Russland, UkraineWelcher Frieden wäre realistisch?

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Das Ziel: Frieden. Der Weg dahin: unklar.
Das Ziel: Frieden. Der Weg dahin: unklar.
Caroline Seidel-Dißmannel/dpa

Leserinnen- und Leserkommentare zu einer europäischen Friedensordnung jenseits des Ukraine-Krieges.

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„Frieden stiften“ vom 14. November:

Realitätsverweigerung

Heribert Prantl schreibt zur „Friedensordnung in Europa jenseits des Krieges“: „Es beginnt mit dem Gedanken, dass Moskau zu Europa gehört – so wie München, Mariupol, Madrid und Marseille“.

Diese alliterative Reihung von Städtenamen versucht zu normalisieren, was nicht zu normalisieren ist: die Zerstörung und Besetzung der ukrainischen Stadt Mariupol durch Russland, die sinnbildlich für Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine steht. Mariupol in einem Atemzug mit europäischen Großstädten wie München, Madrid und Marseille zu nennen, geht in brutaler Weise über russische Kriegsverbrechen hinweg und scheint darauf zu setzen, dass das Schicksal dieser im Frühjahr 2022 monatelang hart umkämpften Stadt in der Erinnerung der Deutschen schon nicht mehr präsent ist.

Bei Prantl erscheint Mariupol als eine freie und prosperierende europäische Stadt, obwohl sie aktuell nach fast vollständiger Zerstörung, nicht geahndeten russischen Kriegsverbrechen und Massenflucht, gemäß Besatzerlogik von Russland neu gebaut und besiedelt wird. Dann auch noch dafür zu plädieren, Moskau in diese so bewusst zusammengestellte Liste von Städtenamen aufzunehmen, um Russlands Anspruch zu legitimieren, „europäisch“ zu sein, ist an Realitätsverweigerung kaum zu überbieten. Prantl erkennt den derzeitigen Status quo im Krieg an und spielt zugleich mit der diffusen Hoffnung auf Frieden. Aus Prantls Worten und seiner Argumentation spricht eine kalte Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Ukraine – und damit auch Europas. Prantl äußert hier nicht nur eine Meinung, sondern er verfälscht die Sachlage.

Prof. Dr. Andrea Gawrich, Vize-Direktorin Gießener Zentrum Östliches Europa, Justus-Liebig-Universität GießenProf. Dr. Gwendolyn Sasse, Wissenschaftliche Direktorin, Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS), BerlinDr. Susann Worschech, Wissenschaftliche Koordinatorin, Kompetenzverbund Interdisziplinäre Ukrainestudien Frankfurt (Oder) – Berlin (KIU)

Friedensbemühungen

Danke für das „Nachdenken über eine Friedensordnung in Europa jenseits des Krieges“! Moskau gehörte schon zu Europa, da gab es noch keine USA, daran ändern auch 100 Jahre kommunistische Gewaltherrschaft nichts. Und erinnern wir uns bitte: Auch Deutschland wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von seinen westlichen Nachbarn wieder aufgenommen, und nach einem Kniefall eines deutschen Kanzlers verbesserten sich auch die Beziehungen gen Osten. Warum sollte eine solche Entwicklung bei Russland ausgeschlossen sein?

Bei allen möglichen Fehlern des Westens: Ist ein wichtiger Grund für die ständige Aggressivität Russlands - und aktuell für den Krieg gegen die Ukraine - nicht ein persönliches Problem Putins, der damit das Volk von seiner Unfähigkeit ablenken will, aus Russland ein prosperierendes Land zu machen? Wirft das nicht sofort die Frage auf: Wie viele Russen stehen hinter Putin, würden sie die Aggression ohne ihn fortsetzen?

Bedeutet das nicht aber, dass wir hier in Europa aus Angst vor Angriffen auch gegen uns vielleicht gerade dabei sind, eine milliardenschwere Verteidigung hochziehen wegen der Befindlichkeit eines Mannes? Haben wir im 21. Jahrhundert, mit der Fantasie aller Nato-Mitglieder und unseren unvorstellbaren finanziellen Mitteln keine anderen Ideen, als wieder Völker gegeneinander antreten zu lassen? Ein Neuanfang mit Putin ist nicht vorstellbar - aber gibt es keine Kräfte in Russland, die kein Blut an den Händen haben und Frieden wünschen?

Wir wollen uns verteidigen – aber nur auf Basis einer realistischen und nachvollziehbaren Einschätzung der Bedrohung und ihrer Ursachen, und bei gleichzeitigen Friedensbemühungen.

Klaus Werner, Erlangen

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