Polen:Reparationszahlungen sind längst abgegolten

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SZ-Leser und -Leserinnen sind empört über die jüngsten Forderungen aus Polen. Diese erstickten die Friedensbemühungen der vergangenen Jahre, klagen sie.

"Polen beziffert Schäden auf 1,3 Billionen" und "Die antideutsche Karte" vom 2. September:

Melkkuh

Die polnische Regierung stellt Forderungen nach Reparationszahlungen an Deutschland. Durch den Überfall auf Polen durch Nazideutschland hat Polen ungeheuerliche Schäden davongetragen. Das ist uns und unseren Politikern bewusst. Deutschland hat dafür bezahlt. Pommern, West- und Ostpreußen sowie Schlesien sind nach 1945 an Polen abgetreten worden. Ich bin Rheinländerin. Aber wenn ich daran denke, spüre ich Verlust.

Die Wälder und Seen Masurens: Was für ein ungeheuerlicher Reichtum an Holz, was für ein unerschöpfliches Reservoir an Trinkwasser. Unendliche Ackerflächen. Die grenzenlosen Strände der Ostsee von Stettin bis zum Königsberger Gebiet: eine Goldgrube für den polnischen Tourismus. Was Polen daraus erwirtschaften könnte, damit sind Reparationszahlungen für alle Zeiten erfüllt. Deutschland ist für Polen die Melkkuh. Es wird skrupellos versucht, sie zu melken. Das geht nicht.

Maria Elisabeth Schaack, Dormagen

Politische Brandstiftung

Die Forderung polnischer Parteien nach Reparationen halte ich für abwegig. Dass die Untaten des deutschen Krieges gegen Polen zum Himmel schreien, damit ist meine Generation und fast die ganze heute lebende deutsche Bevölkerung groß geworden. Wir haben es verinnerlicht, in Tat und Wort, dass nie wieder solche Unrechtstaten geschehen dürfen.

Ebenso offensichtlich ist, dass Polen bereits wesentliche Reparationen erhalten hat, einen wesentlichen Teil des damaligen Deutschen Reiches, darunter auch die Heimat meiner Vorfahren. Von meinem Erleben als Flüchtlingskind will ich gar nichts sagen oder gar klagen, da selbst unschuldige Nachfahren der Täter sich nicht wundern sollten, wenn sie Opfer werden.

Wenn man Frieden will, muss irgendwann ein Schlussstrich zumindest für die materiellen Folgen gezogen werden. Für den Hauptsünder, hier Deutschland, ist das nur vordergründig vorteilhaft. Wenn es den Schlussstrich nicht gibt, wird nie Frieden sein. Wie soll ein Neubeginn anfangen? Wechselseitige Forderungen, besonders nach so vielen Jahren besseren Bemühens, vergiften die Atmosphäre und sind ausschließlich Folgen sich wechselseitig verhetzender Parteien, die oftmals die Ursachen der Streitereien nicht mehr kennen oder ganz einseitig nur die eigenen Positionen vertreten. Als neues Beispiel betrachte man nur den russischen Krieg in der Ukraine.

Allein deshalb sind die sogenannten Reparationsberechnungen einiger polnischer Politiker Demagogie und politische Brandstiftung. Die beiden Regierungen sollten sich aussprechen. Eine gute Nachbarschaft unserer beiden Länder - und die gibt es Gott sei Dank in der europäischen Einigung - sollte auf die Hetztiraden nach Reparationen nicht weiter eingehen. Das wechselseitige Verständnis lässt sich anders und besser vertiefen.

Prof. em. Dr. Götz Uebe, Eschwege

Kaczyński setzt auf ein totes Pferd

Polens Regierungschef Jarosław Kaczyński fehlt Geld, um seine Regierungspartei wieder nach oben zu hieven. Dabei setzt er auf ein totes Pferd, wenn er an Deutschland appelliert, Reparationszahlungen zu leisten. 1953 wurde besiegelt, dass die Zahlungen abgeschlossen sind. Glaubt er, das von Krisen gebeutelte Deutschland könnte einknicken? Die Ampel wirft zwar gerade mit zig Milliarden für Hilfspakete und anderes um sich. Da dürfen es ein paar Milliarden mehr sein, mag sich Kaczyński vielleicht denken.

Egal auf welchen Betrag sich Deutschland zu zahlen einließe, es wäre der falsche Weg, um Polens immer stärkerer Isolation von Europa entgegenzuwirken. Gut, dass die EU-Kommission Milliarden Fördergelder zurückhält und auf die Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit pocht. Deutschland darf sich nicht durch Angriffe Kaczyńskis weichklopfen oder erpressen lassen, um diesem zu einem Wahlsieg zu verhelfen. Obendrein wäre der soziale Friede endgültig zerstört, würde es noch weitere Reparationszahlungen leisten und sich damit zum Gespött nicht nur Kaczyńskis und Polens, sondern der ganzen Welt machen.

Christine Lanzinger, Mallersdorf-Pfaffenberg

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