" Das ist selbst für den FC Bayern heftig" vom 27. März und " Das Ende keiner Ära", " Er kann sogar witzig sein" , " Nagelsmann hat sich verfahren - nur warum?" alle vom 25./26. März:
Trainerverträge gelten wenig
Obwohl sich laut Artikel die Trennung von Trainer Julian Nagelsmann seit Monaten angebahnt hat, erschüttert die Meldung von seiner Verabschiedung vom FC Bayern besonders die Münchner Fußballwelt. Erst im Juli 2021 hat Nagelsmann einen Fünfjahresvertrag beim FCB unterschrieben. Nicht einmal zwei Jahre dauerte die Anstellung. Warum werden Fußballtrainerverträge überhaupt abgeschlossen? In den seltensten Fällen werden sie eingehalten. Zu schnell ändert sich in diesem Geschäft die Beurteilung von supergut zu superschlecht. Und wenn der FC Bayern auf Platz zwei der Liga steht, also auf einer für diesen Verein unzumutbaren Position, muss der Trainer täglich mit seiner Verabschiedung rechnen.
Nun leitet Thomas Tuchel die Geschicke der Star-Truppe. Wie lange wird er wohl an der Säbener Straße das Sagen haben? Eine schwierig missionarisch veranlagte Person soll er sein, die sich "kompliziert" ernährt und dies auch von den Spielern verlangt. Ob die ihm in dieser Beziehung folgen werden? Jedenfalls sollte Tuchel einen zweiten oder noch schlechteren Tabellenplatz besser verhindern, sonst wäre auch sein Anstellungsvertrag in Gefahr, um nicht zu sagen in Kürze perdu.
Monika Rumpfinger, München
Rote Karte für den Verein
Die Nacht- und Nebelentlassung des Bayern-Trainers Julian Nagelsmann war nicht nur ein überflüssiges, sondern auch unentschuldbares Foul gegen alles, was recht und "billig" ist.
Erich Fischer, München
Millionenschwere Fehlinvestition
Da hat ein Wirtschaftsunternehmen mehr als 25 Millionen Euro als Fehlinvestition in den Wind geschrieben (so hoch war doch die Ablöse bei RB Leipzig?). Druckt der Verein das Geld im eigenen Keller oder bedeutet der Verlust, dass Einnahmen aus Eintrittskarten und Merchandising in dieser Höhe verbrannt wurden, entweder um den Trainer überhaupt zu engagieren oder diesen jetzt zu feuern? Oder sind das Sponsorengelder? Wenn, dann werde ich mir wohl einen anderen Autohersteller suchen müssen, den Vertrag mit der Telekom kündigen und mich nach einem Versicherer umsehen müssen, der solider wirtschaftet als die Allianz.
Michael Odenthal, Kiel
Minuspunkte gesammelt
Bravo! Endlich spricht mal jemand Klartext. Erwähnen könnte man noch, dass die Aussagen der Vereinsvorstände Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić sich krass widersprechen. Während Kahn von einem längeren Prozess spricht, betont Salihamidžić, dass man sich erst am Montag nach dem Leverkusenspiel entschieden habe. Der außerhalb Münchens beziehungsweise Bayerns recht unbeliebte FC Bayern hat durch diese Aktion weitere Minuspunkte gesammelt.
Rolf Werner, Stolberg
Unwürdiges Gehabe
Mit Nagelsmann wurde ein junger, noch erfolgloser Trainer verpflichtet. Man zahlte für einen Trainer eine ungewöhnlich hohe Abfindung an RB Leipzig und schloss einen Vertrag bis 2026. Völlig unverständlich die Entlassung zu diesem Zeitpunkt. Die Münchner hatten noch alle Chancen auf das Triple. Reicht etwa eine Niederlage in Leverkusen für ein Ende der Zusammenarbeit? Drei Tage vor der Entlassung betonte der Bayernpräsident im Kicker die Zufriedenheit mit dem Trainer. Mit Anstand hätte die Zusammenarbeit mit Nagelsmann bis Saisonende erfolgen sollen. Garantiert ein neuer Trainer mehr Erfolg? Leider hat der Profifußball längst seine Seele verloren. Bleibt die Frage, wie lange der Fan dieses unwürdige Schauspiel noch akzeptiert.
Stefan Herb, Roding
Zeit, aus dem Verein auszutreten
Wäre ich als leidenschaftlicher Fußball-Fan Mitglied des FC Bayern, der Rubikon wäre nun überschritten. Wann sollte man aus einem Verein austreten, wenn nicht jetzt? Wie soll ein Trainer an der Säbener Straße in Ruhe arbeiten können, wenn er nie weiß, ob das Damoklesschwert nicht schon über seinem Haupt kreist. Auch für Thomas Tuchel muss es ein komisches Gefühl sein: Wenn er sich auf den Standpunkt stellt, ein lukrativer Vertrag ist ausgezeichnet, wird auch er ihn wahrscheinlich nicht bis Ende 2025 erfüllen können. Die Gründe sind vielfältig: Bei einem so großen Kader findet quasi automatisch Cliquen-Bildung statt. Und für die Vereinsführung gilt das Großmutter-Sprichwort "Viele Köche verderben den Brei!" Ein Rechnungsführer müsste einwenden: lieber kürzere Verträge, damit die Abfindung niedriger ausfallen könnte.
Hermann-Josef Kromer, Bad Urach
Der Falsche musste gehen
Der FC Bayern hat das falsche Schwein geschlachtet (zitiert frei nach Winston Churchill nach dem Zweiten Weltkrieg). Nicht der Trainer gehört gefeuert, sondern der Sportdirektor und Oliver Kahn.
Josef Glöckl, Kirchheim
Kapitalistischer Menschenhandel
Da wird Nagelsmann noch öffentlich als der Trainer des FCB "gefeiert" (oder im Stillen doch schon gefeuert?) und dann erfährt dieser es aus den Medien. Das ist nichts Neues an der Säbener Straße. Vor Jahren glaubte man, dass Otto Rehhagel etwas länger als eine Saison auf der Trainerbank sitzt (er war 14 Jahre lang Trainer in Bremen); nach einem Jahr war Schluss; er habe die "Jungmillionäre" zu oft über den Platz "gejagt". Felix Magath war sogar zwei mal Meister; er musste gehen, weil er die "armen Jungens" Medizinbälle hatte tragen lassen. Mit dem Hoffnungsträger Nagelsmann wollte man eine neue Mannschaft aufbauen. Er lieferte auch, aber, so liest man zwischen den Zeilen, er war nur eine Notlösung. Sobald Tuchel zu haben war, suchte man (k)einen Grund, um den "Jungspund" loszuwerden. Es ist für mich "kapitalistischer Menschenhandel", den sich die Nachfolger der straffällig gewordenen Bosse Rummenigge und Hoeneß erlauben. Wie lange lassen sich die Fans so etwas gefallen?
Wolfgang Zopora, Bad Alexandersbad
Hinweis
Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion, sie dürfen gekürzt und in allen Ausgaben und Kanälen der Süddeutschen Zeitung , gedruckt wie digital, veröffentlicht werden, stets unter Angabe von Vor- und Nachname und dem Wohnort. Schreiben Sie Ihre Beiträge unter Bezugnahme auf die jeweiligen SZ-Artikel an forum@sz.de . Bitte geben Sie für Rückfragen Ihre Adresse und Telefonnummer an. Postalisch erreichen Sie uns unter Süddeutsche Zeitung, Forum & Leserdialog, Hultschiner Str. 8, 81677 München, per Fax unter 089/2183-8530.
