Sprachlabor:So macht man Futur II stolpersicher

Lesezeit: 1 min

Sprachlabor: undefined

Probleme, die man immer wird lösen können, Gefahren beim Aufbahren und gedankenlose Übernahmen.

Von Hermann Unterstöger

DASS DER HUND nicht im Bett schlafen darf, ist schnell gesagt: "Der Hund darf nicht im Bett schlafen." Wie aber formuliert man das im Futur II, das zukünftige Ereignisse als abgeschlossen darstellt. Bei studyflix.de findet man die korrekte Form: Der Hund "wird nicht auf dem Bett haben schlafen dürfen". Wer nie gestolpert ist, wenn ein aus Verb, Modalverb und Hilfsverb zusammengesetztes Prädikat konjugiert werden musste, kann froh sein. Ob Leserin v. F. froh war, als sie von einem Dilemma erfuhr, das "keine Architektin und kein Architekt lösen werden kann", wissen wir nicht. Dafür wissen wir, dass sie mit ihren 90 Jahren einer Generation angehört, "die noch Grammatik lernte" und folglich weiß, wie der Knoten zu lösen ist: ein Dilemma, das keiner "wird lösen können". Wir merken uns: Gebeugt wird nur das Hilfsverb (werden); Vollverb (lösen) und Modalverb (können) verharren im Infinitiv. - Konjugationsschwäche war es nicht, sondern Zerstreutheit, die den von unserem Leser Dr. R. bemerkten Lapsus verursacht hatte. Statt "in den Hunger zu stürzen drohte" stand bei uns "in den Hunger zu drohen stürzte", und dass jetzt bitte keiner sagt, das sei ein Freud'scher Verdreher gewesen.

OHNE DIE TRAUER um Elizabeth II. hier unter der Hand und ohne Genehmigung durch Edward William Fitzalan-Howard, den Earl Marshal of England, fortzusetzen, muss doch erwähnt werden, was Leserin D. uns und allen anderen Medien mitgibt: Es war nicht der Sarg, der "aufgebahrt" wurde, sondern die Queen.

GEDANKENLOSE Übernahmen aus dem Englischen sind Leser B. ein Ärgernis. Neuester Fall: dass Waffen aus dem Westen auf den ukrainischen Schlachtfeldern "einen Unterschied machen". Einen Unterschied wozu? Herr B. nennt die Formulierung "Quatsch" und fordert, nicht Wort an Wort zu kleistern, sondern zu bedenken, dass das Idiom "to make a difference" in diesem Fall sinnvoller mit "etwas bewirken, bewegen" übersetzt worden wäre.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema