Dieter Reiters ungenehmigte NebentätigkeitDes Oberbürgermeisters Eigentor

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Bei der Stichwahl am 22. März 2026 treten Dieter Reiter (SPD) und Dominik Krause (Bündnis 90/Die Grünen) gegeneinander an.
Bei der Stichwahl am 22. März 2026 treten Dieter Reiter (SPD) und Dominik Krause (Bündnis 90/Die Grünen) gegeneinander an. Peter Kneffel/dpa

Die meisten Leser sind enttäuscht von Reiters heimlichem Nebenjob und seinem Umgang mit der fehlenden Genehmigung. Andere sprechen von einer negativen Kampagne.

„Sorry, tut mir leid, Entschuldigung“ vom 10. März, „Regierung prüft Disziplinarverfahren gegen Reiter“ vom 7./8. März und Kommentar „Reiter verspielt Vertrauen“ vom 6. März:

Wie bei den Amigos

Als ehemaliges SPD-Mitglied – lang, lang ist’s her! - kann ich nur den Kopf schütteln über so viel politische Dummheit. Leider hatte ich Dieter Reiter schon per Briefwahl gewählt: Meine Stimme bekommt er jetzt bei der Stichwahl bestimmt nicht. Was unterscheidet die einst so stolze SPD denn noch von den „Amigos“ und „Verwandten“ von CSU und AfD?

Franz-Josef Müller, München

Er ist auch nur ein Mensch

Ich finde es nicht ganz fair, wie derzeit in der Öffentlichkeit mit den Fehlern von Oberbürgermeister Dieter Reiter umgegangen wird. Vor allem, weil damit seine bisherige für München erfolgreiche Politik völlig entwertet wird. Ja, er hat Fehler begangen, die auch mich ärgern. Politiker sind auch nur Menschen. Und sie machen auch Fehler. Wenn sie diese aber einsehen, Reue zeigen und sich öffentlich dafür entschuldigen, müssen wir das anerkennen. Genauso wie wir es erwarten, wenn wir selbst mal Mist bauen.

Heinrich Birner, München

Geld und OB-Job zurückgeben

Ich bin jetzt richtig froh, mich nicht für die Briefwahl entschieden zu haben. So habe ich noch rechtzeitig in der SZ vom Verhalten des amtierenden Oberbürgermeisters Dieter Reiter erfahren. Reiter ist seit 45 Jahren in der kommunalen Verwaltung und hatte in leitenden Positionen Budget- und Personalverantwortung inne sowie Vorbildfunktion gegenüber seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dass Herr Reiter über mehrere Jahre hinweg als Verwaltungsbeirat des FC Bayern insgesamt geschätzte 100 000 Euro bekommen hat und sich weder die Funktion noch die Bezüge von seinem Arbeitgeber, der Landeshauptstadt München, vor Eintritt in diese Funktion genehmigen ließ, reicht für eine fristlose Kündigung.

Dass Herr Reiter weiters davon ausging, die Aufgabe und Vergütung (circa 75 000 Euro pro Jahr) als Aufsichtsrat des FC Bayern ohne Probleme seitens seines Arbeitgebers zu erhalten, zeugt von einer maßlosen Selbstüberschätzung und einer tiefen Verachtung der hierüber entscheidenden Gremien der Stadt München. Eine solche Person kann und darf sich eine Stadt wie München nicht in leitender Funktion leisten.

Die einzige, halbwegs gesichtswahrende Option für die Stadt München wäre eine fristlose Kündigung des amtierenden OB, für Herrn Reiter eine sehr baldige Selbstkündigung und eine Rückleitung der erhaltenen Bezüge.

Deshalb bin ich froh, nicht per Brief gewählt und so noch rechtzeitig vom Verhalten von Dieter Reiter vor der Kommunalwahl erfahren zu haben. So konnte ich meine Wahlentscheidung am vergangenen Sonntag der Sachlage anpassen. Auch eine Partei, die eine so handelnde Person in ihren Reihen hat und sich dann hinter sie (wo sonst?) stellt, ist nicht wählbar. Das gilt für mich auch und erst recht für die Stichwahl.

Rick Baltes, München

Missgünstige Kampagne

Es empört mich, wie stark ein Fehler Dieter Reiters für eine missgünstige politische Kampagne genutzt wird. Jeder Leser der SZ und jeder Stadtrat hätte seit Jahren wissen können, dass Reiter Verwaltungsbeirat beim FC Bayern München war. Auch seine Ernennung zum Aufsichtsrat war bekannt. Er hat aber, wie auch politische Gegner und die Presse, übersehen, dass er dies vom Stadtrat hätte genehmigen lassen müssen. Das wäre sicher eine reine Formalie gewesen. Ich hoffe, dass Ihre Kampagne keinen Erfolg hat, denn Reiter war ein guter OB.

Dr. Florian Seidl, München

Weitere vergessene Nebenjobs?

Wenn Herrn Oberbürgermeister Dieter Reiter „nicht bewusst“ war, dass seine Nebentätigkeit beim FC Bayern genehmigungspflichtig war, fragt man sich natürlich, über welche anderen eventuellen Nebentätigkeiten in seiner Amtszeit er auch noch eine vorherige Genehmigung hätte einholen müssen. Vielleicht sollte er hierzu eine eidesstattliche Erklärung abgeben.

Prof. Dr. Christoph Körber, München

Reiter macht sich befangen

Dieter Reiter und auch einige Kommentatoren gehen davon aus, dass diese „Nebentätigkeit“ selbstverständlich genehmigt werden würde. Ist das so? Wird niemand im Stadtrat fragen, ob es mit dem Amt des Oberbürgermeisters vereinbar ist, für den FC Bayern München tätig zu sein? Es geht hier nicht um die Mitgliedschaft in einem kleinen Sport- oder Wohlfahrtsverein, sondern um eine verantwortliche, steuernde und bezahlte Tätigkeit für ein selbständiges Unternehmen mit erheblichem Volumen (laut Selbstdarstellung hatte der FC Bayern im Jahresabschluss 2024/2025 einen Umsatz von 978 Millionen Euro und 27 Millionen Euro Jahresüberschuss).

Ich persönlich zweifle stark, dass sich der Oberbürgermeister bei Konflikten zwischen Bürgern und dem FC Bayern München für die Bürger einsetzen würde.

Gabriele Rössler, München

Rücktritt statt Ausreden

Widersprechen kann man dem Kommentar zur Nebentätigkeit des OB gewiss nicht; ein paar Anmerkungen verdient er. Nicht nur für Wahlkampfmanager und Parteistrategen ist die Sache ein Albtraum, sondern auch für sehr viele Briefwähler, die es bereuen werden, ihre Stimme einem OB gegeben zu haben, der es erwiesener- und eingestandenermaßen für unter seiner Würde hält, sich dem Dienstrecht oder gar dem Votum des Stadtrats zu unterwerfen. Dieser Würde wäre mit einem raschen Rücktritt ohne weitere peinliche Ausreden am besten gedient. Es ist also ganz und gar angemessen, dass der Kommentar auch enthält, was in jeden anständigen Nachruf gehört – eine Würdigung vergangener Leistungen und Verdienste.

Klaus Büchler, München

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