unmöglichen nicht beeindrucken lässt: Ein „geht nicht“ gibt es bei mir nicht, wär’ ja noch schöner! Trennt man jedoch die beiden Elemente durch ein Komma, macht sich Resignation breit: Die Sache ist weder möglich, noch ist sie machbar. Wer dennoch mit Satzzeichen arbeiten will, greife zum Fragezeichen oder zum Gedankenstrich. Beide stellen das vermeintlich Unmögliche sozusagen zur Debatte und bereiten so das positive Ende vor.

SO WEIT MASUREN und die Osterinsel voneinander entfernt sind, so nahe liegen sie sich mit den falschen Pluralen die Masuren und die Osterinseln. Unser Leser W. weist darauf hin und erwähnt auch „ein paar Felsnasen“ rund um die Insel, die für den Plural wohl verantwortlich sind.

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