SprachlaborFehlgebiert

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(Foto: Luis Murschetz (Illustration))

Ferner: Sind Anschläge per se gleich Attentate?

Von Hermann Unterstöger

DAS SCHIELEN NACH KLICKS oder Likes ist dieser Kolumne fremd. Heute aber muss eine Ausnahme gemacht werden, da es auf einen sprachlichen Lapsus gleich 13 Zuschriften gegeben hat. Es meldeten sich die Leserinnen und Leser B., Dr. H., F., F.-S., N., Sch., K., W., B. (2), R., B. (3), S. und Dr. H. (2), und man hätte annehmen mögen, ihren Wortmeldungen läge der schwerste Fehler der Fehlerjahrgänge 2024/25 zugrunde. Das war der Anlass: „Trump gebiert sich als Friedensfürst …“ Obwohl leicht zu durchschauen war, dass es „geriert“ hätte heißen müssen, wurde in den Briefen ein Feuerwerk an Assoziationen entzündet, vornehmlich natürlich zu dem Wunder, dass Trump sich selbst zur Welt bringt. Herr B. (2) wollte sogar schon mal vom „üblichen Gebären“ der Fußball-Ultras gelesen haben, doch brachte die Suche nach diesem Gebilde nur die „üblichen Gebüren“ zutage, die einst bei vorübergehender „Einquartierung“ von k. u. k. Militärpferden anfielen.

BEI DEN GEWALTTATEN von Aschaffenburg, Solingen, Mannheim etc. war hin und wieder von Attentaten die Rede, obwohl Leser R. zufolge dieser Begriff hier fehl am Platz ist. Bei seiner Verwendung scheint es sich ähnlich zu verhalten wie bei dem sorglosen Gebrauch der Brandschatzung, unter der man einst die Methode verstand, einer Stadt unter der Androhung, man werde sie in Brand stecken, Geld abzupressen. Herr R. rät, im Interesse einer möglichst korrekten Berichterstattung zwischen den Termini Anschlag, Attentat, Terrorakt und Amoklauf säuberlich zu unterscheiden. Was speziell das Attentat angeht, so versteht man darunter in enger Auslegung einen Anschlag, der gegen bedeutende Persönlichkeiten gerichtet ist, bevorzugt gegen Staatsoberhäupter, Politiker und Inhaber hoher Ämter in Staat, Wirtschaft, Kultur und im Militärwesen. Es sei gestattet, das düstere Kapitel mit einem alten, auf dem jiddischen Wort Tate (Vater) basierenden Witz abzuschließen. Wohlan: Was unterscheidet Baron Rothschild, Kaiser Wilhelm und Zar Alexander III.? Nun, Rothschild hatte einen reichen Taten, Wilhelm einen tatenreichen Taten und der Zar einen attentatenreichen Taten.

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