Männliches VerhaltenWas man als Mann tun kann

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Die Politiker Lukas Honemann und  Felix Banaszak im Gespräch mit dem Psychologen  Gerhard Hafner  (v. li. n. re.).
Die Politiker Lukas Honemann und Felix Banaszak im Gespräch mit dem Psychologen Gerhard Hafner (v. li. n. re.). Friedrich Bungert

Die SZ hat fünf Männer zwischen 25 und 76 zum Gespräch über Verantwortung, Rollenbilder und die Frage, was sich ändern muss, eingeladen. Den Ansatz finden Leserinnen und Leser gut, die Ausführung weniger.

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„Ein Alltagsguide für Männer“ vom 10. April, „Männer, lasst uns reden“ vom 4./5./6. April:

Alle einer Meinung

Das Interview mit den fünf Männern fand ich eine gute Idee. Ein großer Makel des Interviews ist aber, dass hier fünf progressive Männer miteinander sprechen und sich eigentlich in der Beurteilung der Fragen grundsätzlich einig sind. Das ist schade. Im Interview wird ja auch erwähnt, dass es ein Drittel unentschlossener Männer und ein weiteres Drittel an antifeministischen Männern gibt. Interessant wäre daher mal ein Streitgespräch gewesen.

So ist es wirklich ein recht langweiliges Gespräch geworden, das zudem durch die ständigen Zwischenfragen der Interviewer unterbrochen wird (man hätte die Männer ja auch mal untereinander diskutieren lassen können, ohne immer mediierend oder richtungsweisend einschreiten zu müssen). Ich kann verstehen, dass die Leserschaft der Süddeutschen Zeitung eher aus progressiven Männern besteht (zu denen ich auch zähle). Aber ich denke, dass die Antwort auf die Frage, wie man gesellschaftlich etwas an den Geschlechterverhältnissen ändern kann, auch darin bestehen sollte, dass man die anderen Perspektiven zu Wort kommen lässt und nicht über die anderen zwei Drittel der Männer als eine zu belehrende und zu erziehende Masse spricht.

Norbert Krause, Jena

Die Scham muss die Seite wechseln

Mit großem Interesse habe ich ihr Interview gelesen und freute mich über diese Idee, mit Männern über das so wichtige Thema zu sprechen. Ich fand die verschiedenen Ansätze der Teilnehmer sehr interessant, teilweise sogar überraschend.

Was mich allerdings zutiefst wundert und irritiert, ist, dass Gisèle Pelicots Satz – einer wichtigsten und besten Sätze zu diesem Thema – zweimal falsch zitiert wird. Ob Herr Koerner von Gustorf es zweimal falsch gesagt hat oder Sie es zweimal falsch geschrieben haben, weiß ich natürlich nicht. Beides ist jedenfalls fatal und ärgerlich, denn es heißt: „Die Scham MUSS die Seite wechseln“ und nicht, wie Herr Koerner von Gustof anscheinend zweimal falsch zitiert hat, „Die Scham soll die Seite wechseln“. Was für ein wesentlicher Unterschied! Und was für eine unaufmerksame beziehungsweise keine Reaktion auf diesen Fehler, wenn er so zitiert wurde. Hat es keiner bemerkt? Hat keiner verbessert, weil er dachte, ist nicht so wichtig?

Dann hat in meinen Augen auch keiner die Dringlichkeit verstanden, die in diesem MUSS liegt, und auch keiner die Macht der Sprache … und dann ist auch leider Ihr schönes Anliegen verpufft. Schade.

Christina Bock, München

Keine Kollektivschuld

Erstaunlich ist, dass im Eingangsstatement die aufgezählten Fälle Epstein, Pelicot und Fernandes auf gleicher Ebene, auch während des gesamten Interviews, betrachtet werden, obwohl es sich bei den erstgenannten Fällen um bereits rechtskräftig verurteilte Straftäter handelt und im dritten Fall ein Strafverfahren noch nicht eröffnet wurde und somit die Unschuldsvermutung Gültigkeit hat.

Dieses Interview erweckt den Eindruck, dass alle Diskutanten der Meinung eines Kollektivstrafrechts folgen, was einen zur Erkenntnis bringt, alle fünf Teilnehmer befürworten den Ärzte-Song „Männer sind …“ scheinbar als fundiertes Faktum.

Betrachtet man sein Umfeld, stellt sich immer wieder die Frage: Warum suchen sich Frauen immer die Machos, und die anderen werden als „Schluffis“ bezeichnet? Warum findet bei Frauen die AfD (Umfragewerte Frauen 16 Prozent mit Zunahme 8 Prozent) bei all der Diskussion und Macho-Gehabe noch diese Zustimmung? Wie kann es sein, dass Frauen einen Donald Trump wählen können und ihm sogar noch zujubeln, auch wenn er sexistische und beleidigende Äußerungen gegenüber Frauen verbreitet?

Fazit: Am Ende ist die mediale Berichterstattung bereits bei der kollektiven Verurteilung angelangt.

Helmut Schuessler, Augsburg

Mehr sprachliche Sensibilität

Beim Blick auf die Wochenendausgabe vom 4./5./6. April traf mich fast der Schlag: Wie kann es sein, dass ihre Redaktion unter dem Titel „Was wir schätzen“ ein Gespräch „über Rollenbilder, Feminismus und die Frage, was sich ändern muss“ ankündigt und dabei frisch, fromm, fröhlich, frei „Fernandes, Pelicot, Epstein“ in einem Atemzug hintereinander aufzählt, als würden Opfer und Täter im herzlichen Einvernehmen miteinander stehen?

Ist niemanden von Ihnen ein ungutes Gefühl aufgestiegen, wie es sich für Fernandes und Pelicot und allen anderen Opfern sexualisierter Gewalt wohl anfühlen muss, in einer Reihe mit Epstein, einem verurteilten Sexualstraftäter, genannt zu werden?

Zu Ihrer Frage „Was sich ändern muss“: Ändern muss sich auch die Sprache, mit der Opfer und Täter in den Blick genommen werden! Es ist mir ein Rätsel, wie Sie trotz der ebenso differenzierten wie reflektierten Berichterstattung über den Fall Fernandes/Ulmen in Ihrem Blatt zu einer derart verleumderischen Adressierung greifen konnten. Was ich schätzen würde: Mehr sprachliche Sensibilität und analytische Schärfe in Fällen wie diesen, um der von Ihnen beschriebenen sexualisierten Gewalt gegen Mädchen und Frauen doch wenigstens in journalistischer Absicht keine Schlupflöcher zu lassen. Was für ein Fehlgriff!

Gisela Wuttke, Münster

Weder neu noch hilfreich

Mit großem Interesse habe ich Ihren „Alltagsguide für Männer“ gelesen. Die Frage, was ich als Mann tun kann, damit Frauen sich sicherer fühlen, begleitet mich schon mein gesamtes Erwachsenenleben. An neuen und hilfreichen Antworten darauf bin ich immer interessiert. Leider hat der Artikel meine Erwartungen enttäuscht. Die darin gegebenen Empfehlungen sind für mich weder neu noch hilfreich. Ich kenne und befolge sie wie die meisten Männer in meinem Umfeld seit über vierzig Jahren. Trotzdem hat sich das Sicherheitsgefühl von Frauen in dieser ganzen Zeit nicht verbessert, ganz im Gegenteil.

Natürlich sind diese Regeln trotzdem alle gut und richtig, und deren Befolgung sollte im zwischenmenschlichen Umgang eigentlich selbstverständlich sein. Aber dem Ziel, dass Frauen sich sicherer fühlen sollen, bringen sie uns offensichtlich nicht näher. Hierfür bedarf es neuer, anderer Ansätze.

Tilman Schmidt, Bonn

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