AutodesignAbscheulichkeit auf Rädern

Lesezeit: 3 Min.

Ist die alte Schönheit dahin? Modernes Autodesign steht in der Kritik als nicht mehr zeitgemäßes Geprotze.
Ist die alte Schönheit dahin? Modernes Autodesign steht in der Kritik als nicht mehr zeitgemäßes Geprotze.
Stephan Rumpf

Die deutsche Autoindustrie ist in ihrer bisher schwersten Krise. Und woran liegt's? Mindestens auch an der Hässlichkeit der Autos, meint ein SZ-Autor. Viele Leser stimmen zu.

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„BMW – Bitte macht weniger“ vom 14. August:

Politik für die Autobranche

Meinen herzlichen Glückwunsch zu diesem ausgezeichneten Artikel und Ihren richtigen Feststellungen. Ich habe nachgeschaut und festgestellt, dass BMW über 90 Modelle hat. Das ist der Wahnsinn und nur mit absoluter Dummheit und Ignoranz zu erklären. Das ist für mich der Grund, dass die aktuellen und gewesenen Automanager überhaupt keinen Grund haben, über die Politik zu schimpfen. Ich würde als Politiker unverzüglich Folgendes machen: sofort Tempo 130 als Höchstgeschwindigkeit auf allen Autobahnen. Eine Strafsteuer für Autos über 2,5 Tonnen und 300 PS. Rückzahlung beziehungsweise Streichung der Subventionen der letzten fünf Jahre. E-Auto-Förderung nur für in der EU produzierte Mittelklasseautos. Deckelung der steuerlich absetzbaren Anschaffungskosten beziehungsweise Leasingraten. Beteiligung der Autokonzerne an den Kosten der arbeitslosen ehemaligen Beschäftigten (weg vom Prinzip: Gewinne privatisieren und die Verluste zahlt die Allgemeinheit).

Josef Breit, Regensburg

Jurassic-Design

Dem Inhalt des Artikels kann ich nur beipflichten, fahre aktuell bereits elf Jahre ein in meinen Augen gut designtes Auto, möchte eigentlich irgendwann auf eine Elektrovariante umsteigen, aber das Design der Elektromodelle der verschiedensten Hersteller ist alles andere als gefällig, stattdessen eher prollig. Manchmal frage ich mich: Was haben die Vorstände von BMW, Audi und anderen geraucht, als sie ihr Okay für derartige Designs gegeben haben, wie zuletzt beim i7 oder Q9 zu sehen? Oder ist es Absicht, diese Autos so hässlich zu gestalten, um den Verbrenner noch länger am Leben zu erhalten? Ein bekannter Designer hat mir auf die Frage, was er denn von den großen Grills der aktuellen Hersteller halte, geantwortet: Er möchte seine Kollegen im Automobilbereich nicht kritisieren, aber von dem Jurassic-Design hält er gar nichts. Bong, da habe ich sogar von hoher Kompetenz die Bestätigung erhalten und warte halt lieber noch einige Jahre, bis sich das Rad zurückdreht.

Harald Ender, München

Ästhetische Zumutung

Gestern war ich im Autohaus meines Vertrauens. Was dort an Fahrzeugen der gehobenen Preisklasse präsentiert wurde, löste spontan bei mir Schauder und Kopfschütteln aus ob der ästhetischen Zumutungen, die Gerhard Matzig trefflich auf den Punkt bringt. Wer um alles in der Welt glaubt an den Erfolg solcher Automobile, die optisch zum Fremdschämen sind? Weitere Frage: Nahezu wöchentlich ist von Entlassungen in der Branche die Rede, betrifft das auch die Design-Abteilungen? Als langjährige Aficionada der Autos aus München entfährt mir nach oben genanntem Besuch sowie der Lektüre des Artikels nur der Seufzer: BMW, wie haste dir verändert!

Sigrid Droste-Sagasser, Weidach

Hochgeschrieben

Ich erinnere mich an viele Artikel in der SZ unter dem Titel „Test“. Stück für Stück waren es Elegien auf immer größere Boliden. SUVs wurden zu „Familienautos“, und ein ums andere Mal wurde das verfeinerte, zeitgemäße Design und größere Platzangebot gelobt. BMW ist darauf reingefallen, die Welt ist darauf reingefallen. Man kann vielen vieles weismachen, aber nicht allen alles und für immer. Am Ende kommt doch die Wahrheit zum Vorschein, die Natur lässt sich nicht beschummeln: Wir leben auf zu großem Fuß, nicht nur bei Autos.

Medien machen den Verkünder eines immerwährenden klimaschädlichen Konsums. Blättern oder scrollen Sie in den Medien. Wir haben ein veritables Medienproblem. Die überwiegende Werbung der Medien bespielt die emotionale Macho-Seite der Männer. Dadurch liegt die Konsumfixierung der „Mitte der Gesellschaft“ vor allem bei: großen Autos, großen Fleischstücken, großen Wohnungen, großen Urlauben, viel Luxus für wenig Geld. Was kann daran falsch sein? – Angesichts des Zustandes der Welt ist daran alles falsch. Und genau das bilden die Medien ungenügend ab.

Klaus Siersch, München

Rollende Klagemauern

Achtung, Polemik! Zu sagen, Ihr Artikel über den Niedergang deutschen Automobildesigns hätte mir aus der Seele gesprochen, wäre untertrieben. Schon seit Jahren erinnern mich viele Fahrzeuge, nicht nur aus dem Hause BMW, an automobile Eiterbeulen. Umso mehr hat mich der poetische Vergleich mit einer Massagesitzgruppe entzückt. Danke dafür!

Aber ernsthaft: Wann immer ich auf der Straße einem 2000 CS Coupé aus dem Hause BMW begegne, überkommt auch mich die Wehmut. Es ist weniger der Gedanke an die eigene verflossene Jugend als die erschütternde Erkenntnis: Mein Gott, was haben sie damals für Autos gezeichnet, bevor der Windkanal allen Fahrzeugen die Form eines asymmetrisch abgenutzten Stücks Seife aufmoduliert hat!

Wobei – eigentlich müssten diese zeitgemäß klobigen Fahrobjekte doch ein Rückschritt in die aerodynamische Steinzeit sein. Ganz zu schweigen vom obszönen Ressourcenverbrauch und den immer häufiger tödlich verlaufenden Unfällen mit Fußgängern und Fahrradfahrern, die chancenlos zerschellen müssen an diesen rollenden Klagemauern. Dennoch eine konstruktive Anregung an die vertikal gestreifte Konzernführung: Ein Durchbruch zurück zu technologischer Marktführerschaft, zugleich die Vollendung eines zielgruppenideologischen Full Circle wäre es doch, könnte man die Fahrzeuge mit Energy-Drink betanken.

Gert Wilden, Tutzing

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