Sprachlabor:Totgesagte leben länger

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Doch wurde der Tod je totgesagt? Und was haben Gefühle mit Fuhrwerken gemein? Jennifer Aniston scheint jedenfalls erleichtert, über was auch immer.

Von Hermann Unterstöger

WENN AGENTUR-MELDUNGEN sprachlich verstolpert sind und in dieser Form abgedruckt werden, ist es unsere eigene Nase, an die wir uns fassen müssen. Über Jennifer Aniston wurde - von der dpa und uns - berichtet, dass sie lange vergeblich auf ein Kind gehofft habe und der Zug jetzt abgefahren sei. Dann hieß es: "Sie bereue nichts. In der Zwischenzeit sei sie eher erleichtert." Unseren Leser S. schien das zwar grundsätzlich erfreut zu haben, ließ ihn aber auf der Frage sitzen, zwischen welchen Ereignissen Aniston erleichtert war. Seine Vermutung: zwischen Nichtreue und Doch-wieder-Reue.

NOCH EINE VERMUTUNG, diesmal aber eine sehr sichere. Die Charakterisierung Donald Trumps als "Mann, der öfter totgesagt wurde als der Tod selbst" brachte unseren Leser R. kurz ins Grübeln. Dann aber fasste er sich und gab zu Protokoll, dass der Tod seines Wissens noch nie totgesagt worden sei.

WAS FÜR FAHRZEUGE das seien, fragt unser Leser W., mit denen Siege und Niederlagen oder Gewinne und Verluste "eingefahren" werden. Die Metapher ist nicht das, was man gern als "sexy" bezeichnet, dafür ist sie ohne qualifizierte Erfahrungen im Erntewesen verständlich. Das gute Gefühl, das sich einstellte, wenn einst das Heu und das Korn auf Fuhrwerken in die sichere Scheune eingefahren wurden, wirkt derart stark fort, dass Siege und Gewinne locker ohne Getreidewagen eingefahren werden können. Es spricht für die Stärke dieses Gefühls, dass es auch noch für das Einfahren von Niederlagen reicht.

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