Marco RubioAmerikanische Auslegung

Lesezeit: 2 Min.

US-Außenminister Marco Rubio spricht bei der 62. Münchner Sicherheitskonferenz.
US-Außenminister Marco Rubio spricht bei der 62. Münchner Sicherheitskonferenz. Kay Nietfeld/dpa

Auf der Sicherheitskonferenz spricht US-Außenminister Marco Rubio über die kulturellen Wurzeln der USA und Europas. Was SZ-Leser zwischen den Zeilen lesen.

Kommentar „Der Westen, den er meint“ vom 16. Februar:

Beethovens Diplomatie

Die Rede von Marco Rubio, dem amerikanischen Außenminister mit Migrationshintergrund, vor der Sicherheitskonferenz mag manchen beruhigt haben, weil er zu der Meinung gelangen konnte, Amerika habe sich durch die Betonung der gemeinsamen kulturellen Wurzeln Europa wieder etwas angenähert.

Aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer aber konnten feststellen, dass Rubio sehr unreflektiert mit europäischer Kulturgeschichte umgeht beziehungsweise sich in seiner Darstellung nur in usurpierender Weise das aussucht, was in seine menschenverachtende Maga-Ideologie passt.

Die humanistische Idee zum Beispiel scheint für Rubio eher in die Mottenkiste der gemeinsamen Kulturgeschichte zu gehören, und vielleicht hätte der von ihm genannte, von humanistischen Idealen beseelte Beethoven auf eine Einladung der heutigen amerikanischen Regierung mit seinem berühmten Satz reagiert, den er in seiner höchst undiplomatischen Art vor arroganten und ignoranten adeligen Zuhörern äußerte: „Für solche Schweine spiele ich nicht.“

Diese Rede verdrängte in Wirklichkeit viele durch leidvolle Erfahrungen erworbene Wertvorstellungen der gemeinsamen europäischen Kulturgeschichte, sie war eine raffinierte amerikanische Show, gespickt mit sprachlichen Superlativen und vorgegaukelter Wertschätzung, ein oberflächliches Schwadronieren über gemeinsame Kulturgeschichte, rückwärtsgewandt, verlogen und strotzend vor Ignoranz und Selbstherrlichkeit. Verdient so etwas Standing Ovations?

Johannes Fiedler, Neuburg

Verdrehte Sichtweise

Die kluge und tiefschürfende Analyse der Rede von US-Außenminister Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz zeigt die vielfältigen, stark einseitigen und ideologisch verdrehten Sichtweisen der republikanischen Administration mit Blick auf die Rolle Europas und der Vereinigten Staaten auf.

Am plumpsten ist das bei der Migration. Ohne die wären die USA nie zu dem geworden, was sie heute sind. Der Melting Pot ist die Metapher für eine Gesellschaft, in der verschiedene Kulturen, Ethnien und Traditionen zu einer einheitlichen neuen Identität verschmelzen.

Heute wird Migration in den USA rigoros bekämpft, und die Trump-Regierung wirft den Europäern vor, bei der Zuwanderung gänzlich versagt zu haben. Ohne die Eingewanderten, auch die illegalen, würde das US-Wirtschaftssystem längst nicht mehr funktionieren. Schätzungen von 2024 zufolge belaufen sich die von illegalen Einwanderern gezahlten Bundes-, Landes- und Kommunalsteuern auf rund 100 Milliarden Dollar im Jahr.

Doch das interessiert Donald Trump nicht, er lässt die Migranten durch die Bundesbehörde ICE erbarmungslos verfolgen, stigmatisiert sie zu Verbrechern und schiebt sie ab.

Stefan Kaisers, Gießen

Hinweis

Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion, sie dürfen gekürzt und in allen Ausgaben und Kanälen der Süddeutschen Zeitung, gedruckt wie digital, veröffentlicht werden, stets unter Angabe von Vor- und Nachname und des Wohnorts. Schreiben Sie Ihre Beiträge unter Bezugnahme auf die jeweiligen SZ-Artikel an forum@sz.de. Bitte geben Sie für Rückfragen Ihre Adresse und Telefonnummer an. Postalisch erreichen Sie uns unter Süddeutsche Zeitung, Forum & Leserdialog, Hultschiner Str. 8, 81677 München, per Fax unter 089/2183-8530.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: