StichwahlMünchen wählt grün

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Klarer Sieger der Münchner Oberbürgermeisterwahl: Dominik Krause (Grüne).
Klarer Sieger der Münchner Oberbürgermeisterwahl: Dominik Krause (Grüne). Sven Hoppe/dpa

Bei der Stichwahl zum Oberbürgermeister gewinnt Dominik Krause  (Die Grünen) gegen den Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD). SZ-Leser bewerten das Wahlergebnis.

„Grünen-Bashing wirkt nicht“„Ein Wunsch nach Erneuerung“ und das Interview mit Christian Ude „Die SPD ist eine politisch entleerte Partei geworden“, alles vom 24. März:

Brücken bauen

Es war erfrischend zu lesen, wie sachlich und tatendurstig der neue Oberbürgermeister an seine Aufgabe herangehen will. Zumindest gemäß seinen Aussagen im Interview will er bemüht sein, Brücken zu bauen, statt ideologische Positionen der Grünen voranzutreiben. Das ist auch gut so, denn letztendlich ist Dominik Krause nur von rund 25 Prozent der Münchner Wahlberechtigten gewählt worden. Zudem haben die beiden regierenden Koalitionspartner im Stadtrat, Grüne und SPD, Stimmen und Sitze bei der Kommunalwahl verloren. Beides ist kein Mandat für einseitige Klientelpolitik.

Die von ihm geäußerten Prioritäten machen Sinn: bezahlbares Wohnen und leistungsfähiger ÖPNV. Man wird sehen, ob er sein Versprechen von 50 000 neuen Wohnungen in seiner Amtszeit einhalten kann. Hoffentlich wird er auch zu einer sachlichen Verkehrspolitik finden. Wie der von Krause zitierte dänische Generalkonsul schon sagte: „Letztendlich will jeder so schnell wie möglich von A nach B kommen“. Das gilt auch für die Autofahrer und nicht nur für Radfahrer. Letztendlich ist München eine Großstadt und kein Freizeitpark.

Ich hoffe, dass der neue OB sich auch intensiv um eine effizientere, schnellere und bürgernähere Verwaltung kümmern wird. In vielen Bereichen sind die Wartezeiten zu lang und der Service mäßig. Es muss möglich sein, eine Stadt wie München mit weniger als 44 000 Beschäftigten effektiv zu managen, wenn die gesamte EU nur rund 34 000 Angestellte hat.

Werner Geissler, München

Politische Gedächtnislücke

Mit tiefer Bewunderung habe ich die „finanziellen Flexibilitätsübungen“ von OB Reiter verfolgt. Dass dem OB Reiter nicht bewusst war, dass man für Zusatzzahlungen die Erlaubnis der Bürgervertreter braucht, zeugt schon fast von einer jugendlichen Naivität, die man einem Stadtoberhaupt nicht zugetraut hätte. Ein wahrer Geniestreich der politischen Gedächtnislücke. Der Wechsel an der Stadtspitze wird München guttun.

Claus Ebert, Feldafing

Motivation der Wähler

Bei aller Euphorie, die jetzt stellenweise ausbricht: Dominik Krauses Sieg ließe sich wahrscheinlich, wenn man die Wählerwanderungen und vor allem die Enthaltungen analysierte, ganz undramatisch erklären. Meine Theorie: Die Leute, die beim ersten Mal Clemens Baumgärtner (CSU) gewählt haben, sind zu großen Teilen einfach zu Hause geblieben. Und die Motivation der Wähler, die es eigentlich noch einmal mit Dieter Reiter probieren wollten, war nach den letzten Enthüllungen nur noch gering.

Einen Angeschlagenen wählt man nicht, es sei denn, es drohte die Machtübernahme des Leibhaftigen. Als Feindbild eignet sich aber gerade der nette Dominik Krause überhaupt nicht. Um das Wahlergebnis zu erklären, braucht man also keine Aufbruchsstimmung herbeizureden. Und um mit einem nicht unkomplizierten Stadtrat gedeihlich zusammenzuarbeiten, sollte man die Erwartungen ohnehin nicht zu hoch schrauben.

Axel Lehmann, München

Abgehoben – und abgewählt

Als Münchner, Jahrgang 1948, bin ich sprachlos und entsetzt zugleich, was ich über Herrn Reiter und auch den Zustand der SPD in meiner Geburtsstadt lesen muss. Dass die Verstrickungen mit dem FC Bayern nicht ohne Folgen geblieben sind und zu Recht auch nicht bleiben konnten, ist die eine Sache. Aber so abgehoben und volksfremd wie Christian Ude das jahrelange Verhalten des ehemaligen OBs Reiter schildert, das schockiert mich doch sehr. Ich frage mich nur, ob denn wirklich niemand im SPD-Landesverband München/Bayern das wahrgenommen hat, ob da niemand mehr da ist, der den Genossen und Genossinnen mal deutlich die Leviten liest. Umso mehr freut es mich zu lesen, dass ein persönliches Engagement und Bürgernähe, wie es der neue Bürgermeister Abuzar Erdogan in Rosenheim – zusammen mit Alt-OB Ude – gezeigt hat, zum Erfolg führte. Gleichzeitig muss aber doch gerade dieses Beispiel zeigen, wo unsere zunehmend satte Gesellschaft angekommen ist. Herrn Dieter Reiter muss man keine Träne nachweinen.

Reinhold Ehl, Schönwalde-Glien

Reiter war kein Vorbild

Über Jahre hat Herr Reiter seine Einnahmen aus seiner Nebentätigkeit verheimlicht, seine Partei, die Stadtratsfraktion, die Wähler betrogen, und meint, er habe in den letzten drei Wochen Fehler gemacht. Welche? Dass er nicht die Konsequenzen gezogen hat? Welcher Arbeitgeber würde das hinnehmen, dass ein Mitarbeiter über Jahre gegen die Regeln der Firma verstößt und meint, er habe es am Ende nur schlecht kommuniziert? Aber nicht nur das. Dieter Reiter meinte auch, über dem Gesetz zu stehen. Würde das ein Grüner machen, wäre er längst weg von seinem Posten. Und was machen die Grünen in München? Halten still, sind nett und freundlich. Wo bleibt eine klare Ansage? Ich erwarte von Politikern eine Vorbildfunktion.

Elisabeth Kitt, Nürnberg

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